Hand der Woche – Volldampf bei den German High Rollern

Johannes Strassmann
Johannes Strassmann.

Heute sehen wir uns ein Duell zwischen Jonas Kronwitter und Johannes Strassmann an. Beide haben in der Staffel bislang gut abgeschnitten und entsprechend einiges an Geld gewonnen.

Vergangene Woche hatten wir uns ebenfalls mit einer Hand aus der neuen Staffel der German High Roller beschäftigt, in der Philipp Gruissem gegen Leon Tsoukernik seine Pokerkunst demonstrierte.

In der heutigen Folge entwickelt sich wieder eine spannende Konstellation, die für Cashgame mit großen Stacks typisch ist. Wir wollen uns die Hand aus der Perspektive von Johannes Strassmann betrachten, der zu den Stammgästen der Sendung zählt.

Rock ‘n Roll von Anfang bis Ende

Gespielt wird No-Limit Hold’em mit Blinds von €50/€100, Harry Casagrande hat einen Live-Straddle mit €200 gebracht. In erster Position ist Jonas Kronwitter an der Reihe und erhöht auf €600, Michael Keiner direkt dahinter foldet, doch Johannes Strassmann reraist mit

   

auf €1.600 und lässt damit einen echten Move vom Stapel.

Alle anderen Spieler folden, doch Jonas Kronwitter lässt sich nicht abschütteln und reraist auf €4.100. Strassmann bekommt Pot Odds von fast 2,5 zu 1, doch seine Hand ist nicht nur ziemlich schwach, sondern auch oft dominiert. Dennoch callt er, wodurch schon vor dem Flop €8.550 im Pot sind.

Die Dealerin deckt nun folgenden Flop auf:

     

Kronwitter setzt €4.500 und stellt Strassmann vor die Entscheidung. Er hat Middle Pair getroffen, aber Kronwitter repräsentiert ein Overpair. Nach langem Nachdenken callt Strassmann schließlich, worauf der Turn eine interessante Karte bringt:

 

Mittlerweile sind €17.550 im Pot und Kronwitter setzt weitere €12.700. Strassmann bekommt wieder Pot Odds von etwa 2,5 zu 1 und entscheidet sich mit Paar plus Nut Flush Draw zum Call. Es folgt der River mit der

 

in einem Pot mit €42.950.

Kronwitter überlegt lange und setzt Strassmann schließlich mit €24.000 Euro All-In. Dessen Call mit Trips Achten kommt prompt. Kronwitter muss

   

für den geplatzten Straight Draw zeigen und der Pot mit über €90.000 geht an Johannes Strassmann.

Analyse und Bewertung

Spektakuläres ereignete sich in dieser Hand, die dann ein profanes Ende nimmt, denn natürlich callt Strassmann den River.

Kronwitter
Gut gespielt und doch verloren - Jonas Kronwitter.

Schauen wir uns an aber noch einmal von Anfang an die Ereignisse aus Sicht beider Akteure an. Vor dem Flop agieren beide Spieler sehr loose, wobei vor allem der Reraise und anschließende Call der 4-Bet von Johannes Strassmann ziemlich fragwürdig sind.

Bei seinem Reraise sitzen noch etliche Spieler hinter ihm, und nach Kronwitters 4-Bet ist dessen Range sehr stark.

Natürlich gibt es zu der Hand Vorgeschichte, das bedeutet, dass beide Spieler wissen, wozu der andere fähig ist. Nur so ist zu erklären, dass Strassmann sich auf diese Konstellation einlässt.

Der Verlierer als Held

Auf dem Flop bringt Kronwitter fast immer eine Continuation Bet, daher ist Strassmanns Call ziemlich klar, auch wenn er sich fragen muss, ob er ohne weiteren Treffer bis zum Ende durchhält.

Der Turn bringt ihm dann neun weitere (bzw. sichere) Outs, womit ein Call fraglos richtig ist. Keine schlechte Möglichkeit ist hier übrigens auch ein Semi-Bluff All-In, mit dem Strassmann einige bessere Hände zum Folden bekommen kann, allerdings auch schlechtere.

Der River ist dann einfach für Strassmann, doch die Frage lautet, was er zum Beispiel bei einer Fünf oder einer Drei gemacht hätte. Hätte er dann auch gecallt? Vermutlich eher nicht.

Strassmann
Gut versteckte Hand von Johannes Strassmann.

Genau dieses Beispiel zeigt, dass der eigentliche Held der Hand der Verlierer ist.

Jonas Kronwitter hat nach seiner spekulativen 4-Bet vor dem Flop alles gegeben, doch die scheinbar gute Acht auf dem River war in Wahrheit die denkbar unglücklichste Karte für seinen dreifachen Bluff.

Auf dem Flop semibluffte er mit seinem Open-ended Straight Draw, auf dem Turn kam das Ass als ideale Bluff-Karte hinzu und auf dem River kam weder der Flush Draw in Pik oder Herz noch sonst etwas an, womit ein weiterer Bluff absolut plausibel wurde.

Da er sich fast Pot Odds von 2 zu 1 gibt, muss der Bluff nur in einem von zwei Fällen funktionieren, was hinkommen sollte.

Die Acht befand sich eigentlich nicht in der Range von Strassmann, daher ist sie (eigentlich…) eine weitere gefährliche Karte für diesen.

Mit seiner gut versteckten Hand konnte Strassmann auf dem River einen fetten Pot gewinnen, doch Kronwitter spielte die Hand ungeachtet dessen von Anfang bis Ende sehr gut.

 

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