Hand der Woche – Wer denkt einen Schritt weiter?

Phil Ivey

„Next level thinking“ vom Feinsten gibt es dieses Mal in unserer Hand der Woche zu bestaunen. Mit Phil Ivey und Jason Mercier sind zwei der besten Spieler der Welt in ein Duell verwickelt, bei dem es schon auf dem Flop zum Äußersten kommt. Wie und warum dies geschah, schauen wir uns aus der Sicht von Phil Ivey an!

Ausgangslage und Spiel bis zum Ende

Wir verfolgen eine Cashgame-Partie aus der amerikanischen Fernsehshow High Stakes Poker mit vielen prominenten Spielern. Die Blinds betragen $600/$1.200, außerdem muss jeder Spieler ein Ante von $100 bezahlen.

In früher Position raist Gus Hansen auf $4.200, Eli Elezra callt und Phil Ivey bekommt auf dem Button

   

Er callt ebenfalls, doch Jason Mercier reraist im Small Blind auf $22.100. Hansen und Elezra folden, doch Ivey callt. Mit $55.000 im Pot geht es auf den Flop, die effektiven Stacks betragen $185.000. Der Flop bringt

     

und Mercier setzt $28.700. Ivey raist mit seinem Overpair auf $78.700, Mercier geht mit $185.100 All-In. Ivey verzieht das Gesicht, überlegt kurz und callt.

Mercier dreht

   

um. Turn und River bringen

  und  

Damit geht der Pot mit $425.200 an Phil Ivey.

Und hier kann man sich das gesamte Geschehen in bewegten Bildern anschauen:

Analyse und Bewertung

Ziemlich schnell kommt es in dieser Hand zur Eskalation, und vor allem Jason Mercier hat beim Showdown eine ziemlich dürftige Hand. Wie es zu dieser Dynamik kommen konnte, schauen wir uns hier noch einmal an.

Vor dem Flop entscheidet sich Ivey nach Hansens loosem Raise und Elezras Call, auf dem Button in Position zu callen und die weitere Entwicklung abzuwarten.

Mercier dagegen nutzt im Small Blind die Gelegenheit zu einem Squeeze Play, das aus zwei Gründen Erfolg verspricht:

1. Keiner der Gegner hat vermutlich eine starke Hand. Hansen ist ein sehr looser Spieler und Elezra bzw. Ivey callten nur, anstatt zu reraisen und mit einer starken Hand das Feld auszudünnen.

2. Seine Hand ist zwar nicht besonders stark, aber mit dem Ass blockt er viele starke Hände und kann eventuell mit einem Ass-Treffer die beste Hand bekommen.

Hansen und Elezra folden ihre schwachen Hände, aber Ivey hält an seinem Plan fest und schaut sich mit Position und der sechstbesten Starthand den Flop an.

Der Flop bringt Ivey ein Overpair, während Mercier gerade einmal einen Gutshot hat. Das aber spielt für Mercier nur eine untergeordnete Rolle, denn er fährt einfach mit seinem Plan fort, ein extrem starkes Overpair zu repräsentieren. Er setzt etwas mehr als Pot, worauf Ivey mit seinem Overpair raist.

Auf diese Weise möchte er die Hand am liebsten sofort beenden, denn die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Turn eine unangenehme Karte kommt, ist sehr hoch. Jede höhere Karte als eine Neun würde dafür sorgen, dass die Lage sehr unübersichtlich wird, und könnte zur mathematischen Katastrophe führen, falls Ivey dann die bessere Hand foldet.

Jason Mercier
Der Semi-Bluff von Jason Mercier war sehr gut durchdacht, nur leider hieß seinen Gegner Phil Ivey.

Richtig interessant wird es aber erst danach, denn Mercier denkt überhaupt nicht daran, seine Hand aufzugeben. Mit seinem All-In behauptet er weiterhin – und das absolut glaubwürdig – dass er ein Overpair hat. Als Absicherung hat er zudem mit seinem Ass und seinem Gutshot sieben Outs, die ihm immerhin 32 Prozent Pot Equity bescheren.

Angesichts des bereits vorhandenen Geldes im Pot ist dies seine Hand allemal wert – hinzu kommt, dass er vielleicht sogar ein wenig Fold Equity erzeugen kann.

Iveys Reaktion nach Merciers All-In spricht Bände. Das Board bietet eigentlich kaum Draws, die einen Semi-Bluff rechtfertigen würden, daher muss er nun befürchten, dass Mercier wirklich ein Overpair hat.

Durch sein Raise hat er sich aber ein wenig zu weit vorgewagt – er muss für die nun $318.800 im Pot $106.400 bezahlen und bekommt damit Pot Odds von fast exakt 3 zu 1, d.h. er muss nur in einem von vier Fällen gewinnen, um profitabel abzuschneiden.

Iveys Miene zeigt aber, dass Mercier hier wirklich um ein Haar ein Schelmenstück gelungen wäre. Bei mehr verfügbarem Geld hätte Mercier seinen großen Kontrahenten vermutlich zum Folden gebracht.

Fazit

Jason Mercier zeigt einen sehenswerten und elaborierten Bluff, der absolut profitabel ist. Sein Pech ist allerdings, dass sein Gegner Phil Ivey heißt. Ivey ist nicht begeistert von der Entwicklung, lässt sich von der richtigen Entscheidung aber nicht abbringen!

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