Hand der Woche – Overcall auf dem River?

Was macht Polk

Richtig spannend geht es dieses Mal in unserer Hand der Woche zu. Erst landen sieben (!) Spieler auf dem Flop, und dann überschlagen sich auf Turn und River die Ereignisse. Mittendrin in dem ganzen Schlamassel ist Superhighroller Doug Polk, der am Ende vor der schwierigen Entscheidung steht, ob er seinen Trainingsbuddy Ryan Fee auf einem gefährlichen Board mit einer Straight overcallen soll.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Bei „Live at the Bike“ mit Doug Polk in der letzten Februarwoche gab es einige interessante Hände zu bestaunen, darunter auch die folgende, die bei Blinds von $50/$100 gespielt wurde.

Etliche Spieler hatten Stacks im Bereich von $20.000 bis $30.000, der effektive Stack in dieser Hand beträgt etwa $10.000. Wir schauen uns die Hand aus Sicht von Doug Polk im Big Blind an.

Es geht los mit einem Raise von Andy in erster Position auf $300, dahinter callen Alec (+2), Mike (+3), Maxx (Hijack), Josh (Button), Ryan im Small Blind und Doug mit

   

Im Pott sind damit $2.100, und der Flop bringt

     

Alle Spieler checken. Im Pott sind weiterhin $2.100, der effektive Stack liegt bei $10.000.
Der Turn bringt die unscheinbare

 

Dieses Mal setzt Ryan $2.400, Doug callt mit den Nuts, Andy und Alec folden, Mike callt, Maxx und Josh folden. Im Pot sind $9.300, der effektive Stack beträgt $7.000.

Auf dem River kommt die

 

Jetzt checkt Ryan, Doug checkt, aber Mike geht mit $7.000 All-In. Ryan callt und Doug überlegt eine Weile, ehe er foldet.

Mike zeigt

   

für den Nut Flush, verliert aber gegen Ryans Full House mit

   

Hier die Hand in bewegten Bildern samt Kommentaren von Doug Polk:

Analyse und Bewertung

Hände wie diese gibt es nur beim Live-Cashgame, daher erfordern sie völlig andere Fähigkeiten, als dies beim Online-Poker der Fall ist.

Zwar können hier nicht alle Aktionen der sieben Spieler (!) unter die Lupe genommen werden, aber die wichtigsten wollen wir uns noch einmal anschauen.

Vor dem Flop haben alle Spieler mehr oder weniger gute Gründe für ihren Spielzug. Ein Raise mit 44 aus erster Position ist nicht zu tadeln, bei derart großen Stacks kann man auch nach einem Reraise auf Set Value spielen.

Selbstverständlich gibt es auch an Doug Polks Call im Big Blind überhaupt nichts auszusetzen. Er muss mit einem niedrigen Suited Connector $150 für einen Pott mit $1.950 bezahlen – Pot Odds von 13 zu 1 bekommt man wirklich nicht alle Tage.

Interessanter Flop mit wenig Action

Mike
Mike mit dem Flush-Draw

Der Flop bringt mindestens drei Spielern eine aussichtsreiche Hand. Ryan hat im Small Blind das Bottom Set getroffen, checkt aber erst einmal.

Polk hat Oben-unten bekommen, muss aber vorsichtig sein, denn nur die Drei kann ihn wirklich zufrieden stellen. Mit ihr hat er die Nuts, während eine Acht deutlich unangenehmer wäre und andere Nuts plus Redraws ermöglichen würde.

Auch er checkt, und so geht es reihum bis zu Josh auf dem Button, der nur zwei Backdoor Draws hat und damit keinen Grund für eine Bet.

Der einzige Spieler, der es mit einem Semi-Bluff probieren könnte, ist Mike mit A 5 und dem Nut Flush Draw, aber er hat die wenigsten Chips und würde sich gegen sechs Spieler weit aus dem Fenster lehnen – ein All-In, das er callen müsste, wäre nicht unwahrscheinlich.

Bingo auf dem Turn

Nach der unscheinbaren 3 auf dem Turn ergreift Ryan die Initiative, um mehr Geld in die Mitte zu bekommen, zumal nun noch ein zweiter Flush Draw auf dem Board aufgetaucht ist.

Doug hat schlicht die Nuts und könnte raisen, doch er hat auch gute Gründe für einen Call. Trotz der aktuell unschlagbaren Hand beträgt seine Pot Equity gegen derart viele Spieler sogar nur 25 Prozent – ein äußerst seltener Fall auf dem Turn, der mit den vielen Gegnern zusammenhängt.

Ein Vorteil eines Calls ist zudem, dass er damit viele Spieler zum Call einlädt und auf dem River einen riesigen Pott gewinnen kann, wenn eine bedeutungslose Karte kommt.

Viele Amateure würden hier raisen, aber Weltklassespieler haben keine Angst vor der nächsten Karte, sondern streben nach dem maximalen Profit.

Natürlich lässt sich Mike mit dem Nut Flush Draw plus Gutshot nicht vertreiben, die Frage ist wieder nur, ob er callen oder raisen sollte. Er wird hier keine bessere Hand zum Folden bringen, daher ist ein Call aus ähnlichen Gründen wie vorher und wie bei Doug die vermutlich beste Lösung.

Alle anderen Spieler folden, auch der Button, der mit dem Second Nut Flush Draw in Herz einen äußerst disziplinierten Laydown macht.

Heftiger River

Die Riverkarte löst bei den Spielern unterschiedliche Emotionen aus. Während Ryan mit dem dritten Kreuz ein recht gut verstecktes Full House bekam, hat Doug die Karte gar nicht gefallen.

Ryan fee
Ryan Fee checkt sein Full House auf dem River

Ryan spielt nun sehr trickreich, indem er checkt. Dieser Spielzug ist absolut brillant, da er davon ausgehen kann, dass mindestens einer der beiden Spieler einen Flush bekommen hat und setzen wird. Gleichzeitig muss er bei derart vielen Spielern ein höheres Full House zumindest in Betracht ziehen, entscheidend ist aber, dass er mit einem Check am meisten Geld gewinnt.

Setzt er von vorn und zeigt Stärke, callen nur selten zwei Spieler mit schlechteren Händen, andersrum ist dies eher möglich.

Für Doug gibt es hier überhaupt keinen Grund für eine Bet. Auf dem Board liegt nun ein Paar und der Flush kam an, daher kann er höchstens eine Bet callen, aber nie eine Value Bet bringen.

Und als Mike mit seinen restlichen $7.000 dran ist, gibt es für ihn keinen Grund, nicht zu setzen. Er kann von schlechteren Flushes, einer Straight, einer Sieben oder vielleicht sogar einer Dame bezahlt werden.
Ryan lässt nun die Falle heruntersausen und bietet Doug Polk mit seinem Call ausgezeichnete Pot Odds für den Overcall.

Ein Call kommt für Polk aber kaum infrage. Mike könnte zwar bluffen, doch dann ist da noch Ryan, der im Sandwich callt und daher fast immer mindestens einen Flush hat.

Disziplinierter Fold, aber Ryan hat dennoch das Maximum gewonnen, da es kaum vorstellbar ist, dass Doug bei einer Bet von vorn gecallt hätte. So bestand immerhin die Chance, dass sich Doug irgendwie (vielleicht mit einem Flush) zum Call durchringt.

Fazit

In einem unübersichtlichen und dramatischen Gefecht behalten vor allem Ryan Fee und Doug Polk den Überblick und demonstrieren ihre Klasse.

Zudem illustriert diese Hand, wie reichhaltig No-Limit Hold’em in loosen Cashgames ist – hier sind besondere Qualitäten gefragt!

 

 

 

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