Hand der Woche – Heißer Tanz mit Tom Dwan

Tom Dwan

Cashgame vom Feinsten gibt es dieses Mal in unserer Hand der Woche. Wir gehen ins Jahr 2008 zurück und verfolgen eine Hand aus dem Schaffen eines der führenden Spieler der damaligen Zeit. Mit ultra-aggressivem und undurchsichtigem Spiel jagte Tom Dwan damals der gesamten Online-Szene Angst und Schrecken ein. Wie trickreich er dabei vorging, und wie er es schaffte einen der größten Pötte der Online-Pokergeschichte zu gewinnen, sehen wir hier.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Gespielt wird No-Limit Hold’em mit Blinds von $500/$1.000. Tom Dwan ist in erster Position an einem Tisch mit fünf Spielern und hält

   

Er raist auf $3.000 und direkt hinter ihm reraist Di Urindanger Dang auf $10.500. Die restlichen Spieler folden und Dwan ist wieder an der Reihe. Die effektiven Stacks betragen enorme 327 Big Blinds und Dwan callt. Im Pot sind $22.500.

Der Flop bringt

     

Dwan setzt von vorn $17.600, worauf Dang auf $44.200 raist. Dwan callt mit seinem Set, womit $110.900 im Pot sind. Der Turn bringt den

 

Dwan setzt von vorn $71.200 und Dang callt. Im Pot sind $253.300 und die effektiven Stacks betragen etwas mehr als $200.000.

Der River bringt die

 

Dwan geht von vorn mit seinem restlichen Geld All-In und Dang callt. Dwan zeigt sein Set, Dang muckt und Dwan gewinnt den Pot mit ca. $657.000.

Analyse und Bewertung

Natürlich handelt es sich bei dieser Hand im Grunde um eine Standardsituation, bei der ein Spieler ein Set trifft und der andere (höchstwahrscheinlich) ein hohes Ass, vermutlich AK, hat. Und doch gibt es einige Gründe, sich diese Hand näher anzusehen.

Beginnen wir vor dem Flop. Ohne Position callt Dwan mit seinem niedrigen Paar den Reraise von Di Dang. Das ist nur korrekt, weil die Stacks mit über 300 BB so groß sind. Bei Stacks um die 100 BB ist ein solcher Call immer inkorrekt, da man nicht oft genug ein Set trifft, um seine Verluste in den anderen Fällen wettzumachen.

Insofern ist die Action vor dem Flop Standard, doch richtig interessant wird es ab dem Flop. Bei $22.500 im Pot setzt Dwan von vorn direkt $17.500, anstatt lehrbuchgemäß zum Raiser zu checken. Sein Ansinnen ist klar. Er möchte so schnell wie möglich so viel Geld wie möglich in den Pot bekommen. Dangs Antwort ist etwas überraschend. Er raist – vermutlich mit einem starken Ass – auf $44.200, doch bietet das Board sehr wenige Draws, gegen die er seine Hand schützen müsste.

Di Dang
Di "Urindanger" Dang beging mit dem Raise auf dem Flop einen folgenschweren Fehler, der es Dwan ermöglichte einen 317BB-Stack in die Mitte zu bekommen.

Dwan kommt Dangs Raise sehr gelegen, da er den Weg zum All-In verkürzt. Auf dem Turn trifft er die nächste bemerkenswerte Entscheidung. Mit seinem Call des Raise auf dem Flop zeigte er enorme Stärke und will nun auf keinen Fall zulassen, dass eine Setzrunde durchgecheckt wird und kein Geld in die Mitte kommt.

Wieder bringt er von vorn die Donk Bet, und dieses Mal callt Di Dang nur. Aus seiner Sicht ist der Fall klar – er liegt entweder weit vorn und kann Dwan bluffen lassen oder weit zurück.

Der River bringt mit der 6 eine völlig belanglose Karte, die nichts an den bestehenden Kräfteverhältnissen ändert. Eine Acht oder Drei (und in abgeschwächter Form auch eine Sieben oder eine Vier) wäre eher von Belang  gewesen, da Dwan mit einem Open-ended Straight Draw, also mit 65, so gespielt haben könnte.

Dwan hat in den vorherigen Setzrunden sein Ziel erreicht. Er hat den Pot so aufgebaut, dass er mit etwas mehr als drei Viertel der Potgröße bequem All-In gehen kann, ohne eine Overbet zu bringen. Dang callt vermutlich mit AK und Dwan kassiert den 27-größten Pot der Online-Pokergeschichte.

Fazit

Mit seinem Raise auf dem Flop beging Di Dang einen folgenschweren Fehler und ermöglichte seinem Gegner, anschließend das gesamte Geld in die Mitte zu bekommen.

Tom Dwan dagegen schaffte es mit unorthodoxem Spiel, satte 317 Big Blinds in nur drei Setzrunden im Pot unterzubringen. Auf kunstvolle Weise maximierte er seinen Gewinn und wurde reich.

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