Hand der Woche – Ivey zeigt Feldman, wo es lang geht

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Phil Ivey

Warum Phil Ivey lange Zeit als bester Spieler der Welt galt, kann man in vielen spektakulären Duellen nachvollziehen. In unserer Hand der Woche zeigt Ivey eine seiner größten Spezialitäten – selbst ohne brauchbare Hand schaffte er es immer wieder, gegen schwache Spektren den Pott zu stehlen. Leidtragender in diesem Fall ist der Brite Andrew Feldman, der teuer dafür bezahlen musste, es mit der Nummer 1 aufzunehmen.

Ausgangslage und Spiel bis zum Ende

Wir verfolgen eine stark besetzte Runde aus dem Full Tilt Poker Million Cash Game, Season 5, aus dem Jahr 2011.

Am Tisch sitzen so bekannte Namen wie Tom Dwan, Peter Jetten, Ilari Sahamies, Patrik Antonius und Mike Matusow, Protagonisten in unserer Hand sind aber wie erwähnt Phil Ivey und Andrew Feldman, der mit $98.700 den effektiven Stack hat.

Gespielt wird mit Blinds von $300/$600 sowie einem Ante von $100, es sind also in jeder Hand vor Beginn $1.700 im Pott.

Nach lauter Folds raist Andrew Feldman aus mittlerer Position auf $2.000 und nach zwei Folds bekommt Phil Ivey auf dem Button

   

Feldman skeptisch
Feldman ist skeptisch

Ivey reraist auf $7.000, die Blinds folden, aber Feldman callt. Im Pott sind $15.700, die effektiven Stacks betragen $91.700. Der Flop bringt

     

Feldman checkt, Ivey setzt $11.000, Feldman raist auf $28.500 und Ivey callt. Im Pott sind $72.900, die effektiven Stacks betragen $63.200. Auf dem Turn kommt die

 

Feldman checkt, Ivey setzt $27.000 und Feldman. Mit

   

hatte er zwar die bessere Hand, wurde von seinem Gegner aber perfekt ausgespielt. Ivey gewinnt den Pott mit $99.700 und kann sich ein feines Schmunzeln nicht verkneifen. Hier die gesamte Hand in bewegten Bildern:

Analyse und Bewertung

Natürlich ist es absolut sehenswert, wie Phil Ivey seinem jungen Kontrahenten den Pott wegschnappt, doch obwohl es wenig wie Magie aussieht, steckt dahinter kühles Kalkül.

Schauen wir uns die Hand noch einmal komplett an, um die Gedanken Iveys besser verstehen zu können.

Vor dem Flop bringt Feldman wieder einmal einen Raise, und Ivey, der ihn schon mehrfach bei aggressiven Preflop-Moves beobachten konnte, braucht keine sonderlich starke Hand, um seinen Kontrahenten auf die Probe zu stellen.

Er riskiert hier $7.000, um in eine extrem günstige Ausgangslage nach dem Flop zu kommen. Erwacht nicht urplötzlich ein Spieler in den Blinds oder Feldman selbst mit einem Rereraise (und damit einer starken Hand), hat er zwei essentielle Vorteile, falls Feldman callt:

1. Schwaches gegnerisches Spektrum

2. Position bis zum Ende der Hand

Wenig Hilfe auf dem Flop

Der Flop mit T55 und zwei Kreuz hat den Spielern fast nie geholfen, und das heißt, dass sich an der Ausgangslage vor dem Flop nur sehr selten etwas geändert hat.

In diesem Sinne bleibt Feldmans Spektrum recht schwach und besteht vor allem aus Broadway-Händen und mittleren bzw. niedrigen Paaren.

Iveys Spektrum dagegen ist recht stark. Er kann sämtliche Premium-Hände bis zu Assen haben, während Feldman durch seinen Call vor dem Flop sein Spektrum nach oben begrenzt hat – gegen einen Spieler wie Ivey hätte er mit z.B. Assen sicher ohne Position noch einmal gereraist.

Nach Feldmans Check will Ivey daher mit seiner folgerichtigen Bet den Pott einfahren – sein Gegner hat meist nichts getroffen und mit einer C-Bet erzählt er weiter glaubwürdig seine Geschichte.

Der unglaubwürdige Raise

Ivey setzt etwa zwei Drittel des Potts, worauf Feldman auf $28.500 raist.

Gemäß dem alten Spruch „Wer raist, hat nichts“ fragt sich natürlich, was Feldman hier haben kann.

Feldman blufft
Feldman blufft

Würde er etwa mit einem Paar Zehnen seinen Gegner vertreiben wollen? Wohl kaum.

Ansonsten sind aber kaum gute Hände zu erkennen, mit denen Feldman so spielen würde, was die Glaubwürdigkeit seines Spielzugs einschränkt.

Schauen wir uns zu diesem Zweck die beiden Sorten von Händen an, die Feldman haben kann, und die dazugehörige normale Spielweise:

1. Gute Hände wie AT, KT, 99, 88 usw.

Mit diesen Händen hätte Feldman zwar oft die beste Hand, er würde aber praktisch nie raisen, da er nur von besseren Händen gecallt werden würde und somit sein Paar in einen Bluff verwandelt hätte.

Natürlich könnte er eine Hand wie A5s haben und auf Slowplay verzichten, aber das ist so ziemlich die einzige plausible gute Hand, mit der er in dieser Situation raisen würde.

2. Semi-Bluffs wie zwei Kreuz, Gutshots, Oben-unten oder gar nichts

Dies sind die Hände, mit denen ein Check-Raise Sinn ergibt. Da sein Gegner nur selten dieses Board getroffen hat, kann Feldman einen Move probieren, um den Pott z.B. gegen AJ o.ä. zu klauen. Das Problem ist nur, dass sein Gegner Phil Ivey heißt.

Ivey mit perfekter Handanalyse

Genau das erkennt natürlich auch Phil Ivey. Er weiß, dass sein Gegner fast nie eine gute Hand hat, und braucht daher auch selbst nicht viel.

Dennoch ist es absolute Weltklasse, diesen Check-Raise zu floaten, um anschließend auf dem Turn eine absehbare Schwäche ausnutzen zu können.

Ivey muss hier immerhin $17.500 – also knapp 20 Prozent des effektiven Stacks – riskieren und müsste die Hand aufgeben, wenn Feldman auf dem Turn erneut setzt.

Das extrem schwache Spektrum des Briten macht diesen Call aber so aussichtsreich, und prompt geht dieser mit einem Check auf dem Turn auch schon vom Gas.

Die Krönung der Heimtücke

Jetzt lässt Ivey in Perfektion den Hammer heruntersausen.

Er könnte Feldman nach der 8, die diesem fast nie geholfen hat, in einem Pott mit $72.900 mit einer Bet von $63.200 All-In setzen und damit maximalen Druck ausüben, aber seine große Klasse zeigt sich darin, dass er das Risiko-Chance-Verhältnis optimiert.

Diese Hand ist ohnehin glänzend gespielt von Ivey, aber die Bet von „lächerlichen“ $27.900 ist die absolute Krönung.

Er weiß, dass diese Bet gegen Schrott immer ausreicht, und spart immerhin $36.000 in den wenigen Fällen, in denen Feldman ein Monster hat.

Und Feldman? Der muss zähneknirschend folden und dabei auch noch das Gefühl haben, dass sein Gegner auch nichts hatte.

Fazit

Andrew Feldman legt sich zu dessen besten Zeiten mit Phil Ivey an und bekommt vom Meister eine bittere Lektion erteilt.

Umgekehrt eine absolut sehenswerte Leistung von Phil Ivey, der nicht nur die Schwäche des gegnerischen Spektrums erkannte, sondern auch auf Umwegen ausnutzte.

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