Hand der Woche – Was war das, Herr Blom?

Viktor Blom

Nach einigen Turnierhänden wollen wir uns dieses Mal bei der Hand der Woche wieder eine Cashgame-Hand genauer ansehen. Wer wäre dazu besser geeignet als der King of Swing, Viktor Isildur1 Blom? Sein Gegner in unserem Duell ist mit Alex IReadYrSoul Millar ebenfalls ein Spieler, der in der Szene bestens bekannt ist und der sich schon etliche Male mit Blom gemessen hat.

Aus seiner Sicht wollen wir uns die Hand anschauen – tun also so, als würden wir gegen Blom spielen.

Das Spiel beginnt

Gespielt wird No-Limit Hold’em Heads-Up mit Blinds von $400/$800, die effektiven Stacks betragen etwas mehr als 125.000 Dollar, also mehr als 150 Big Blinds. Viktor Blom sitzt im Small Blind/Button und bringt einen Standard-Raise auf 2.400 Dollar, wie er es mit sehr vielen Händen tut.

Alex Millar hat mit

   

eine überdurchschnittliche Hand und kontert mit einem Reraise auf 7.500 Dollar. Auch diese Raisehöhe ist durchaus üblich – etwas mehr als das Dreifache, da Millar keine Position haben wird.

Blom lässt sich nicht aber nicht abschütteln, er reraist erneut, dieses Mal auf 18.400 Dollar. Da der Schwede mit recht vielen, aber immerhin nicht allen Händen so spielt, lässt sich seine Range immerhin ein wenig eingrenzen. Totalen Schrott hat er sicher nicht.

Millar hat nun eine schwierige Entscheidung vor sich. Für einen Fold ist seine Hand im Heads-Up viel zu stark, doch ein weiterer Reraise würde angesichts der Stackgrößen bedeuten, dass er pot-committed wäre und deshalb ein All-In bezahlen müsste, gegen das er oft hinten liegt.

Aus diesem Grund entscheidet er sich zum Abwarten – einem Call, mit dem er auch Bloms schlechtere Hände im Pot hält. Damit sind 36.800 Dollar im Pot.

Der Flop bringt daraufhin

     

alex kanu7 millar
Alex Millar.

Millar hat Top Pair gefloppt und checkt zu Blom. Die Continuation Bet lässt nicht lange auf sich warten, fällt mit 13.600 Dollar aber recht niedrig aus.

Nach der Preflop-Action und diesem Flop bringt Blom praktisch immer eine Continuation Bet, da das Board seine Range gut erwischt hat.

Für Millar gibt es keinen Grund, die Hand aufzugeben.

Er hat Top Pair und damit oft genug die beste Hand.

Ein Call ist daher die naheliegende Wahl, ein Raise wäre dagegen schlecht, weil Blom seine gesamten Bluffs folden würde.

Nach Millars Call sind genau 64.000 Dollar in der Mitte und beide Spieler haben noch effektive 93.000 Dollar zur Verfügung.

Ruhepause auf dem Turn

Der Turn bringt mit der

 

eine totale Blank, sofern man das im Heads-Up, wo sehr loose gespielt wird, überhaupt sagen kann. Meist jedoch ändert sie nichts an den bisherigen Verhältnissen.

Für Alex Millar ist die Sache klar. Er ist entweder weit vorne oder weit hinten, also ergibt nur ein Check Sinn, um die Hand entweder durchzuchecken oder Blom bluffen zu lassen.

Der Schwede geht tatsächlich vom Gas und mit weiterhin 64.000 Dollar im Pot wird die letzte Karte aufgedeckt.

Dampfhammer auf dem River

Der River bringt den

 

und für Millar hat sich nichts geändert. Er hat weiterhin Top Pair und Bloms Range ist nach dessen Check auf dem Turn erst recht polarisiert – entweder hat der Schwede nichts oder ein Monster. Folgerichtig checkt Millar zu Blom, der dann eine heftige Overbet vom Stapel lässt und mit über 93.000 Dollar All-In geht.

Wow, Viktor Blom, wie er leibt und lebt, aggressiv und unberechenbar.

Blom repräsentiert hier im Grunde Two Pair und Sets mit einem König, wenn man den gesamten Verlauf der Hand berücksichtigt, doch reicht dies aus, um ein Top Pair gegen den Schweden zu folden, der auf dem Turn seine Range beträchtlich geschwächt hat?

 

Für Alex Millar nicht. Der Brite callt und gewinnt mit seiner Hand gegen Bloms

   

Analyse

Bloms Hand, ist erstaunlich, der Schwede ist einfach immer für eine Überraschung gut. Viele Spieler hätten mit dem glücklich geriverten Paar Könige den kostenlosen Showdown gewählt und gehofft, dass sie gegen eine schlechtere Hand, die ohnehin nichts mehr bezahlt hätte, vorne liegen.

eier
Für eine Overbet braucht man ziemlich dicke...

Nicht so Viktor Blom. Er hämmert mit Second Pair anderthalbfache Potgröße in die Mitte und blufft seine Hand. Gegen einen Spieler vom Format eines Alex Millar ist dies sehr riskant, und wird im vorliegenden Fall auch bestraft.

Vermutlich schätzte Blom die Lage so ein, dass er viele bessere Hände zum Folden bekommen würde – also schwache Asse wie das von Millar – und vielleicht sogar noch ein paar Calls von schwächeren Händen wie KT.

Unterm Strich gefällt sein Spiel aber nicht sonderlich. Schlechtere Hände zahlen ihn sehr selten aus und bessere bekommt er auch wegen des Flush Draws auf dem Flop (der seine Bluffwahrscheinlichkeit erhöht) gegen einen Spieler dieser Qualität nur selten zum Folden.

An Millars Spiel gibt es jedoch wenig auszusetzen. Er hat mit seinem Rope-a-dope einen riesigen Pot mit mehr als 250.000 Dollar gewonnen. Wenn das doch nur so einfach wäre …

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