Hand der Woche – Mit 72 durch die Wand

72 vs. AA

Ein besonders reizvolles Duell präsentieren wir dieses Mal in unserer Hand der Woche. Sie stammt erneut vom Highroller-Cashgame mit Liv Boeree, Igor Kurganov, Max Altergott und Leon Altergott aus dem King’s Casino, bei dem um atemberaubende Summen gespielt wurde. Attraktiver könnte die Situation in unserer Hand nicht sein, denn Franco „Il Presidente“ Cantarella versucht mit der schlechtesten Starthand das Unmögliche möglich zu machen!

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Gespielt wird No-Limit Hold’em mit Blinds von €25/€50, in der konkreten Hand setzt außerdem Arpad einen Straddle mit €100. Nach einem Fold von Liv Boeree raist Franco „Il presidente“ Cantarella (Stack €28.000) mit

   

auf €600. Hinter ihm callen Scott Hanna im Hijack, Martin Kabrhel (Stack >€28.000) auf dem Button und Leon Tsoukernik im Big Blind. Im Pot sind damit €2.525. Der Flop bringt

     

Leon checkt, Franco setzt €2.300, Scott foldet, Martin callt, Leon foldet. Im Pot sind €7.125 und noch zwei Spieler. Der Turn bringt die

 

und Franco setzt weitere €5.000, nachdem er sich erkundigt hat, wie viel Martin spielt. Martin callt. Im Pot sind €17.125. Der River bringt die

 

Franco geht mit €20.500 und einer leichten Overbet All-In. Martin überlegt länger und callt schließlich mit

   

Martin gewinnt mit einem Paar Assen gegen ein Paar Siebenen den Pot mit €58.125.

Hier könnt ihr euch die Hand noch einmal ab Minute 42:30 anschauen:

Analyse und Bewertung

Wie sich am Ende herausstellte, versuchte „Il presidente“ Franco hier tatsächlich, die beste Starthand mit der schlechtesten zum Folden zu bringen – in der Tat ein gewagter Versuch, aber eine sehr interessante Hand, die wir uns hier aus beiden Spielerperspektiven genauer anschauen wollen.

Vor dem Flop bringt Franco mit 7 2 einen tatsächlich sehr loosen Raise. Er bekommt drei Caller, darunter von Martin, der mit den Assen auf dem Button auch hätte reraisen können, vermutlich aber darauf spekulierte, dass ihm diese Arbeit jemand von den ultra-aggressiven Blinds abnimmt.

Franco blufft
Franco Cantarella bewies in dieser Hand viel Mut und stellte Martin Kabrhel vor eine schwere Entscheidung.

Zu viert geht es auf den Flop, wo Franco eine gute Gelegenheit zum Semi-Bluff bekommt. Mit dem Flush Draw ist eine Bet ziemlich selbstverständlich, ansonsten hätte er seine Hand gar nicht spielen dürfen.

Natürlich lässt sich Martin mit den Assen nicht vertreiben, allerdings ist das Board schon recht gefährlich für seine Hand. Viele Spieler würden hier raisen, aber das hat auch Nachteile, denn hinter ihm sitzt noch Leon, und er könnte schon geschlagen sein.

Leon foldet aber und damit hat Franco für Martin und dessen Asse das Feld halbiert und die Lage wesentlich übersichtlicher gestaltet.

Die Turn-Karte ist für Franco sehr gut, da sie ihm weitere Equity bringt. Nun würden ihm alle Karos, alle Siebenen und alle Zweien die beste Hand bringen, daher feuert er den nächsten Semi-Bluff hinterher. Seine Einsatzhöhen sind bereits auf dem Flop so angepasst, dass er auf dem River die ultima ratio zur Verfügung hat – das All-In!

Das Board hat sich für Martin weiter verschlechtert und es schlagen ihn bereits etliche Hände. Allerdings ermöglicht es auch viele Draws, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er noch vorn liegt. Er callt erneut und trifft damit sicher die richtige Entscheidung.

Der River mit der 4 ist sehr ungünstig für Franco. Keines seiner Outs ist angekommen, und fast genauso schlimm ist, dass die 4 eine absolute Blank ist, die außer einem sehr unwahrscheinlichen Paar Vieren keine Hand verbessert hat.

Kabrhel kassiert den Pot
Doch Kabrhel machte einen guten Call und gewann einen Riesenpot.

Francos Drohpotential ist daher deutlich geringer als etwa bei der 4 oder dem J. Dennoch entschließt er sich dazu, seine Geschichte zu Ende zu erzählen und All-In zu gehen. Natürlich ist es mutig, hier sein Paar Siebenen, das (außer gegen geplatzte Flush Draws) fast nie vorn liegt, in einen Bluff zu verwandeln, aber der Bluff muss nur in gut 50 Prozent der Fälle funktionieren, um profitabel zu sein.

Aus Martins Sicht war der River günstig, aber natürlich kann er schon längst gegen Sets oder Two Pairs geschlagen sein. Wieder einmal sieht man das Problem der besten Starthand – sie verbessert sich nur selten und ihre relative Stärke nimmt von Setzrunde zu Setzrunde ab.

Martins Plan B vor dem Flop war aber schon, mit seinen Assen notfalls stumpf herunterzucallen, und bei all den geplatzten Draws ist diese Entscheidung auf dem River nur folgerichtig und einen Pot von fast €60.000 wert!

Fazit

Franco „Il Presidente“ Cantarellas mutiges Spiel wurde in dieser Hand nicht belohnt, es zeigt aber, wie erfolgreiches No-Limit Hold’em funktioniert. Man zeigt entweder die beste Hand oder bringt den Gegner zum Folden.

Diesen Plan durchkreuzte Martin Kabrhel mit einem schmerzfreien Call auf dem River, doch wer weiß, was bei einer anderen Karte passiert wäre.  

Dafür läuft es bei German High Roller wie geschmiert für Franco und er ist bisher der mit Abstand größte Gewinner der 15. Staffel.

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