Hand der Woche – Die Gunst der Stunde

Jorryt van Hoof

Gut eine Woche nach dem Abschluss der November Nine und damit dem Main Event der World Series of Poker 2014 wollen wir uns noch einmal ein besonders interessantes Duell vom Finaltisch anschauen. In dieser superinteressanten Hand schied niemand aus, aber sie zeigt einige wichtige strategische Aspekte, die nur in Turnieren vorkommen und die mit der besonderen Situation des höchstdotierten Final Tables im Jahr zu tun haben. Es handelt sich um Hand #36 der November Nine, involviert sind der Spanier Andoni Larrabe und Jorryt van Hoof, aus dessen Sicht wir das Geschehen verfolgen.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Noch alle neun Spieler sind dabei, alle haben rund $730.000 sicher, aber schon der erste Preisgeldsprung ist über $200.000 wert. Die Blinds betragen 200.000/400.000 plus 50.000 Ante. Die beiden beteiligten Spieler liegen auf Platz 2 (van Hoof) bzw. Platz 4 (Larrabe) im Chipcount.

Nach lauter Folds bekommt Jorryt van Hoof auf dem Button

   

Der Niederländer raist auf 1 Million, Newhouse foldet im Small Blind, aber Larrabe callt im Big Blind. Im Pot sind 2,65 Millionen, die effektiven Stacks betragen 22 Millionen.

Der Flop bringt

     

und Larrabe checkt. Van Hoof setzt 1,4 Millionen und Larrabe callt. Im Pot sind 5,45 Millionen, die effektiven Stacks betragen 20,6 Millionen. Nach dem Turn mit dem

 

setzt Larrabe von vorn 3,35 Millionen und van Hoof callt nach kurzer Bedenkzeit. Im Pot sind 9,5 Millionen, die effektiven Stacks betragen 17,2 Millionen. Der River bringt die

 

Larrabe checkt und nach einigen Sekunden geht van Hoof All-In. Larrabe schaut noch einmal in seine Karten und foldet dann zügig die sogenannte Idioten-Straight mit

   

Van Hoof gewinnt den Pot mit 9,5 Millionen und übernimmt wieder die Führung.

Analyse und Bewertung

Vor dem Flop erleben wir eine Standardsituation. Van Hoof raist vom Button und er hat in diesem Fall mit     eine überdurchschnittliche Hand. Angesichts der Turniersituation kann man davon ausgehen, dass van Hoof hier sehr viele Hände vom Button raist. Im Big Blind bekommt Andoni Larrabe mit     eine ausbaufähige Hand, mit der er seinen Big Blind gegen das breite Spektrum van Hoofs gut verteidigen kann.

Der Flop mit       ist das, was man einen Action-Flop nennt, und auch in diesem Fall haben beide Spieler etwas getroffen. Larrabe checkt mit seinem Bottom Pair plus Open-ended Straight Draw am unteren Ende und van Hoof bringt mit Middle Pair plus Gutshot zu den Second Nuts die Continuation Bet.

Da van Hoof fast immer so spielt, gibt es für Larrabe keinen Grund seine Hand aufzugeben. Sein Call ist daher recht selbstverständlich.

Interessant wird es nach dem   auf dem Turn. Nun setzt Larrabe von vorn und stellt van Hoof damit die Frage, ob er die Hand wirklich fortsetzen will. Im Grunde repräsentiert Larrabe damit nichts anderes als die Dame, mit der er auf dem Flop gecallt und nun getroffen hat.

Sein Gegner van Hoof aber hat gerade Two Pair bekommen und denkt gar nicht daran zu folden. Abgesehen davon, dass er die beste Hand haben kann, hat er Position und sieht auf dem River, was Larrabe vor ihm macht.

Nach van Hoofs Call spitzt sich die Lage durch die   weiter zu. Larrabe hat tatsächlich die Straight getroffen, aber natürlich kann van Hoof durchaus eine Dame (oder sogar AQ) für die bessere Straight haben. Mit seinem Check versucht Larrabe den Showdown zu erreichen und gegen viele Hände zu gewinnen.

Andoni Larrabe
Der Spanier Andoni Larrabe wurde von van Hoof in dieser hochinteressanten Hand total geownt.

Doch van Hoof erkennt die Gelegenheit, dank seiner Position seine gar nicht so üble Hand in einen profitablen Bluff zu verwandeln. Er könnte natürlich checken und würde mit seinem Two Pair gegen viele Hände gewinnen, doch hat er die glänzende Idee, die Hand einfach immer zu gewinnen, indem er All-In geht.

Durch seinen Check hat Larrabe sein Spektrum nach oben begrenzt – er kann schlicht keine Dame haben. Diese Information nutzt van Hoof aus, um in diesem Fall mit der schlechteren Hand einen Pot mit 9,5 Millionen zu gewinnen. Larrabe bleibt gar nichts anderes übrig, als zu folden, denn mit einem Call würde er sein Turnierleben aufs Spiel setzen.

Im Nachhinein wird klar, dass Larrabe auf dem River hätte setzen sollen. Mit einer kleinen Block Bet im Bereich von 3 Millionen repräsentiert er weiterhin die Dame, die er schon auf dem Turn vorgab zu haben. Anschließend wäre es für van Hoof fast unmöglich gewesen, den gleichen Bluff vom Stapel zu lassen.

Hier könnt ihr euch diese spektakuläre Hand noch einmal in bewegten Bildern anschauen:

Fazit

Nach wechselndem Schlachtenglück bietet sich Jorryt van Hoof auf dem River die Möglichkeit, seine Two-Pair-Hand in einen Bluff zu verwandeln. Die Hand zeigt, wie stark und mutig van Hoof am ersten Tag der November Nine spielte. Andoni Larrabe verließ sich zu stark auf seinen Showdown Value. Indem er mit der Idioten-Straight checkte, begrenzte er sein Spektrum und verriet seinem Gegner, dass er nicht die Nuts hatte. Van Hoof nahm sein Herz in die Hand und nutzte dies gnadenlos aus.

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