Hand der Woche – Polk mutig, Torelli eiskalt

Acht hoch 1
Acht hoch...

Das Jahr 2017 ist noch jung, doch schon jetzt gibt es einen Anwärter auf die heißeste Hand des Jahres. Doug Polk fährt in einer Cashgame-Hand schwere Geschütze auf, doch Alec Torelli hat zwar nicht viel, aber genügend Mut, um gegen drei Barrels $10.000 zu bezahlen. Ein wirklich beeindruckendes Scharmützel, das wir hier einer näheren Untersuchung unterziehen wollen.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Seit einiger Zeit überträgt das Bicycle Casino in Los Angeles wöchentlich Cashgames live im Internet, und dabei kommt es immer wieder zu interessanten Runden.

Letzte Woche legte Highroller und Youtube-Star Doug Polk einen mehrtägigen Stopp bei „Live at the Bike“ ein und lockte einige bekannte Spieler an.

Ein richtig starker Cashgame-Spieler ist auch Alec Torelli ($10.125), der in UTG+2 und bei Blinds von $25/$50 und $100 Straddle mit

   

auf $325 raist.

Auf dem Button reraist Doug Polk (mehr Geld) auf $1.025, die anderen Spieler folden, darunter auch der Big Blind mit AQ, aber das wissen die beiden Spieler natürlich nicht. Torelli aber callt.

Im Pott sind damit $2.225. Der Flop bringt

     

Torelli checkt, Polk setzt $1.250, Torelli callt. Damit sind $4.725 im Pott und die effektiven Stacks betragen knapp $8.000. Der Turn bringt die

 

Torelli checkt, Polk setzt $3.175, Torelli callt. Damit sind $11.075 im Pott und die effektiven Stacks betragen $4.675. Der River bringt den

 

Torelli checkt, Polk setzt ihn mit $4.675 All-In und Torelli denkt bei $15.750 im Pott lange nach. Am Ende callt er und gewinnt gegen Polks

   

den Pott mit über $20.000.

Die gesamte Hand könnt ihr euch hier noch einmal in bewegten Bildern ansehen:

Analyse und Bewertung

Diese Hand bietet ein seltenes Beispiel von einem Spieler, der mit einem nackten Paar nach einem Flop mit einer Overcard drei Salven einfach stumpf heruntercallt.

Was wie absoluter Wahnsinn aussieht, der zur Nachahmung definitiv nicht empfohlen ist, hat bei einem Weltklassemann wie Alec Torelli offenbar Methode, und daher wollen wir uns die Hand noch einmal genauer ansehen.

Vor dem Flop bringt Torelli mit der viertbesten Starthand einen normalen Raise und muss erleben, wie Doug Polk auf dem Button eine 3-Bet bringt.

Dies ist ein sehr wichtiger Moment, denn Polks Spektrum ist in dieser Situation viel breiter als in den meisten anderen. Ein Weltklassespieler wie er versteht es, seine Spektren ausgewogen zu gestalten und bei Raises und Reraises immer genügend Bluffs im Paket zu haben.

Alec Torelli3
Alec Torelli

Damit stellt er sicher, dass er mit seinen guten Händen öfters ausbezahlt wird und im Grunde auf jedem Board etwas treffen kann.

Wie stark und dabei vergleichsweise billig ein solcher Reraise ist, zeigt sich daran, dass der Big Blind eine so starke Hand wie AQ foldet – er sitzt im Sandwich und kann seine Hand nur widerwillig entsorgen.

Hartnäckig auf dem Flop

Alec Torelli aber hat die viertbeste Starthand und kann natürlich nie folden. Er könnte reraisen, aber das hätte einen großen Nachteil: er würde entweder fast alle schlechteren Hände zum Folden bekommen und dabei wenig Geld gewinnen oder ohne Position in einem großen Pott gegen ein starkes Spektrum landen.

Mit seinem Call behält Torelli sämtliche Bluffs und Semi-Bluffs von Polk im Pott und kann die Lage auf dem Flop neu bewerten.

Der Flop bringt ein Ass und damit eine Karte, die vielen Händen aus Polks Spektrum geholfen hat. Richtig viele sind das aber nicht, denn mit AT oder AJ hätte er vermutlich eher gecallt und die Hand auf dem Button mit Position gespielt.

Dennoch ist die Karte für ihn ideal, um seinen Bluff fortzusetzen und ein Ass zu repräsentieren. Ganz nebenbei können auf dem Turn viele gute Karten für ihn kommen, wie etwa eine Fünf oder eine Neun (wonach er Oben-unten hätte) eine Zehn oder eine Vier (wonach er einen Gutshot hätte) oder ein Pik, wonach er einen Flush repräsentieren könnte.

Ungeachtet dessen, kann Torelli sein starkes Paar natürlich nicht nach der erstbesten Bet aufgeben, sonst wäre er ein gefundenes Fressen für loose-aggressive Gegner.

Ein Call ist somit der einzig richtige Spielzug.

Hartnäckig auf dem Turn

Richtig interessant wird es jedoch erst auf dem Turn, wo mit der 3 eine völlig bedeutungslose Karte kommt.

Torelli checkt wieder, und Polk muss nun ohne jegliches Out entscheiden, ob er seinen Bluff durchzieht.

Polk wäre es fraglos lieber gewesen, wenn er noch irgendwelche Outs gehabt hätte, doch entschließt er sich trotzdem, seine Geschichte weiter zu erzählen.

Doug Polk heckt was aus
Doug Polk heckt was aus

Umgekehrt ist Torelli in einer Lage, in der er im Grunde über seinen gesamten Stack entscheiden muss.

Er hat erst knapp ein Viertel seines Stacks investiert, doch nun muss er mit einem Paar Buben auf einem Board mit einem Ass dazu bereit sein, weitere $7.500 zu riskieren, denn er kann nicht unbedingt davon ausgehen, dass Polk auf dem River vom Gas geht.

Wüsste Torelli, dass Polk auf dem River immer setzt, würde er vermutlich folden, aber so kann er darauf hoffen, dass er mit geplatzten Draws oder komplettem Schrott zumindest gelegentlich checkt.

Ein Grund, warum Torelli hier callt, ist auch, dass Polk eigentlich nur sehr wenige starke Hände haben kann. Natürlich sind Sets und AK möglich, aber schon bei AQ und AJ, die ohnehin nur bedingt im Spektrum enthalten sind, würde Polk womöglich vom Gas gehen.

Hartnäckig auf dem River

Der König auf dem River ändert im Grunde nicht viel, da AK keine Hand mehr schlägt als vorher, außer ziemlich abwegigen A7 oder A2.

Torelli kann nur checken, da ihn schon lange keine schlechtere Hand mehr callen kann, und hoffen, dass sein Gegner ebenfalls checkt.

Doch Polk lässt nicht locker und geht All-In. Damit bietet er Torelli Pot Odds von mehr als 3 zu 1 und behauptet schlicht, dass er ein starkes Ass (vermutlich AK) oder ein Set hätte.

Auf dem Turn hatte Torelli bereits fast die Hälfte seines Stacks investiert und damit einen Call quasi „angekündigt“, doch ist es natürlich sehr schwer, mit diesem Underpair erneut zu bezahlen.

Es bleibt dabei, dass Polks Spektrum nicht sehr viele starke Hände enthält und von Haus auf dem Button relativ schwach war, aber Torellis Mut ist dennoch bewundernswert, hier von Anfang bis Ende gegenzuhalten - das wäre schon mit einem Ass sehr schwer gewesen.

Fazit

Selbst Doug Polk konnte es hinterher kaum glauben, dass sein Gegner hier bis zum Ende heruntercallte, und meinte, er hätte wohl einen Read gehabt.

Alex Torelli sorgt für den verrücktesten Calldown des Jahres und hätte sich mehr verdient als einen Pott mit gut $20.000!

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare