Hand der Woche – Respekt, Mr. Mortensen

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Carlos Mortensen.

Er gewann 2001 den Main Event der World Series of Poker und war auch in diesem Jahr ganz nah dran, wieder den Finaltisch zu erreichen. Nach einer überzeugenden Vorstellung gelang es Carlos Mortensen beinahe, in die November Nine vorzudringen – er schied als bislang letzter Spieler aus dem wichtigsten Turnier des Jahres aus.

Wie stark Mortensen auch heute noch spielt, wollen wir uns heute in einem Duell mit dem Niederländer Jörn Walthaus anschauen, das am sechsten Tag des Main Event stattfand.

Zum Zeitpunkt der Hand betrugen die Blinds 30.000/60.000, dazu wurde ein Ante von 10.000 verlangt.

Das Drama beginnt

In früher Position bekommt Mortensen (Stack: ca. 3 Millionen)

   

ausgeteilt und raist damit auf 135.000. Im Hijack callt Jörn Walthaus (ca. 6,5 Millionen) aus den Niederlanden und im Small Blind callt mit Matthew Reed ein weiterer Spieler. Im Pot sind somit 555.000 Chips. Anschließend wird der Flop mit

     

aufgedeckt, durch den eine sogenannte Way ahead/way behind-Situation entstanden ist.

Dies bedeutet, dass Mortensen mit seinen Königen entweder weit vorne liegt und auf Turn und River kaum noch überholt werden kann, oder aber gegen einen Buben bzw. ein Paar Achten schon hinten liegt.

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Gefährlich - Jörn Walthaus.

Matthew Reed checkt, und etwas überraschend entscheidet sich auch der spanische Ex-Weltmeister zu einem Check.

Vermutlich dachte sich Mortensen, dass er bei einer Bet kaum von schlechteren Händen bezahlt wird, außerdem könnte Walthaus (oder auf dem Turn Reed) sich zu einem Bluff entschließen.

Walthaus aber setzt 215.000, worauf Reed foldet und Mortensen callt. Ein Raise von Mortensen wäre ganz schlecht, da er nur von besseren Händen gecallt würde. Somit sind 985.000 Chips im Pot, bevor der Turn mit der

 

umgedreht wird. Aus Mortensens Sicht hat sich wenig geändert. Entweder ist er weit vorne, oder weit hinten, berücksichtigen muss er allerdings, dass T9 sich nun zu einer Straight verbessert hat, wobei Walthaus mit hoher Wahrscheinlichkeit damit nicht im Hijack einen Raise vor dem Flop callen würde.

Das Spiel vom Flop wiederholt sich. Mortensen checkt und Walthaus setzt, dieses Mal 510.000. Erneut entschließt sich Mortensen zum Call. Im Pot sind damit 2.005.000 Chips und der River bringt die

 

Für Mortensen gibt es keinen Grund, den eingeschlagenen Weg zu verlassen. Erneut checkt er und wieder bekommt er eine Bet vorgesetzt: Dieses Mal setzt Walthaus 975.000 Chips und bietet Mortensen damit Pot Odds von ziemlich genau 3 zu 1.

 

Mortensen überlegt 12 Minuten

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Auch Folden kann brillant sein.

Mortensen hat noch gut 2 Millionen Chips übrig und muss nun eine Entscheidung von höchster turniertaktischer Wichtigkeit treffen.

Callt er und verliert, bleibt ihm mit ca. 1 Million Chips ein Stack, mit dem ihm nur noch Push or Fold zur Auswahl steht.

Andererseits bestand Mortensens Plan darin, Walthaus bluffen zu lassen und so Chips zu gewinnen. Nun hat der Niederländer dreimal (!) gesetzt und sein Spektrum damit extrem polarisiert – entweder hat er ein Monster (JX aufwärts) oder gar nichts.

Ein Problem aus Mortensens Sicht ist, dass ihn im Verlauf viele Semi-Bluffs überholt haben. Das gilt etwa für T9 oder Hände mit zwei Herz-Karten, mit denen Walthaus auf dem Flop bluffte, auf dem Turn semibluffte und auf dem River den Flush bekam.

Wie schwer Mortensen die Entscheidung fiel, zeigt die Dauer seines Nachdenkens. 12 Minuten nimmt er sich Zeit, ehe er angezählt wird und seine Entscheidung treffen muss.

Schließlich entschließt er sich drei Sekunden vor Ablauf seiner Bedenkzeit zum Fold und zeigt dem Tisch dabei seine Karten.

Auflösung

Intuitiv traf Carlos Mortensen die richtige Entscheidung. Sein Gegner hatte die Hand, die am schwierigsten überhaupt zu erkennen ist – ein Set, das auf dem Turn ankam. Walthaus hatte

   

und auf dem Flop versuchte er, einen Pot zu stehlen, den augenscheinlich niemand haben wollte.

Dann verbesserte sich seine Hand zu einem versteckten Monster und er ließ zwei dicke Value Bets folgen.

Ohne diesen Fold hätte es Mortensen vermutlich nicht geschafft, den zehnten Platz zu belegen. So aber behielt er einen spielbaren Stack und kämpfte sich fast bis zu den November Nine durch.

 

Wer diese Hand in bewegten Bildern verfolgen will, kann dies hier tun.

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