Hand der Woche – JC Tran in weltmeisterlicher Form

Fabian Ortiz

Mit großer Spannung wartet die Pokerwelt auf die Entscheidung des wichtigsten Pokerturniers der Welt, die am Montag und Dienstag kommender Woche fällt. Wer holt sich das Bracelet beim Main Event der World Series of Poker und darf sich anschließend ein Jahr lang als Pokerweltmeister bezeichnen? Aktueller Favorit ist fraglos der Amerikaner JC Tran – er hat schon zwei Bracelets in kleineren Turnieren gewonnen und, vermutlich noch wichtiger, er hat die meisten Chips.

Im Vorfeld des Finaltischs zeigte JC Tran einige bemerkenswerte Aktionen, gute Bluffs und vor allem starke Calls. In der heutigen Hand der Woche wollen wir uns ein Duell zwischen Tran (aus dessen Sicht) und dem Argentinier Fabian Ortiz anschauen, das von großer Bedeutung war.

Noch 17 Spieler sind im Main Event dabei und die entscheidende Phase für die Qualifikation zu den November Nine beginnt.

Ausgangslage und Beginn der Hand

Fabian Ortiz ist mit rund 3,8 Millionen Chips einer der Short Stacks und bringt in erster Position einen Standard-Raise auf 500.000. Alle Spieler folden zu JC Tran, der mit

   

im Big Blind sitzt. Tran hat mit ca. 15 Millionen Chips deutlich mehr als sein Gegner, der einer der letzten Amateure im Feld ist. Gegen die tighte Range von Ortiz liegt Tran klar zurück, doch ist er der deutlich bessere Spieler.

Nach Trans Call sind 1,44 Millionen Chips im Pot und es wird der Flop umgedreht, der folgende Karten bringt:

 

     

Vom Flop bis zum All-In auf dem River

Tran hat Middle Pair getroffen und checkt zu seinem Gegner. Ortiz bringt recht zügig eine Continuation Bet über weitere 500.000 Chips, wonach er noch 2,78 Millionen Chips übrig hat.

Tran weiß nicht, wo er steht, bekommt aber Pot Odds von fast 4 zu 1. Er callt und die Hand geht mit 2,44 Millionen Chips auf den Turn mit der

 

Eine gute Karte für Tran, der erneut checkt. Ortiz checkt dieses Mal ebenfalls und der Dealer deckt den River auf:

 

Kaum ist die Karte umgedreht, annonciert Fabian Ortiz All-In und schiebt seinen Stack in die Mitte. Er macht damit eine leichte Overbet, denn er setzt seine restlichen 2,8 Millionen in den Pot mit 2,44 Millionen.

Tran nimmt sich eine knappe Minute Zeit und stellt dann seine Chips für den Call in die Mitte.

Ortiz muss seine

   

zeigen und den Tisch als 17. des Main Event verlassen.

Handanalyse und Fazit

JC Trans Entscheidung, mit einer unterlegenen Hand ohne Position gegen den argentinischen Amateur anzutreten, hat sich gelohnt. Allerdings war dieser Call auch turniertaktisch (immerhin ging es um 25 Prozent von Trans Stack) alles andere als einfach.

fabian Ortiz All In
Tran vs. Ortiz.

Zum Teil hat sicherlich das etwas nervöse Verhalten des unerfahrenen Ortiz beigetragen, das man auch im Video ab Minute 23 von Teil 17 beobachten kann.

Außerdem ist aber auch die Setzfolge des Argentiniers so inkonsistent, dass seine Range auf dem River sehr blufflastig ist.

Schauen wir uns den Verlauf der Hand noch einmal an. Ortiz (Stack: 15 BB) brachte in UTG einen Standard-Raise und ließ auf dem Flop mit K 9 7 eine Continuation Bet folgen, bei der er seinem Gegner Pot Odds von 4 zu 1 offerierte.

Spielen würde er so zum Beispiel mit AK, mit QQ bis TT, allen Sets und vermutlich auch dem Nut Flush Draw. Nach der Blank auf dem Turn checkt Ortiz nach seinem Gegner ebenfalls, womit er seine Range weiter eingrenzt. AK ist nun sehr unwahrscheinlich, genauso die Sets und der Nut Flush Draw, der sich zu einem Semi-Bluff ideal eignen würde.

Die wahrscheinlichsten Hände sind nun hohe Broadway-Karten ohne Treffer und Paare ab QQ abwärts.

Der River bringt nun mit der 6 eine Karte, die Ortiz‘ Range kaum geholfen hat. Nach Trans Check geht er jedoch zügig All-In und stellt seinen Gegner vor eine schwierige Entscheidung.

Das Problem ist jedoch, dass er diesem keine starke Hand verkaufen kann. Mit AK wäre er bei seinem Stack fast sicher auf dem Turn zum All-In bereit gewesen (dafür jetzt eher nicht mehr), und dasselbe gilt wohl auch für den Flush Draw.

Gleichzeitig würde Ortiz mit den Paaren, die einen Großteil seiner Range ausmachen, auf diesem River kaum All-In gehen. Somit bleiben vor allem viele Broadway-Hände übrig, die nichts getroffen haben.

Gepaart mit seiner augenscheinlichen Unsicherheit ergab diese inkonsistente Setzfolge einen recht klaren Call für JC Tran, den dieser ja auch recht schnell ausführte. Im Nachhinein sieht das einfacher aus, als es am Tisch in einer solchen Situation sein dürfte.

Ungeachtet dessen – in dieser Form ist JC Tran ein ganz heißer Kandidat für den Weltmeistertitel!

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