Hand der Woche – Wie man mit rein gar nichts eine starke Hand schlägt

Flop5
Ein Familien-Flop beim $50k-Turnier der WSOP

Eines der großen Ziele beim Poker ist es, einen Gegner mit einer besseren Hand zum Folden zu bekommen. Wem dies öfter gelingt als seinen Gegnern, dem ist dauerhafter Erfolg gewiss.

Ein geradezu meisterhaftes Beispiel zu diesem strategischen Ziel präsentieren wir in unserer Hand der Woche. David Oppenheim schafft es, eine wirklich starke Hand Michael Mizrachis zum Folden zu bekommen, und macht sich dabei unter anderem einen All-In-Spieler zunutze.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir verfolgen den Finaltisch eines der renommiertesten Turniere der World Series of Poker, die $50.000 Poker Player Championship 2010. Bei diesem Turnier nehmen traditionell die besten Allrounder der Welt teil, und für viele Pokerfans handelt es sich dabei um die insgeheime Weltmeisterschaft (statt des Main Event).

Im Jahr 2010 nahmen 116 Spieler teil, mittlerweile sind noch acht übrig und es geht um ein begehrtes Bracelet und eine Siegprämie von über $1,5 Millionen.

In der Hand kommt es zu der ungewöhnlichen Situation, dass der Big Blind Mikael Thuritz mit gerade einmal 5.000 Chips automatisch All-In ist – er verlor zuletzt einen großen Pott und hat nur noch einen Chip übrig.

Die Blinds liegen bei 20.000/40.000 plus 10.000 Ante und nach zwei Folds limpt Daniel Alaei in dritter Position. Michael Mizrachi ist mit 1,75 Mio einer der Big Stacks und limpt ebenfalls, und genauso spielt David Oppenheim (ca. 2 Mio) im Cut-Off mit

   

Er löst eine weitere Welle aus: Robert Mizrachi callt auf dem Button, David Baker stockt im Small Blind auf und Thuritz ist mit 5.000 ohnehin ebenfalls dabei.

Somit geht es mit sechs Spielern und 275.000 im Pott auf den Flop. Der bringt

     

Baker checkt, Thuritz zwangsläufig auch, Alaei checkt, aber M. Mizrachi setzt 50.000. Oppenheim callt, R. Mizrachi foldet, Baker foldet, Thuritz ist noch in der Hand, und Alaei foldet.

Im Pott sind 375.000, und mit drei Spielern, davon zwei aktiv, geht es auf den Turn. Der bringt die

 

Mizrachi (1,65 Mio) setzt 125.000 und Oppenheim (ca. 1,9 Mio) raist auf 425.000. Thuritz kann nur zusehen, aber Mizrachi callt.  Im Pott sind 1.225.000, und mit drei Spielern geht es auf den River. Der bringt die

 

Mizrachi (1,2 Millionen) checkt und Oppenheim (1,5 Mio) setzt weitere 550.000. Mizrachi hadert, blickt zu Thuritz und gibt die Hand schließlich auf.

Oppenheim muss seinen Bluff zeigen, weshalb Thuritz mit 

   

den Main Pot mit 100.000 gewinnt. Mizrachi hatte 

   

also Trips!

 Analyse und Bewertung

Eine wirklich erstaunliche Hand David Oppenheims, die auf den ersten Blick vielleicht wie ein stinknormaler Bluff aussieht, in Wirklichkeit aber eine große Tiefe hat.

Gehen wir noch einmal die Setzrunden durch, um seine Spielweise besser verstehen zu können.

Vor dem Flop kommt es zu einer ungewöhnlichen Situation, die durch den All-In-Spieler im Big Blind herrührt. Insgesamt fünf Spieler limpen in den Pott, um ein damals modernes Cooperation Play durchzuführen. Ziel ist, Mikael Thuritz auf jeden Fall aus dem Turnier zu nehmen und die Preisgeldleiter um einen Platz und damit $40.000 nach oben zu klettern.

Der Flop mit 997 bringt Mizrachi Trips und er bringt mit 50.000 eine sehr niedrige Bet. Meist haben seine Gegner nichts, aber er will das Feld dennoch dezimieren, bzw. Spieler mit einer Sieben zum Call animieren.

Hinter ihm macht Oppenheim einen erstaunlichen Call mit einer tiefen Idee. Er hat außer dem Back Door Straight Draw und einer Overcard rein gar nichts, dafür aber vier Spieler hinter ihm, die eine starke Hand haben könnten.

Im Grunde riskiert Oppenheim hier 50.000 für einen späteren Move und demonstriert aus Sicht seiner Gegner einen Draw oder eine extrem starke Hand – eine spekulative, aber preiswerte Investition.

Nächster Schritt auf dem Turn

Mizrachi und Oppenheium
Mizrachi und Oppenheim auf dem Turn

Alle Spieler außer Thuritz, der bis zum Ende in der Hand bleibt, folden, worauf mit der T ein interessanter Turn aufgedeckt wird.

Mizrachi setzt weiter, was angesichts der Bet auf dem Flop vor fünf Spielern weiterhin auf eine starke Hand hindeutet, doch Oppenheim packt jetzt mit Oben-unten den Semi-Bluff aus.

Mit seinem Call auf dem Flop vor vier Spielern (!) repräsentierte Oppenheim wie erwähnt einen Draw oder eine starke Hand, und mit der Zehn hat sich 86 zu einer Straight verbessert, während auch eine Hand wie T9 aus Sicht Mizrachis in Erwägung gezogen muss.

Ein wichtiger Faktor ist auch Short Stack Thuritz. Oft bringt ein Bluff nichts, wenn ein Spieler All-In ist, da man diesen nicht aus dem Pott bluffen kann, doch in diesem Fall ist Thuritz‘ Stack so klein, dass es im Side Pot noch genug zu gewinnen gibt. Psychologisch spielt dieser Faktor aber auf jeden Fall eine Rolle.

Natürlich lässt sich ein Spieler wie Mizrachi nicht so schnell aus der Hand drücken, und ein Call ist sicher der beste Spielzug. Bei einem Re-Reraise würde Mizrachi nur von besseren Händen wie 77 oder T9 bezahlt, brächte aber keine bessere Hand zum Folden.

Vollendung auf dem River

Mit 1,225 Millionen im Pott geht es auf den River, wo Mizrachi nach einer totalen Blank checkt und von Oppenheim eine Bet knapp unter halber Pottgröße vorgesetzt bekommt.

Mizrachi3
Mizrachi nach dem Entsorgen seiner Trips

Oppenheim zieht seine heimtückische Idee also bis zum Schluss durch und bietet Mizrachi ausgezeichnete Pot Odds. Verliert Mizrachi aber, schrumpft sein Stack auf unter 700.000.

Mal im Ernst! Was soll Oppenheim aus Mizrachis Sicht haben? Er callte auf dem Flop vor vier aktiven Spielern, er raiste auf dem Turn und brachte auf dem River einen Einsatz, der schwer nach Suck Bet aussieht, und all das mit dem All-In-Spieler im Big Blind?!?!

Ein Bluff ist hier kaum zu erkennen, weshalb Mizrachi kaum eine andere Wahl bleibt, als selbst eine so starke Hand wie seine Trips zu folden.

Ironischerweise blieb Mikael Thuritz durch Oppenheims Bluff vorläufig im Turnier – mit der Drei auf dem River bekam er die bessere Hand und versechsfachte, schied aber dennoch als Achter aus.

David Oppenheim „erlog“ sich in dieser Hand zwar die Chiplead, musste als Dritter aber dennoch am Ende Mizrachi den Sieg bei der prestigereichen Poker Player Championship überlassen.

Fazit

David Oppenheim gelingt das Kunststück, in einem Pott mit insgesamt sechs Spielern und einem Zwangs-All-In Michael Mizrachi und dessen Trips mit rein gar nichts über 500.000 Chips abzuknöpfen.

Derartige Boards sind ideal, um mit mutigem Spiel sogar extrem starke Hände zum Folden zu bekommen, wenn das eigene Spektrum alle denkbaren Monster umfasst.

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