Hand der Woche – Der ganz normale Wahnsinn oder die Faszination Pot-Limit Omaha

Jan-Peter Jachtmann

Die ganze Welt spielt No-Limit Hold’em, doch es gibt gute Gründe, warum sich eine andere Variante immer mehr Marktanteile erkämpft hat. Pot-Limit Omaha ist schon lange nicht mehr der letzte Schrei, sondern als Turniervariante und vor allem im Cashgame fest etabliert.

Da verwundert es auch nicht, dass bei der diesjährigen World Series of Poker Europe in Paris gleich zwei Bracelets in Pot-Limit Omaha vergeben werden – bei gerade einmal acht Events eine beachtliche Quote.

Ausgesucht haben wir eine Hand aus dem Event #4 der WSOPE, es sind noch 16 Spieler dabei und die beiden Kontrahenten Jan-Peter Jachtmann und Ryan Chapman gehören zu den Chipleadern.

Ausnahmsweise wollen wir uns heute das Geschehen abwechselnd aus der Sicht beider Spieleransehen und dabei zu illustrieren versuchen, wie komplex, aber auch faszinierend die Variante Pot-Limit Omaha ist.

Vor dem Flop

Jan Jachtmann bekommt in früher Position eine recht ordentliche Hand mit

       

 

und entschließt sich zu einem Raise, der von Ryan Chapman mit

       

und einem Reraise gekontert wird. Chapman hat eine sehr starke Hand für Pot-Limit Omaha – außer seinen Assen (und Achten) besteht ein weiterer Vorzug seiner Hand darin, dass sie double-suited ist und er damit in zwei Farben – Herz und Kreuz – den Nut Flush machen kann.

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Jachtmann am Finaltisch.

Jachtmanns Hand ist nicht ganz so stark, aber für einen Call selbst ohne Position allemal gut genug.

Durch das Spiel mit vier Karten ist es nicht annähernd so schlimm, dominiert zu sein, wie bei Hold’em – die Hand des PLO-Weltmeisters von 2012 kann zwar nur einen Flush bilden, aber viele Straights im Broadway-Bereich.

Wie gemalt – Der Flop

Nach Jachtmanns Call kommt der Flop mit

     

und bringt eine Bilderbuchsituation, die die gesamte Schönheit und Komplexität von Pot-Limit Omaha zeigt. Jachtmann checkt zum Raiser, womit Ryan Chapman an der Reihe ist.

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Brenzliges Spiel Omaha.

Ryan Chapman:Viel besser hätte der Amerikaner den Flop nicht treffen können. Er hat Bottom Set bekommen, außerdem als Redraw den Nut Flush Draw.

Geschlagen wird er nur von den beiden besseren Sets und von Q9, doch das ist nur ein kleiner Teil der gegnerischen Range. Folgerichtig bringt Chapman eine ContinuationBet mit 17.000 in den Pot mit 22.000.

Jan Jachtmann: Volltreffer!? Mit seiner Hand hat Jachtmann die Nuts gefloppt, allerdings sind diese recht anfällig, da er nur einen Redraw zur Broadway-Straight hat.

Zudem hat das Board die gegnerische Range ebenfalls sehr gut erwischt, weshalb ein Pot-Raise auf 56.000, der ein späteres All-In erzwingen würde, fraglich wäre.

Jachtmann trifft – trotz der Nuts – mit einem Call eine hervorragende Entscheidung, wie auch der Blick auf den Odds-Calculator zeigt, denn selbst mit der aktuell besten Hand ist Jachtmann gegen die konkrete Hand des Gegners mit 42 zu 58 Pot Equity knapper Außenseiter.

Die Krönung – Der Turn

Nach Jachtmanns Call sind 56.000 Chips im Pot und Chapman covert den Hamburger PLO-Spezialisten, der noch etwas weniger als Potgröße vor sich stehen hat. Der Turn bringt alles andere als eine unbedeutende Karte, das

 

Wieder checkt Jachtmann, worauf Ryan Chapman All-In annonciert, vom Dealer jedoch darauf aufmerksam gemacht wird, dass er „nur“ Pot und damit Jachtmann All-In setzen kann.

Ryan Chapman: Weiterhin hat der Amerikaner nicht die Nuts, außerdem schlägt ihn jetzt neben Q9 mit KQ eine weitere Hand, die voll und ganz in der gegnerischen Range liegt.

Allerdings hat Chapman, sofern er geschlagen wäre, eine Menge Redraws mit allen Kreuz-Karten, jeder Zehn und jeder Neun, sowie dem letzten Ass und der letzten Acht.

Seine Hand mit zwei Sets und dem Nut Flush Draw ergibt ein malerisches Bild und ist oft die beste – daher setzt Chapman seinen Gegner mit 56.000 All-In.

Jan Jachtmann:  Hässlich! Diese Karte kann dem Hamburger überhaupt nicht gefallen. Natürlich hatte er auf eine Blank gehofft, nach der er seinen restlichen Stack ohne größeres Nachdenken in die Mitte hätte schieben können.

Jachtmann Screenshot
Die Situation auf dem Turn.

Jetzt aber ist eine neue Situation entstanden – Jachtmann hat nur noch die Second Nuts, und sein Gegner hat viele Broadway-Karten in seinem Spektrum.

Zum Beispiel ist es gut möglich, dass Chapman auf dem Flop mit KQXX und zwei Kreuz-Karten einen Semi-Bluff brachte, der nun schlicht und ergreifend die Nuts darstellen würde und Jachtmann nur noch minimale Chancen auf einen Split Pot gäbe.

Der Weltmeister von 2012 behält in dieser Situation klaren Kopf und wendet sich an seinen Gegner, um Hilfe zu bekommen.

Wie er hinterher im Interview mitteilte, lieferte Chapman ihm dann tatsächlich die entscheidende Information: „Als ich ihn gefragt habe, was er hat, hat er gesagt, ‚leg ab und ich zeige‘. Das war für mich der Hinweis, den ich brauchte.“

Jachtmann callt, doch die Hand ist damit natürlich noch längst nicht gelaufen. Dank der Kreuz-, Full House- und Vierling-Outs hat Chapman weiterhin eine Pot Equity von 35 Prozent, da er sich mit dem All-In-Setzen von Jachtmann Pot Odds von 2 zu 1 gab, war sein Spielzug also auch mathematisch korrekt – und dabei ist nicht berücksichtigt, dass er fast die bessere Hand zum Folden gebracht hätte.

Das Finale – Der River

Nach diesem heftigen Zusammenprall zweier Spieler von der Spitze des Leaderboards ist der bislang größte Pot des Turniers entstanden. Als der Rauch verzogen ist, dreht der Dealer die letzte Karte dieses fantastischen Duells um, es ist die

 

die dem Amerikaner in keiner Weise weiterhilft. Er hatte vor dem Flop ein Monster, auf dem Flop ein Monster und auf dem Turn ein Monster, doch am Ende verliert er den Pot und steht später als Neunter mit „fast“ leeren Händen da.

Jan Peter Jachtmann
Zweites Bracelet knapp verpasst - Jan-Peter Jachtmann.

Jachtmann dagegen übernimmt die Führung im Turnier, erreicht das Finale der letzten sechs Spieler und verpasst als Dritter nur knapp sein zweites PLO-Bracelet.

Fazit

Eine von beiden Kontrahenten sehr gut gespielte Hand, die einige essentielle Aspekte von Pot-Limit Omaha illustriert. Wie man etwa sieht, können die Nuts auf dem Flop eine Hand sein, mit der man vorsichtig umgehen muss, weil man damit nicht unbedingt Favorit ist.

Außerdem braucht man aufgrund der vier Startkarten im Schnitt eine deutlich bessere Hand als bei Hold’em, um den Pot zu gewinnen.

Bestes Anschauungsmaterial dafür, wie man ausgezeichnetes Omaha spielt, lieferte in dieser Hand Jan Jachtmann.

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