Hand der Woche – Royal Flush mit enttäuschendem Ergebnis

Scott Hanna und Martin Kabrhel

Von einem Royal Flush träumen viele Pokerspieler, doch streng genommen geht es in einer Cashgame-Runde nur darum, möglichst viel Geld damit zu gewinnen. Brandaktuell ist unsere Hand der Woche aus einem High Stakes Cash Game im King’s Casino, in der Scott Hanna es nicht schafft, den Wert seines Royal Flush zu maximieren. Stattdessen gibt es am Ende ein Desaster.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir verfolgen eine Highroller­-Partie aus dem King’s Casino, an der so bekannte Profis wie Liv Boeree, Igor Kurganov, Martin Kabrhel und Max Altergott gegen unerschrockene Amateure wie Scott Hanna und Leon Tsoukernik antreten.

Gespielt wird mit Blinds von €25/€50, durch bis zu drei Straddles wird der Pot aber in der Regel schon vor dem Flop deutlich größer.

Drei Straddles gibt es auch in unserer Hand, den zweiten setzt Scotty Hanna mit

   

und den dritten Igor Kurganov, dessen Hand aber keine Rolle spielt. Als erster an der Reihe ist der tschechische Ex-Europameister Martin Kabrhel (Stack €40.000), der auf €2.400 raist. Alle anderen Spieler folden, aber Scott Hanna (Stack: €21.000) bezahlt. Im Pot sind damit €5.375.

Der Flop bringt

     

Scotty spielt von vorn €2.000 an, die Martin callt. Im Pot sind damit €9.375.

Der Turn bringt den

 

Scotty setzt weitere €3.000, die Martin erneut callt. Pot sind damit €15.375.

Der River bringt die

 

Scotty checkt und Martin checkt nach längerem Nachdenken ebenfalls mit A K für Top Pair. Der Pot mit €15.375 geht an Scotty.

Hier kann man sich die Hand noch einmal anschauen, ab 1 Stunde, 35 Minuten:

Analyse und Bewertung

Die Maximierung des Gewinns mit starken Händen und die Minimierung des Verlusts in ungünstigen Match-Ups (mit der schlechteren Hand) sind zwei der wichtigsten Ziele beim Cashgame.

Ein Royal Flush ist eine Hand, mit der man sich nicht mehr die Frage stellen muss, ob man die Hand gewinnen wird, vielmehr geht es ausschließlich darum, das Maximum herauszuholen.

Schauen wir uns noch einmal an, wie diese Hand verlief und ob Scott Hanna hier mehr hätte gewinnen können.

Martin Kabrhel
Martin Kabrhel fiel nicht auf die Falle von Scott Hanna herein.

Vor dem Flop verläuft alles normal. In einer loosen Runde kann Hanna eine Hand wie A J kaum folden, wenngleich er nach dem Flop mit Positionsnachteil spielen muss.

Auf dem Flop trifft Hanna eine interessante Entscheidung. Er hat Royal Flush Draw plus Gutshot und möchte den Pot auf jeden Fall in die Höhe treiben. Aus diesem Grund spielt er von vorn eine niedrige Bet mit €2.000 in den Pot mit €5.375. Auch Martin Kabrhel hat einen Gutshot plus zwei Overcards plus Position, daher kann er den Pot an dieser Stelle noch nicht aufgeben.

Nach seinem Call bringt der Turn die Traumkarte – der K beschert Hanna den Royal Flush und Kabrhel Top Pair. Nun macht sich Hannas Donk Bet auf dem Flop positiv bemerkbar – da er bereits die Initiative übernahm, kann er weitersetzen und dafür sorgen, dass auf jeden Fall weiteres Geld in die Mitte kommt. An dieser Stelle sieht man einen der vielen Nachteile, die es hat, keine Position zu haben: Nur wenn man von vorn setzt, kommt garantiert Geld in die Mitte.

Hannas Einsatzhöhe mit €3.000 in €9.375 ist allerdings sehr niedrig, und er berücksichtigt dabei offenbar einige Faktoren nicht ausreichend.

1. Kabrhels Spektrum ist sehr stark: UTG-Raise vor dem Flop und Call auf dem Flop

2. Der River kann eine Karte bringen, nach der er nichts mehr gewinnt.

3. Bisher hat er nur ein Drittel seines Stacks im Pot untergebracht, er hat aber eine Hand, mit der er All-In gehen möchte.

Eine deutlich höhere Bet wäre aus diesen Gründen angebracht gewesen. Mit €6.000 hätte Scotty (einen gegnerischen Call vorausgesetzt) einen Pot mit €21.375 aufgebaut, bei dem er auf dem River mit ca. €10.000 hätte schlüssig All-In gehen und gute Pot Odds bieten können.

Auf dem River kommt dann die schlimmste Karte für Scotty überhaupt, die 9. Nun liegt ein Four Flush auf dem Board, und die höchste Herz-Karte, die Kabrhel haben kann, ist die 8.

An dieser Stelle verzichtet Hanna auf eine Bet, um Kabrhel die Gelegenheit zum Bluff zu geben. In diesem Fall wäre aber eine niedrige Bet richtig gewesen – sie hätte die Wahrscheinlichkeit eines Bluffs eher erhöht und sie wäre vor allem recht oft gecallt worden, weil Kabrhel seinem Gegner schon das Herz Ass geben muss, um ihm eine Value Bet abzunehmen.

Fazit

Ein Royal Flush ist eine tolle Hand, die man nicht oft bekommt.

So schön sie ist, geht es aber dennoch darum, den Gewinn zu maximieren.

In unserer Hand der Woche versäumt Scott Hanna auf dem Turn, die Stackgrößen zu berücksichtigen und durch kluges Aufteilen des restlichen Geldes ein All-In vorzubereiten.

Die Quittung kommt auf dem River, wo eine ungünstige Karte die Action erstickt.

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