Hand der Woche – Die ultimative Schlacht der Nervensäge Curtis Rystadt

Curtis Rystadt

Seit drei Wochen sendet ESPN die Aufzeichnungen des WSOP Main Event 2014. Wie schon in den Vorjahren (man denke nur an Jan Boye) haben die amerikanischen Kollegen auch dieses Mal einen Spieler mit Nervpotential aus dem Amateurlager genauer unter die Lupe genommen. Curtis Rystadt kommt aus Portland und hat sich für seine Privatfehde Poker Pro Kyle Keranen ausgesucht. Die beiden lieferten sich einige spannende und abwechslungsreiche Duelle, ehe es an Tag 5 zu folgendem Gefecht kam, das wir aus Sicht von Rystadt verfolgen.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Noch genau 100 Spieler sind beim Main Event dabei, die Blinds betragen 15.000/30.000 plus 5.000 Ante. Rystadt hat wie Keranen ungefähr 2 Millionen Chips und befindet sich damit in einer guten Ausgangslage. Im Big Blind bekommt der Amateur

   

Alle Spieler folden, aber Kyle Keranen raist vom Button auf 100.000. Der Deutsche Mark Tschirch foldet im Small Blind, aber Rystadt callt. Im Pot sind damit 260.000, und der Flop bringt

     

Rystadt checkt mit Top Pair zum Raiser, der eine Continuation Bet von 80.000 folgen lässt. Rystadt callt und es wird der Turn mit 420.000 im Pot aufgedeckt:

 

Wieder checkt Rystadt und Keranen setzt dieses Mal 180.000. Rystadt checkraist auf 400.000 und Keranen callt. Beide Spieler haben noch rund 1,5 Millionen Chips, im Pot sind 1,22 Millionen. Schließlich wird der River aufgedeckt mit der

 

Rystadt hat nun Two Pair und setzt 400.000. Keranen denkt eine Weile nach und geht schließlich mit etwa 1,5 Millionen All-In. Rystadt erschrickt, erzählt einiges über das A und Hollywood, ehe er callt und gegen Keranens

   

ausscheidet.

Analyse und Bewertung

Im wichtigsten Turnier des Jahres erleben wir zunächst eine Standardsituation. Alle Spieler folden zu Kyle Keranen, der auf dem Button einen recht hohen Raise bringt. Möglicherweise beeinflusste ihn bei dieser Entscheidung seine Privatfehde mit Curtis Rystadt – für einen Button-Raise hat Keranen eine überdurchschnittlich starke Hand.

Rystadt nimmt den Handschuh auf und callt mit K 4. An dieser Entscheidung gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Gegen das breite Eröffnungsspektrum Keranens auf dem Button schneidet Rystadts Hand gut ab, und ein Fold wäre viel zu ängstlich.

Der Flop bringt eine interessante Konstellation. Rystadt hat auf einem Board mit drei Kreuz Top Pair ohne Redraw und spielt die Hand zunächst klassisch weiter. Er checkt zum Raiser und callt anschließend dessen niedrige Continuation Bet.

Kyle Keranen
Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Der Turn bringt eine totale Blank und wieder checkt Rystadt zu Keranen. Der setzt dieses Mal fast halben Pot, worauf Rystadt auf 400.000 checkraist. Das ist ein höchst merkwürdiges Manöver, mit dem Rystadt einen klassischen Anfängerfehler begeht – er setzt seinen Gegner auf eine konkrete Hand (One Card Flush Draw) und nicht auf ein Spektrum, wobei selbst gegen einen Flush Draw (der nur 20 Prozent Pot Equity  hat) ein Call besser wäre.

Tatsächlich hat Rystadt die Hand nicht im Ansatz zu Ende gedacht. Was etwa würde er tun, wenn Keranen nun All-In ginge? Und wie spielt er weiter, wenn der River eine weitere Blank bringt?

Nach Keranens Call wird es dramatisch. Mit der   „platzt“ der One Card Flush Draw und Rystadt bekommt Two Pair. Damit schlägt er auf einmal einige Hände, gegen die er zuvor hinten lag (alle Könige außer KQ und K6) und die ihn auch ausbezahlen können.

Schließlich bringt er mit 400.000 eine recht kleine Value Bet (ca. ein Drittel des Pots), doch dann verläuft das Geschehen anders als geplant. Keranen geht All-In und anhand der Reaktion Rystadts kann man erkennen, dass er diesen Spielzug nicht ansatzweise berücksichtigt hatte.

Schauen wir uns die Situation genau an. Nach Keranens All-In sind etwa 3,1 Millionen Chips im Pot und Rystadt muss 1,1 Millionen bezahlen – das heißt er bekommt Pot Odds von fast 3 zu 1. Im Grunde ist das ein klarer Call, aber es geht auch um Rystadts Turnierleben, und wenn er foldet, hat er noch eine Million Chips und damit einen brauchbaren Stack übrig.

Keranen derweil hat sein Spektrum maximal polarisiert. Er kann nur die Nuts (bzw. auf jeden Fall einen Flush) haben oder nichts, da ein Set bzw. eine Straight mit 53 an dieser Stelle nicht mehr als ein Bluff-Catcher wären.

Genau das macht es Rystadt neben den Pot Odds so schwer, seine Hand wegzulegen, denn natürlich wäre eine Hand wie A Xx denkbar, wie sich Rystadt letztlich einredet. Am Ende muss der Amateur in den sauren Apfel beißen und den Tisch verlassen.

Ausschlaggebend war neben der Hartnäckigkeit auf dem River letztlich sein deplatzierter Check-Raise auf dem Turn, mit dem er

1. seine Hand unnötig in einen Bluff verwandelte

2. den Pot mit einer Hand aufblähte, die nur für einen kleinen Pot geeignet war.     

Hier könnt ihr euch diese spektakuläre Hand noch einmal in bewegten Bildern anschauen: 

Fazit

Das Privatduell zwischen Curtis Rystadt und Kyle Keranen nimmt ein dramatisches Ende, als der Profi ein Monster floppt und der Amateur seine Hand völlig überspielt. Rystadt verliert die Übersicht und verwandelt im falschen Moment seine Hand in einen Bluff. Am Ende muss er dafür mit dem Ausscheiden büßen. 

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