Hand der Woche – Ike Haxton auf dünnem Eis

Isaac Haxton

Eine aufregende Woche mit vielen tollen Highstakes-Runden liegt hinter uns. Durch die Rückkehr von Spielern wie Gus Hansen, Alex Kostritsyn und Ike Haxton kam es zu etlichen großen Pots, teilweise mit interessanten strategischen Scharmützeln. In unserer Hand der Woche wollen wir uns ein solches Duell näher ansehen – Ike Haxton und Denoking sind, was die Stärke der Hand betrifft, nicht gerade gut bestückt, zu heftiger Action kommt es aber trotzdem.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Gespielt wird Heads-Up No-Limit Hold’em mit Blinds von $300/$600. Der effektive Stack beträgt $112.000, ist also mit 187 Big Blinds recht groß. Denoking raist vom Button auf $1.500 und Ike Haxton callt im Big Blind, womit $3.000 im Pot sind. Der Flop bringt

     

und Haxton checkt zum Raiser. Denoking setzt weitere $1.800, die Haxton callt. Im Flop sind somit $6.600 und der Turn wird aufgedeckt mit der

 

Wieder checkt Haxton, Denoking feuert weitere $4.620 und Haxton raist auf $22.000. Denoking callt und im Pot sind $50.600. Die effektiven Stacks vor dem River betragen $86.880. Die letzte Karte wird aufgedeckt, es ist die

 

Haxton geht von vorne All-In, Denoking callt mit

   

und gewinnt mit einem Flush in Herz gegen die

   

von Haxton den Pot mit $224.360.

Analyse und Bewertung

Mit ziemlich dürren Händen lehnen sich hier beide Spieler ziemlich weit aus dem Fenster und am Ende wechseln über $100.000 den Besitzer. Schauen wir uns noch einmal an, wie Ike Haxton, einer der weltbesten No-Limit Hold’em-Cashgame-Spezialisten, diesen fetten Pot verliert.

Mit einer marginalen Hand raist Denoking vor dem Flop, wie er es in Position mit fast seinem gesamten Spektrum tut. Etwas überraschend ist Haxtons Entscheidung, mit seiner sehr schwachen Hand 6 3 seinen Big Blind zu verteidigen. Die Hand ist so schwach, dass er einen Call nur rechtfertigen kann, wenn er meint, oft genug später den Pot stehlen zu können.

Der Flop bringt Haxton Bottom Pair und damit eine im Heads-Up durchaus passable Hand, aber für Denoking waren die drei Gemeinschaftskarten fast optimal. Er traf ebenfalls ein Paar und hat dazu einen Flush Draw. Selbst gegen Top Pair oder ein Overpair ist er damit leichter Favorit, womit eine Continuation Bet, um

1. den Pot aufzubauen oder

2. den Pot direkt zu gewinnen,

selbstverständlich ist. Haxton callt mit seinem Paar Dreien, das durchaus die beste Hand sein könnte. Allerdings weiß er natürlich, wie schwer es gegen einen aggressiven Spieler ist, eine solche Hand bis zum Showdown zu bringen. Aus diesem Grund hat er einen Zusatzplan, der auf dem Turn zum Einsatz kommt.

Als die 9 aufgedeckt wird, checkt Haxton wieder, Denoking setzt erneut mit seinem Paar plus Flush Draw und dann lässt Haxton mit Bottom Pair einen Check-Raise vom Stapel. Keines seiner (vermeintlichen, denn er hat in Wirklichkeit nur zwei, nämlich die 6 und die 6)  fünf Outs zur Verbesserung der Hand kam an, daher greift Plan B, der Bluff.

Denoking
Nach dem River hatte Denoking einen relativ einfachen Call und gewann einen Riesenpot.

Natürlich beinhaltet Haxtons Check-Raise schon die Idee, auf fast jedem River All-In zu gehen, während er nach einem gegnerischen Reraise noch bequem folden kann. Für Denoking gibt es an dieser Stelle keinen Grund, seine Hand aufzugeben. Er hat vermutlich 14 Outs und natürlich könnte Haxton gerade auf diesem Board mit zwei Flush Draws auch bluffen.

Der River bringt ein Paar aufs Board und Haxton übt mit seinem Overbet-All-In maximalen Druck aus. Er setzt fast $87.000 in den Pot mit $50.000.

So richtig gefallen mag dieser Spielzug aber nicht. In Denokings Spektrum waren auf dem Turn durchaus Flush Draws, Sets, Two Pairs oder eine Neun, die er nach dieser Karte kaum folden wird.

deAußerdem ist nicht so recht klar, was Haxton eigentlich selbst repräsentiert. Mit einem Flush Draw hätte er vermutlich schon auf dem Flop geraist, und ein Full House bekommt man auch nicht oft – und das sind im Grunde die einzigen guten Hände, mit denen er so spielen kann.

Denoking hat daher einen ziemlich einfachen Call und gewinnt den Pot mit über $224.000.

Fazit

Brutale Aggression ist in NLHE-Partien mit großen Stacks oft ein geeignetes Rezept. In einem Duell zweier dürftiger Starthände erwischt Denoking einen guten Flop und kann auf dem River den Schmetterball von Ike Haxton locker abwehren. Haxtons Bluff ging in die Hose, aber man sieht, warum er als so gefährlicher Hold’em-Spieler eingeschätzt wird.

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