Hand der Woche – Der weltmeisterliche(?) Call des Ryan Riess

Ryan Riess Wins 2013 WSOP Main Event

Die November Nine sind entschieden, und mit Ryan Riess hat die Pokerwelt einen neuen Champion, der sich aus Sicht vieler ziemlich überraschend die Krone sicherte. Im Siegerinterview mit Kara Scott bekannte der neue Weltmeister allerdings trocken, dass er der beste Spieler der Welt sei, und löste damit einiges Kopfschütteln in der Szene aus.

Schauen wir doch einfach nach. Aus dem gesamten Geschehen am Finaltisch ragt sicherlich eine Hand besonders heraus, die im allgemeinen Siegerjubel unterging, aber extrem spektakulär ist.

Ausgetragen wurde sie im Heads-Up mit Jay Farber, und wir wollen dafür in die Haut des frisch gebackenen Weltmeisters schlüpfen.

Ausgangslage und Beginn der Hand

Die Blinds betragen 600.000/1,2 Millionen und Ryan Riess hat sich deutlich von seinem Gegner abgesetzt.

Er hält mittlerweile 156 Millionen Chips und 130 Big Blinds, während Farber mit 34 Millionen nur noch über knapp 30 Big Blinds verfügt.

Im Big Blind bekommt Riess

   

ausgeteilt und hat damit eine überdurchschnittliche Hand. Vom Button raist Farber auf 2,5 Millionen, wie er es in 90 Prozent der Fälle tut.

Über seine Hand sagt das sehr wenig aus, da er nur die schlechtesten Hände foldet.

Riess muss die gesamte Hand ohne Position spielen, doch ist QJ natürlich zu stark, um diese vor dem Flop aufzugeben. Folgerichtig callt Riess und bei 5 Millionen im Pot wird der folgende Flop aufgedeckt.

     

Farber lässt nicht mehr locker

Riess hat nichts getroffen und checkt zu Farber. Der setzt 2,8 Millionen und Riess callt. Der spätere Weltmeister hat nichts außer zwei Backdoor Draws und er hat keine Position. Mit 10,6 Millionen im Pot bringt der Turn die

 

und damit einen Gutshot für Riess. Erneut checkt er zu Farber, der mit 6 Millionen eine recht hohe Bet vom Stapel lässt. Wieder callt Riess und erzeugt damit einen Pot von 22,6 Millionen.

Auf dem River dreht der Dealer die

 

um und wieder checkt Riess zu seinem Gegner. Der setzt weitere 13 Millionen und nach einigem Nachdenken callt Riess mit Dame hoch.

Jay Farber zeigt

   

und gewinnt dank seines Flush den Pot mit 49 Millionen Chips.

Nachbetrachtung und Analyse

Was ist in dieser Hand passiert, die bei manchem Betrachter vielleicht die Frage auslöste, ob Riess noch ganz bei Trost war? Mit 49 Millionen waren fast 28 Prozent der gesamten Turnierchips in dieser Hand auf dem Spiel, und Ryan Riess callt auf dem River mit Dame hoch.

Ryan Riess and Jay Farber
Das Heads-up - Riess gg. Farber.

Gehen wir bei der Suche nach einer Antwort die Hand noch einmal durch. Vor dem Flop raist Farber fast seine gesamte Range, dagegen liegt Riess mit seinen Q J klar vorn.

Gegen diesen Call ist somit nichts einzuwenden, problematisch wird es allerdings auf dem Flop, wo Riess ohne Position und mit einer Hand ohne große Perspektive erneut callt.

Gegen Farbers extrem breite Range mag Riess durchaus noch oft (oder sogar meist) vorne liegen, doch wird er es schwer haben, ohne Position bis zum Ende durchzuhalten.

Auf dem Turn callt Riess mit einem Gutshot erneut, wobei die Pot Odds nicht annähernd ausreichen, wenn er sich nur diese Outs gibt.

Er muss 6 Millionen für 16,6 Millionen bezahlen, bekommt also Pot Odds von 2,76 zu 1, die Chance auf die Straight beträgt aber nur ca. 8 Prozent (also 12 zu 1 dagegen), er muss also noch weitere Möglichkeiten sehen, die Hand zu gewinnen.

Aus Farbers Sicht war der Turn übrigens eine ausgezeichnete Karte. Er bekam zu seinem Flush Draw noch ein Middle Pair, mit dem er oft vorne liegt.

Ryan Riess
"Ich bin einfach der beste."

Schließlich kommt auf dem River mit der 3 der Flush an und Riess checkt erneut zu Farber. Der setzt 13 Millionen und repräsentiert damit den Flush. Viele Hände, die Riess bislang schlug, haben ihn nun überholt, sodass er eigentlich gegen gar nichts mehr vorn liegt.

Ein großes Problem an Riess‘ Call an dieser Stelle ist, dass er auch viele Bluffs nicht schlägt. Hat Farber z.B. mit A7 oder A6 durchgebarrelt, hat er zwar nichts, aber immer noch mehr als Riess.

Durch die Drei auf dem River, die ein Paar aufs Board brachte, gibt es einige Hände mehr, die Riess schlägt, andererseits könnte es durchaus sein, dass Farber auch mit einer Neun setzt, weil er meint, den Flush repräsentieren und damit einen König zum Folden bringen zu können.

Natürlich ist Farbers Range extrem polarisiert, da sie auf dem River nur aus Monstern bzw. Flushes und Müll besteht (mit einem König etwa würde er kaum noch setzen), doch wirkt Riess ein wenig überambitioniert oder wie man im Jargon sagen würde, das sieht nach FPS (Fancy Play Syndrome = die Neigung zu allzu ausgefallenen Aktionen) aus.

Vielleicht wollte Riess im Gefühl des sicheren Sieges hier auch das i-Tüpfelchen setzen und eine wahrlich weltmeisterliche Aktion zeigen, doch wie immer bei solchen Calls sieht auch er ziemlich bescheuert aus, wenn es schief geht.

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