Hand der Woche – Monster-Call für den Turniersieg

Die Hand der Woche kommt vom gestrigen Heads-Up des PCA $100k Super High Roller

Hochaktuell geht es dieses Mal in unserer Hand der Woche zu. Gerade erst ist das $100.000 Super Highroller-Turnier der PCA beendet und schon präsentieren wir ein Duell, das es wirklich in sich hat. Ausgetragen wurde es zwischen dem Weltklasseprofi Steve O’Dwyer und dem steinreichen Geschäftsmann Roger Sippl – und es ging um verdammt viel Geld!

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wie erwähnt, wurde diese Hand im Heads-Up des $100.000 Super Highroller-Turniers der PCA ausgetragen.

Beide Spieler hatten schon über $1,3 Millionen Preisgeld sicher, doch es ging noch um weitere $500.000 und natürlich den Turniersieg.

Roger Sippl
Roger Sippl zeigte viel Mut und entschied sich dafür die Geschichte zu Ende zu erzählen...

O’Dwyer hat sich mit 12,2 Millionen schon recht deutlich von seinem Gegner abgesetzt, der noch 4,2 Millionen hat. Die Blinds betragen 80.000/16.000 plus 20.000 Ante, Sippl hat also immerhin noch 26 Big Blinds.

Sippl raist vom Button auf 450.000 und Steve O’Dwyer callt im Big Blind mit

   

Im Pot sind 940.000. Der Flop bringt

     

und O’Dwyer checkt. Sippl bringt mit 750.000 die Continuation Bet und O’Dwyer callt. Im Pot sind damit 2,44 Millionen.

Auf dem Turn folgt die

 

Beide Spieler checken und als letzte Karte kommt auf dem River die

 

Wieder checkt O’Dwyer, doch Sippl geht mit seinen restlichen 3 Millionen All-In. O’Dwyer überlegt fünf Minuten und callt schließlich. Sippl dreht

   

um und Steve O’Dwyer steht als Sieger des Super Highroller-Turniers fest!

Analyse und Bewertung

In einer zugespitzten Turniersituation versucht Roger Sippl Boden gutzumachen und legt eine klassische Bruchlandung hin. Schauen wir uns das Geschehen noch einmal an und versuchen zu ergründen, warum Steve O’Dwyer auf dem River callte.

Vor dem Flop bringt Sippl mit J T einen normalen Raise vom Button. Interessant ist O’Dwyers Entscheidung, mit dem Heads-Up-Monster A T nur zu callen. Diese Spielweise hat allerdings einige Vorzüge. Erstens müsste O’Dwyer aufgrund der Stackgröße seines Gegners mit jedem Reraise eine Entscheidung für seinen gesamten Stack treffen, und außerdem behält er mit einem Call die vielen schwachen Hände, die Sippl in seinem Spektrum hat, im Pot.

Auf dem Flop mit Q 8 8 passiert nichts Außergewöhnliches. O’Dwyer checkt zum Raiser und Sippl lässt die normale C-Bet folgen. Ein Fold kommt aus O’Dwyers Sicht natürlich überhaupt nicht infrage, da sein Gegner fast nie getroffen hat und immer noch ein recht schwaches Spektrum hat.

Nach der 2 auf dem Turn wird es spannend. O’Dwyer checkt wieder, und wenn Sippl nun allen Mut zusammen genommen hätte und All-In gegangen wäre, hätte O’Dwyer vermutlich gefoldet. So aber versucht Sippl, seine Position auszunutzen, indem er checkt und anschließend sieht, was O’Dwyer auf dem River macht.

Nach einer weiteren totalen Blank, der 3, checkt O’Dwyer erneut, worauf Sippl mit seinen restlichen 3 Millionen Chips All-In geht. Er bringt damit eine leichte Overbet und polarisiert sein Spektrum maximal.

Steve O'Dwyer
...doch Steve O'Dwyer erkannte, dass diese keinen Sinn macht, und gewann mit einem großartigen Call das Turnier und 1,9 Millionen Dollar!

Gegen eine gute Hand bei Sippl sprechen:

1. Die Höhe der Bet – Mit einer Dame oder einer Acht würde er eher einen Call als einen Fold provozieren wollen.

2. Die Schwäche seines Spektrums – Sippls Setzfolge spricht nicht für Stärke: Er raiste vor dem Flop und brachte auf dem Flop die normale C-Bet, checkte aber auf dem Turn und geht nun All-In, nachdem sein Gegner dreimal gecheckt hat.

3. Die sehr kleine Menge von legitimen All-In-Händen – Im Grunde sind nur Damen, eine Acht, Dreien und Zweien ein Monster.

Einiges spricht also für einen Call, aber O’Dwyer muss auch bedenken, dass Sippl mit einer besseren Hand – AK oder AJ – bluffen könnte. Das sind allerdings nur zwei von vielen anderen Händen, die O’Dwyer allesamt schlägt, außerdem hätte Sippl mit ihnen ordentlichen Showdown Value.

Dennoch ist sehr fraglich, ob O’Dwyer auch gecallt hätte, wenn es um sein Turnierleben gegangen wäre. Die Logik spricht für einen Call, doch führt man diesen natürlich wesentlich leichter aus, wenn man hinterher auf jeden Fall mit intaktem Stack weiterspielen kann.

Fazit

In einer maximal polarisierten Situation bekommt Steve O’Dwyer eine Steilvorlage für einen spektakulären Hero-Call. Die Umstände sind günstig, denn eine Fehleinschätzung hätte lediglich dazu geführt, dass die Lage wieder völlig offen gewesen wäre. Roger Sippl zeigte viel Mut, doch wäre ein All-In auf dem Turn viel glaubwürdiger und aussichtsreicher gewesen.

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