Hand der Woche – Der Fisch im Haibecken

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Pocket Damen - fast schon ein Hinweis...

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein blutiger Amateur und nehmen mehr oder weniger zufällig an einem EPT Main Event teil. Sie kommen weit, ins Preisgeld sogar und dann bekommen Sie auch noch Damen ausgeteilt. Klingt wie das vollkommene Glück, oder? Und die Geschichte ist tatsächlich so passiert – natürlich mit einer überraschenden Wendung am Ende.

Der unglaubliche Fold des Bahram Chobineh

Nach vielen Cashgame-Händen und zum Teil ausgiebigen Analysen wollen wir uns heute mal wieder eine Turnierhand vom Main Event der EPT Deauville ansehen. Dabei soll es gar nicht so sehr um eine tiefgründige Analyse gehen, sondern vielmehr um eine besondere Geschichte.

Der Iraner Bahram Chobineh ist ein völlig unbeschriebenes Blatt in der Turnierszene. Gibt man seinen Namen im HendonMob ein, erwartet einen gähnende Leere – kein noch so kleiner Cash bei einem noch so kleinen Turnier.

Umso verwunderlicher ist es, dass Bahram Chobineh einer von 16 Spielern ist, die Tag 5 des Main Event der EPT Deauville erreicht haben. Nur aufgrund einer Wette ist Chobineh überhaupt dabei, allerdings hat er diese nicht gewonnen, sondern verloren.

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Bahram Chobineh. Photo: PS-Blog.

In der heimischen Runde war er als Erster ausgeschieden und gemäß den verabredeten Regeln musste er sich mit 5300 Euro für das Main Event in Deauville einkaufen, um gegen die „großen Jungs“ anzutreten.

Wettschulden sind Ehrenschulden, also legte Chobineh das Geld auf den Tisch, er überstand Tag 1, er überstand Tag 2, er überstand die Bubble an Tag 3 und schließlich qualifizierte er sich sogar als einer von 41 Spielern für Tag 4.

Damit hatte Chobineh bereits über 12.000 Euro sicher, eine gute Basis, um befreit aufzuspielen.

Dann geschah das Unfassbare.

Bei noch 31 Spielern (sicheres Preisgeld damit €15.950) erhielt Chobineh in erster Position

   

und entschied sich – reichlich unorthodox – zu einem Limp. Hinter ihm raiste Carlo De Benedittis, die anderen Spieler foldeten und Chobineh reraiste.

Der gute alte Limp-Reraise – ein beliebtes strategisches Mittel für starke Hände in ultraloosen Runden, hier appliziert von Bahram Chobineh bei einem Major-Turnier. Der Iraner stand von seinem Platz auf, dann annoncierte De Benedittis das All-In.

Die Chips wurden gezählt, Chobineh hatte mehr als sein Gegner. Über drei Minuten überlegte der Amateur und schließlich foldete er offen seine Hand.

Sein italienischer Kontrahent ließ sich nicht lumpen – er zeigte

   

und der Tisch staunte nicht schlecht.

Zu dem Geschehen befragt, meinte Chobineh, dass er permanent schlechte Karten und dann endlich die Damen bekommen hätte.

„Als er mich All-In setzte, fühlte ich mich nicht mehr wohl mit meinen Damen, also machte ich einen kranken Fold. Und er zeigte mir Asse.“

Ein wenig Analyse

Ganz ohne Analyse wollen wir diese ungewöhnliche Hand nicht beenden. Wie ist das Geschehen zu bewerten und kann man in dieser Situation wirklich Damen folden?

Ein ganz wichtiger Faktor im Verlauf der Hand ist der Limp von Chobineh in UTG. Dieser Move ist in ultraloosen Runden eigentlich für Asse oder Könige und vielleicht AK reserviert, mit Damen ist er jedenfalls ziemlich ungewöhnlich.

Bahram Chobineh psblog
Ein Gentleman am Tisch. Photo: PS-Blog.

Letztlich rettete Chobineh aber genau dieser Limp, denn seine Hand wurde aus gegnerischer Sicht sogar noch stärker als ein Paar Damen.

De Benedittis hätte sich mit einer schlechteren Hand als Assen zweifellos sehr unwohl gefühlt, und möglicherweise sogar mit Königen nur zögerlich das All-In forciert.

Und genau deshalb ist das Spektrum von De Benedittis so stark – genau genommen besteht es nur aus Assen und vielleicht noch Königen.

Insofern ziehen wir zwar weiterhin den Hut vor Bahram Chobinehs Fold, doch unterm Strich blieb ihm letztlich keine andere Wahl.

Und dann?

Wie Bahram Chobineh erreichte auch der in dieser Hand siegreiche Carlo De Benedittis Tag 5 der EPT Deauville, wie von einem guten Regisseur bestimmt, lagen die beiden Helden einträchtig am Ende des Chipcounts.

In der Tat ein guter Fold!

PS: Bahram Chobineh war der erste Spiel, der am fünften Spieltag die Segel streichen musste. Er zeigte sich auch im Interview mit dem PS-Blog als Gentleman.

Ob er das Abenteuer EPT wiederholt, ließ Chobineh offen:

„Im Moment kann ich mir das nicht vorstellen. Aber es war eine tolle Zeit, und es gibt nichts Vergleichbares.“

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