Hand der Woche – Petrangelo behält die Nerven

Heads Up
Heads-Up Watson vs. Petrangelo

Beim bisher teuersten Pokerturnier des Jahres gelang es Nick Petrangelo und Mike Watson, sich gegen Fedor Holz durchzusetzen und im Heads-Up der $100.000 Challenge der Aussie Millions den Sieg untereinander auszumachen. Entschieden wurde das Duell der beiden Nordamerikaner durch einen missglückten Bluff Watsons, der im falschen Moment einen Move riskierte und böse ausgebremst wurde.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wie erwähnt, spielen Nick Petrangelo und Mike Watson im Heads-Up der $100.000 Challenge der Aussie Millions um den Sieg bei diesem prestigeträchtigen Turnier.

Beide haben schon $529.000 sicher, dem Sieger winken aber $882.000 – also eine ganze Stange mehr Geld.

Die Blinds betragen aktuell 6.000/12.000 und Mike Watson ist mit 631.000 (52 BB) auf dem Button. Nick Petrangelo hat mit 1,2 Millionen (100 BB) fast doppelt so viele Chips und bekommt im Big Blind

   

Watson raist auf 30.000 und Petrangelo callt. Im Pott sind 60.000, die effektiven Stacks betragen 600.000.

Reicht Two Pair
Reicht Two Pair

Der Flop bringt

     

Petrangelo checkt, Watson checkt ebenfalls. Im Pott sind weiterhin 60.000, die effektiven Stacks betragen 600.000.

Der Turn bringt die

 

Petrangelo setzt 45.000, Watson callt. Im Pott sind 150.000, die effektiven Stacks betragen 560.000.

Der River bringt den

 

Petrangelo setzt 150.000, Watson überlegt kurz und geht dann mit 560.000 All-In. Petrangelo denkt eine Weile nach und callt dann. Seine Two Pair gewinnen gegen Watsons

   

Hier die gesamte Hand noch einmal in bewegten Bildern:

Analyse und Bewertung

Man sieht immer sehr unglücklich aus, wenn man mit einem solchen Bluff auf die Nase fällt, aber zunächst sagt das nichts über dessen Qualität aus.

Schauen wir uns deshalb die gesamte Hand noch einmal an, um die Gedanken der Spieler zu rekonstruieren.

Petrangelo ueberlegt
Petrangelo überlegt

Vor dem Flop raist Watson mit seinem Ass plus niedrige Beikarte vom Button. Das ist ein Standardspielzug mit einer überdurchschnittlichen Hand – der Kanadier will mit Position und als vermutlicher Favorit mehr Chips in die Mitte bekommen.

Petrangelo dagegen hat so etwas wie die klassische Hand, um den Big Blind zu verteidigen. Zwei mittelhohe Karten, die mit einer doppelten Lücke gut verbunden sind, sind an einem vollbesetzten Tisch gut geeignet, um gegen einen Raise zu verteidigen, da sie nicht oft dominiert werden.

Im Heads-Up sind die Spektren breiter, daher gelten etwas andere Gesetze.

Keine Action auf dem Flop

Das Board mit 8 5 2 ist natürlich sehr günstig für Petrangelo. Er hat Top Pair getroffen und damit in einem Heads-Up fast immer die beste Hand.

Dennoch ist sein Check zum Raiser der klassische und einzig richtige Spielzug, während Watson zwei sinnvolle Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Er hat einen Gutshot und könnte eine C-Bet bringen, aber diese hätte zwei Nachteile. Zum einen hat er mit seiner Ass-hoch-Hand im Heads-up fast immer Showdown Value und außerdem hätte er ein echtes Problem, wenn er geraist würde.

Mit einem Call hält er den Pott klein und lässt sich alle Optionen offen – er kann auf dem Turn treffen, er kann nach einem gegnerischen Check die verzögerte C-Bet bringen oder er kann im weiteren Verlauf bluffen.

Petrangelo will Chips

Nach der 7 liegen diverse Straight Draws und zwei Flush Draws auf dem Board, doch Petrangelo hat weiterhin Top Pair und nun definitiv einen Grund zu setzen.

Watson kann einen der vielen Draws oder eine Hand mit marginalem Showdown Value wie ein Paar Fünfen oder Siebenen haben, und Petrangelo bittet ihn nun mit der vermutlich besten Hand zur Kasse.

Diese Bet könnte natürlich auch ein Steal oder ein Semi-Bluff sein, daher gibt sich ein Weltklassemann wie Mike Watson bei Pot Odds von mehr als 2 zu 1 natürlich längst nicht geschlagen.

Sein Call in Position lässt ihm weiterhin viele Optionen offen, da er auf dem River das letzte Wort hat.

Watson riskiert alles

Der J auf dem River ist in vielerlei Hinsicht eine interessante Karte. Petrangelo hat durch die Verbesserung auf Two Pair zunächst keinerlei Grund davon auszugehen, er hätte nicht die beste Hand.

Watson geht All In
Watson geht All-In

Seine Bet, die von sehr vielen Händen ausbezahlt werden kann, ist daher nur folgerichtig und die Höhe von 150.000 – also genau Pottgröße – sehr heimtückisch, weil sie sein Spektrum stärker polarisiert als eine normale Bet.

Mike Watson nimmt sich an dieser Stelle viel Zeit, um die Sache zu durchdenken. Sein Gutshot ist nicht angekommen und auch mit dem Bluff-Catcher ist es nicht weit her – er schlägt hier außer geplatzten Flush Draws in Herz gar nichts mehr.

Wichtig ist an seiner Stelle, sich Gedanken über sein Spektrum aus Gegnersicht zu machen. Er hat zwar vor dem Flop geraist, danach aber keinerlei Stärke gezeigt. Sein Flop-Check deutet auf eine Hand hin, die nicht allzu stark ist und passablen Showdown Value hat, während Overpairs und vor allem Flush Draws in Herz (damit hätte er sicher semi-geblufft) ausgeschlossen werden können.

Sein Call auf dem Turn lässt zwei Möglichkeiten zu: Entweder hat er besagten Showdown Value und will zum River oder er hat einen Draw (Flush Draw in Karo oder Straight Draw mit einer Sechs oder T9) bekommen – möglich sind natürlich auch die Nuts mit 96 oder 64.

Der J hat aus gegnerischer Sicht recht viele dieser Draws vervollständigt (außerdem könnte er natürlich auch Two Pair bekommen haben) und genau das ist der Grund, warum Watsons Bluff hier doch ziemlich aussichtsreich ist.

Petrangelo behält die Nerven

Watsons Pech ist allerdings, dass Petrangelo auf dem River Top Two Pair getroffen hat und damit nicht nur alle Bluffs, sondern auch alle Two Pairs schlägt. Seine Hand ist also kein reiner Bluff-Catcher.

Außerdem weiß Petrangelo natürlich, dass ein so starker Spieler wie Watson immer einen Bluff vom Stapel lassen und daher rein gar nichts haben kann, zumal er in diesem Fall ein sehr breites Spektrum hat.

Die Nerven muss man dennoch behalten, denn nach einem missglückten Call hätte Watson die klare Führung im Heads-Up übernommen.

Fazit

Mike Watson versucht es mit der Brechstange und muss dann enttäuscht feststellen, dass sein Gegner mit Top Two einfach zu stark war und er die obere Kante von dessen Spektrum erwischt hatte – keine guten Erfolgsaussichten für einen Bluff.

Petrangelo dagegen verdient sich den Sieg beim bisher teuersten Turnier des Jahres mit einem nervenstarken Call.

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