Hand der Woche – Phil Ivey bremst Ike Haxton aus

Phil Ivey WSOP Main Event 2014

Ein besonderes Schmuckstück können wir dieses Mal bei der Hand der Woche präsentieren. Seit einigen Tagen kann man online die Aufzeichnungen des Highstakes-Cashgames im Rahmen der Aussie Millions 2014 bewundern, an dem Spieler wie Phil Ivey, Patrik Antonius, Doug Polk, Paul Newey, Ike Haxton, der Deutsche Max Altergott und die chinesischen Millionäre Paul Phua, Richard Yong und Rono Lo teilnahmen.

Lo und Phua spielten den teuersten Pot um rund 1 Million Dollar, für die Analyse haben wir aber ein Duell zwischen Ike Haxton und Phil Ivey ausgesucht, das deutlich mehr interessante Aspekte liefert.

Die Hand zwischen Lo und Phua, die mit Nut Straight gegen Top Set relativ profan verlief, kann man sich hier ansehen:

Nun aber zu Ivey gegen Haxton, zunächst aus Sicht von Haxton:

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Gespielt wird No-Limit Hold’em mit Blinds von $1.000/$2.000 plus Button-Ante von $2.000, die effektiven Stacks liegen bei $257.000. Phil Ivey raist aus früher Position auf $6.000. Dahinter callt Ike Haxton mit

   

und nach ihm beteiligen sich tatsächlich mit Lo, Newey und den Blinds Antonius bzw. Yong weitere vier Spieler am Pot. Zu sechst und mit $38.000 geht es damit auf den Flop mit

     

Die Blinds checken, Ivey checkt und Haxton semiblufft seinen Second Nut Flush Draw mit $26.000, hinter ihm folden Lo, Newey und Antonius, aber Yong und Ivey callen. Im Pot sind $116.000 und der Turn wird aufgedeckt. Er bringt die

 

Yong checkt, Ivey checkt und Haxton $75.000. Yong foldet, aber Ivey geht nach einigem Nachdenken mit $225.000 All-In. Haxton überlegt zwei Minuten und foldet dann seinen Draw. Ivey zeigt seine Hand nicht, er hielt aber A A.

In bewegten Bildern gibt es die Hand hier:

Analyse und Bewertung

Recht ungewöhnlich beginnt diese Highstakes-Hand zwischen dem lange Zeit als besten Pokerspieler überhaupt geltenden Phil Ivey und Ike Haxton, der zu den stärksten No-Limit Hold’em-Spielern gezählt wird. Nach Iveys Raise aus erster Position callen insgesamt fünf Spieler, das ist selbst für die looseren Live-Partien enorm.

Mit sechs Spielern geht es somit auf den Flop und Phil Ivey verzichtet auf die Continuation Bet. Gut für ihn, dass direkt hinter ihm Isaac Haxton die Gelegenheit ergreift und mit seinem Second Nut Flush Draw plus Overcards semiblufft. Haxtons Bet dünnt das Feld zur Hälfte aus, außer Richard Yong, der interessanterweise A 4 hält, und Ivey mit den Assen folden alle Spieler.

Der Turn bringt mit der 3 eine komplette Blank, die fast sicher nichts an den Verhältnissen verändert hat. Yong checkt erneut seinen Nut Flush Draw und auch Ivey checkt wieder. Haxton ergreift die Gelegenheit, einen weiteren Semi-Bluff vom Stapel zu lassen. Yong gibt seine Hand im Sandwich auf – ein sehr disziplinierter und recht überraschender Fold, möglicherweise hat die in Asien sehr verbreitete Tetraphobie (Angst vor der Vier) dabei eine Rolle gespielt.

Isaac Haxton
Ike Haxton hätte den Turn wohl besser checken sollen, so wurde er von Phil Ivey total geownt.

Interessant wäre in diesem Zusammenhang gewesen, wenn Yong auf dem Flop einen Move mit seinem Nut Flush Draw gestartet hätte. Ivey hätte dann im Sandwich zwischen dem Bettor Haxton und dem Raiser Yong gesessen und eine sehr schwierige Stack-Entscheidung mit seinen Assen treffen müssen.

So aber hat Haxton für ihn die Arbeit erledigt und das Feld ausgedünnt. Iveys anschließender Check-Raise All-In ist sehr kreativ und im ersten Moment auch ein wenig seltsam.

Schaut man sich Haxtons Spektrum an, ist der Move aber sehr stark und vor allem schlüssig. Haxtons Spektrum besteht aus drei Arten von Händen, wenn man berücksichtigt, dass er kein Verrückter ist und keinen kompletten Bluff ohne jegliche Equity gegen fünf Leute startet:

- Sets (88, 77 oder 22)

- Overpairs (99 bis KK)

- Draws (Flush Draws oder OESD oder eine Kombination aus beidem)

Außer gegen die Sets, die aufgrund der wenigen Kombinationen (je 3 = insgesamt 9) recht unwahrscheinlich sind, liegt Ivey immer klar vorn und kann vor allem von einigen schwächeren Händen (vor allem Overpairs) gecallt werden. Gegen Draws schützt er mit seinem Check-Raise die Hand und maximiert gleichzeitig seinen Gewinn, indem er Haxton erst setzen ließ.

Isaac Haxton überlegt zwar einen Moment, muss aber recht bald erkennen, dass er trotz Pot Odds von 416.000 zu 150.000 oder 2,77 zu 1 folden muss. Im konkreten Fall ist er gegen Iveys Asse 4 zu 1 Außenseiter, aber auch gegen alle anderen Hände aus dessen Spektrum (bessere Flush Draws, andere Overpairs, Sets) zu weit hinten.

Fazit

Phil Ivey auf der Höhe seiner Kunst mit unorthodox gespielten Assen, die ihm einen fetten Gewinn einbringen. Isaac Haxtons mutiger Double-Barrel-Semi-Bluff dagegen war nicht von Erfolg gekrönt, sondern kostete letztlich über 100.000 Dollar.

Die gesamte erste Folge des Aussie Millions Cash Game 2014 könnt ihr euch übrigens hier anschauen

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