Hand der Woche – Call, Satz und Sieg Timoshenko

jewgeni timoshenko
Jewgeni "Jovialgent" Timoshenko.

Die Schönheit des Pokerspiels ist sehr vielfältig, doch die ganz besonderen Momente sind oft Calls, bei denen ein Spieler entweder zum großen Helden oder zum Deppen wird. In unserer heutigen Hand der Woche wollen wir uns diesem Thema widmen.

Protagonist ist der in den USA lebende Ukrainer Yevgeni Timoshenko, der mit Turniergewinnen von knapp 5 Millionen Dollar unter den Top 100 der Welt rangiert.

Let’s party

Wir befinden uns an Tag 4 des Main Event der World Series of Poker und die Blinds betragen 4.000/8.000, dazu wird ein Ante von 1.000 kassiert. Aus mittlerer Position raist Timoshenko mit

   

auf 17.000, als einziger Spieler callt im Big Blind Vimy Ha. Im Pot sind damit 47.000 Chips und der Flop wird aufgedeckt mit:

     

Ein guter Flop für Timoshenko, der Top Pair mit passablem Kicker getroffen hat. Anstatt wie üblich zum Preflop-Raiser zu checken, überrascht Ha mit einer sogenannten Donk Bet aus dem Big Blind und setzt 13.000 Chips.

Für Timoshenko gibt es keinen Grund, seine Hand aufzugeben – er bekommt Pot Odds von mehr als 4 zu 1 und hat bis zum Ende der Hand Position. Im Pot sind nach seinem Call 73.000 Chips.

Nach seinem Call kommt eine interessante Karte auf dem Turn, die:

 

Ha setzt nun 23.000 und übt damit weiter Druck aus Timoshenko aus.

Der Ukrainer trifft daraufhin eine interessante Entscheidung und raist auf 65.000.

vimy ha
Vimy Ha - Nut Flush repräsentiert?

Auf diese Weise repräsentiert er eine weit stärkere Hand als diejenige, die er konkret hält – im Grunde teilt er seinem Gegner mit, dass er einen Flush oder ein Set hat.

Ha scheint das nicht zu kümmern. Der Amerikaner reraist ein weiteres Mal auf 130.000 und stellt Timoshenko damit vor eine schwere Entscheidung – callt er nun, muss er auf dem River mit seinem recht kümmerlichen Top Pair vermutlich eine weitere Bet bezahlen.

Umso wichtiger ist es daher zu überlegen, was Ha haben kann. Er repräsentiert mit seinem Reraise auf dem Turn im Grunde den Nut Flush, doch hätte er damit so gespielt? Hätte er damit auf dem Flop von vorne gesetzt und nicht gecallt oder gecheckraist?

Timoshenko jedenfalls lässt sich nicht abschütteln. Er callt, womit der Pot auf 333.000 anschwillt und für diese Turnierphase beträchtliche Ausmaße annimmt. Danach bringt der River die:

 

Eine gute Karte für Timoshenko, da er mit größter Wahrscheinlichkeit weiter vorn ist, wenn er dies auf Flop und Turn war. Sein Gegner bleibt aber auf dem Gaspedal und setzt weitere 200.000, womit der Pot auf 533.000 ansteigt.

Nach einem kurzen Antäuschen mit der Hoffnung auf einen Read entscheidet sich Timoshenko recht schnell und callt. Sein Gegner präsentiert mit

   

einen König als höchste Karte, und der Pot geht an Yevgeni Timoshenko, der zurecht einen Bluff beim Gegner vermutete.

Fazit

jewgeni Timoshenko
Erkennt den Bluff - Jewgeni Timoshenko.

Vimy Ha zeigte in dieser Hand viel guten Willen und die oft zitierte Aggressivität, die starke Spieler auszeichnet. Im vorliegenden Fall konnte er Timoshenko aber letztlich keine glaubwürdige Geschichte verkaufen.

Seine Setzfolge passte nicht zusammen. Auf dem Flop repräsentierte er ein Set, Two Pair oder ein starkes Top Pair, doch auf dem Turn hatte er auf einmal den Flush, als er Timoshenkos Raise noch einmal reraiste.

Kaum vorstellbar, dass er mit einer schlechteren Hand auf dem Turn so gespielt hätte. Insofern war Timoshenkos Call auf dem River nach dem vorherigen Call auf dem Turn eigentlich nur noch Formsache.

Aus Timoshenkos Sicht ist die Hand im Nachhinein betrachtet, flüssig und logisch gespielt. Jeder Spieler weiß aber, wie schwer dies am Tisch ist. Interessant ist Timoshenkos Entscheidung, auf dem Turn zu raisen und im Grunde zu bluffen.

Vermutlich dachte er sich, dass Ha aufgrund seiner Spielweise keinen Flush haben kann und er sogar einige bessere Hände zum Folden bekommt.


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