Hand der Woche – Poker vom Feinsten

Nitsche mit dem Move
Nitsche mit dem Move

Beim teuersten und spektakulärsten Pokerturnier des Jahres, dem Super High Roller Bowl, konkurrierte ein bunt gemischtes Feld aus spielstarken Amateuren und den weltbesten Profis um die Siegprämie von $6 Millionen. Am ersten Turniertag gab es gleich mehrere Beispiele zu bestaunen, die zeigten, wie versiert die Profis, aber auch die Amateure sind. Wir präsentieren eine Hand, in der 888poker-Profi Dominik Nitsche seine ganze Klasse demonstriert.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wir steigen in den ersten Turniertag des Super High Roller Bowl 2017 ein, es sind noch über 40 Spieler im Turnier und die Blinds liegen bei 1.500/3.000 plus ein BB-Ante von 3.000. Der Durchschnittsstack beträgt gut 300.000, die Spieler haben also rund 100BB vor sich.

Nach Ben Lambs Fold raist Bill Klein (160.000) in zweiter Position auf 7.500, Kevin Hart foldet, Talal Shakerchi (386.000) callt im Cut-Off, Nick Petrangelo foldet auf dem Button und Dominik Nitsche (336.000) bekommt im Small Blind

   

und callt ebenfalls. Als vierter Spieler kommt Dan Colman (411.000) im Big Blind an Bord.

Mit vier Spielern und 33.000 Chips in der Mitte geht es auf den Flop, der bringt

     

Die Blinds checken, Klein setzt 10.000, Shakerchi callt, Nitsche checkraist auf 40.000, Colman foldet und Klein foldet nach längerem Nachdenken ebenfalls. Shakerchi callt, damit sind 133.000 im Pott und die effektiven Stacks betragen 290.000.

Der Turn bringt die

 

Nitsche checkt und Shakerchi checkt nach kurzem Nachdenken ebenfalls. Weiterhin sind 133.000 im Pott, und die effektiven Stacks betragen 290.000.

Der River bringt die

 

Nitsche checkt, aber Shakerchi setzt nach einer Weile 68.000 Chips. Nitsche investiert zusätzliche Bedenkzeit, callt am Ende aber und gewinnt gegen Shakerchis geplatzten Draw mit

   

Mit dieser Hand hat Nitsche seinen Stack auf über 500.000 ausgebaut.

Interessant sind auch die Hände der anderen Spieler:

Bill Klein foldete mit Q J die beste Hand auf dem Flop und Dan Colman hätte mit T 8 auf dem Turn die Nuts bekommen.

Analyse und Bewertung

Eine recht turbulente Hand, an deren Ende Dominik Nitsche seinen Stack mit dem Hero Call beträchtlich ausbauen konnte und ein eindrucksvolles Zeugnis seiner Klasse abgab.

Schauen wir uns noch einmal die Stationen an, in denen nicht nur Talal Shakerchi, sondern auch Bill Klein und Dan Colman eine interessante Rolle spielen.

Vor dem Flop bringt Bill Klein mit QJo einen ziemlich loosen Raise, aber in dieser Phase geht es darum, mit geringem Risiko möglichst viele Chips zu akkumulieren und sich eine gute Ausgangsposition zu verschaffen.

Shakerchi3
Hart und Shakerchi

Auf dem Cut-Off callt Talal Shakerchi mit QTo, und auch die Calls von Nitsche mit A9s und Colman mit T8o sind aufgrund der Pot Odds und dem generellen Interesse, sich in dieser Phase viele Flops anzusehen, sehr natürlich.

Der Flop belohnt diese Spielfreude, denn es ist für jeden etwas dabei, doch das eigentlich Interessante ist, wie die Spieler damit umgehen.

Nach dem Check der Blinds bringt Klein mit Top Pair eine normale C-Bet, aber das ist nur der Auftakt für eine inhaltsreiche Setzrunde.

Hinter ihm callt Shakerchi mit Oben-unten, ehe Nitsche mit seinen A 9 an der Reihe ist.

Nitsche klärt (fast) die Lage …

Und der deutsche 888poker-Pro hat eine brillante Idee und bringt einen Check-Raise, der sich im ersten Moment vermutlich nicht jedem erschließt. Sein Gedankengang könnte etwa so ausgesehen haben:

1. Klein hat zwar vor drei Spielern gesetzt, aber das könnte eine reine C-bet sein, außerdem war die Bet sehr niedrig, was nicht gerade von immenser Stärke zeugt.

2. Shakerchi hat gecallt, und daher ist gegen zwei Spieler mein Second Pair fast sicher nicht die beste Hand, außerdem habe ich keine Position und müsste eigentlich folden.

3. Mit einem Check-Raise bekomme ich Colman fast sicher aus der Hand, und wenn Klein nicht sonderlich stark ist, kann er im Sandwich auch kaum callen.

4. Foldet Klein und Shakerchi (der natürlich auch folden könnte!) callt, habe ich es mit dem schwächeren Spektrum zu tun und muss nur noch einen Spieler loswerden.

5. Callt mich tatsächlich ein Spieler, können auf dem Turn viele gute Karten kommen, wie ein Ass, eine Neun oder ein Pik.

6. Da ich sonst folden müsste, bringe ich diesen Check-Raise, der nicht einmal jedes zweite Mal funktionieren muss, damit er profitabel ist.

So in etwa könnte Nitsches Denkprozess ausgesehen haben, der in diesem Fall ein tolles Ergebnis nach sich zieht: Colman foldet Oben-Unten (und die späteren Nuts), Klein foldet die beste Hand und Shakerchi bleibt mit dem Draw (und damit der schlechteren Hand) dabei.

… nimmt dann aber den Fuß vom Pedal

Die Turn-Karte gefällt Nitsche nicht sonderlich, da sie seine Hand nicht verbessert hat und eine mögliche Hand von Shakerchi – T8 – nun die Nuts bildet.

Er nimmt deshalb den Fuß vom Gas und verzichtet darauf, mit seinem Second Pair erneut zu bluffen.

Als Shakerchi hinter ihm ebenfalls checkt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass dieser eine sehr starke Hand hat, da er auf diesem drawlastigen Board sonst sicher gesetzt hätte.

Somit geht es auf den River, der mit der 4 eine völlig unbedeutende Karte bringt. Dass jemand einen Flush bekommen hat, ist sehr unwahrscheinlich, daher liegt fast sicher die Hand vorn, die zuvor vorne war.

Klein hat die beste Hand aber...
Klein hat die beste Hand aber...

Eine Bet ergibt aus Nitsches Perspektive nur dann Sinn, wenn es ihm gelingen könnte, eine bessere Hand wie einen Buben zum Folden zu bringen. Er hat aber immerhin Second Pair mit bestem Kicker, was durchaus die beste Hand sein könnte. Aus diesem Grund ist ein Check fast sicher der beste Spielzug.

Talal Shakerchi, der sich zwar als Amateur bezeichnet, aber immerhin im Vorjahr den Main Event der SCOOP gewinnen konnte, gibt sich nun aber nicht einfach geschlagen, sondern wagt einen Angriff auf den Pott.

Welche Hände enthält sein Spektrum? Da sind natürlich Buben, die nun noch eine knappe Value Bet mit Top Pair bringen, aber auch geplatzte Draws wie KT, QT, T7s oder gar eine eher schlecht gespielte Neun.

Der Call ist auf jeden Fall sehr knapp, und wäre Nitsche sicher leichter gefallen, wenn die Sieben auf dem Turn (die immerhin eine Straight vervollständigte) nicht angekommen wäre.

So aber war er zu einem Call fähig, und die Weltklasse unterscheidet von Hobbyspielern, dass sie sich in solchen Fällen öfter richtig entscheidet.

Fazit

Mit einem kunstvollen Manöver gelingt es Dominik Nitsche auf dem Flop, die beste Hand zum Folden zu bekommen und eine schlechtere im Pott zu halten.

Am Ende behält er mit einer dürftigen Hand die Nerven und entlarvt Talal Shakerchis Bluff.

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