Hand der Woche – Das entscheidende Duell bei der WPT Wien

Vladimir Krastev

Hochaktuell geht es dieses Mal in unserer Hand der Woche zu. Bei der WPT Wien kam es am Finaltisch zu einem entscheidenden Duell, das die Weichen auf den späteren Sieg des Deutschen Konstantinos Nanos stellte. Wie fast immer beim Poker ging das Ganze nicht ohne größeres Drama ab, obwohl es zunächst gar nicht danach aussah!

Ausgangslage vor der Hand und komplette Action

Wir befinden uns am Finaltisch der WPT Wien, noch drei Spieler sind dabei. Alle haben auf jeden Fall schon gut $68.000 sicher, aber natürlich strebt jeder nach dem Sieg und der Siegprämie von gut $157.000. Aber auch der zweite Platz mit einem Preisgeld von gut $108.000 bedeutet einen ordentlichen Sprung.

Sehr wichtig sind auch die Stacks vor der Hand. Chipleader ist der Österreicher Vladimir Krastev mit 3,3 Millionen, Konstantinos Nanos hat 2,5 Millionen und Thomas Bichon hat 800.000. Die Blinds betragen 15.000/30.000 mit einem Ante von 5.000, alle Spieler haben also mindestens 27BB.

Vladimir Krastev raist vom Button auf 65.000, Thomas Bichon foldet im Small Blind, aber Konstantinos Nanos reraist im Big Blind auf 175.000. Krastev bringt recht schnell die 4-Bet auf 390.000, worauf Nanos sich einige Zeit nimmt, ehe er die 5-Bet auf 875.000 bringt. Jetzt denkt Krastev länger nach und geht schließlich mit effektiven 2,5 Millionen All-In. Dieses Mal braucht Nanos für seine Entscheidung nicht lang – ohne jedes Zucken callt er mit

   

worauf Krastev seine

   

umdreht.

Das Flop bringt zunächst wenig Spannung mit

     

doch nach der

 

hat Krastev einen Flush Draw und damit immerhin 18 Prozent Siegchance. Nach dem River mit der

 

gewinnt Nanos aber den Pot und später auch das Turnier.

Die Chipverteilung nach der Hand: Nanos 5 Millionen, Krastev 800.000, Bichon 800.000.

Analyse und Bewertung

Rein vordergründig betrachtet, sieht es in dieser Hand – mit Kenntnis der beiden Blätter – schlicht so aus, als hätte Vladimir Krastev einen brutalen Fehler begangen, doch ist Poker leider – oder zum Glück – nur selten so trivial. Schauen wir noch einmal die gesamte Situation an und versuchen alle wichtigen Parameter zu berücksichtigen.

Sehr wichtig ist bei einem Turnier natürlich immer die Ausgangssituation. Im vorliegenden Fall kann der Drittplatzierte Thomas Bichon den beiden Ersten mit seinem momentanen Stack nicht sonderlich wehtun. Untereinander sieht es bei Krastev und Nanos aber anders aus – eine Niederlage, die den gesamten Stack kostet, wirft Nanos aus dem Turnier und Krastev auf den letzten Platz zurück.

Eine solche Konstellation kann leicht zu einem Feiglingsspiel führen, in dem sich beide Kontrahenten gegenseitig mit Drohgebärden hochschaukeln.

Ebenfalls von Belang ist die Preisgeldverteilung nach ICM, die Auskunft darüber gibt, was die jeweiligen Chips der drei Kontrahenten aktuell wert sind. Wie erwähnt, haben alle drei Spieler schon gut $68.000 sicher, da verwundert es nicht, dass die aktuelle ICM-Verteilung (gerundet) so aussieht:

Vladimir Krastev

109BB

$127.227

Konstaninos Nanos

83BB

$119.215

Thomas Bichon

27BB

$86.557

Man sieht hier ganz deutlich, dass es für Krastev und Nanos ein teures Vergnügen ist, wenn er als Dritter ausscheidet und sich mit $68.000 begnügen muss – die Kosten betragen jeweils über $50.000.

Kehren wir mit diesem Vorwissen zur Hand zurück. Krastev bekommt mit K Q eine für das Spiel zu dritt sehr starke Hand, mit der ein Raise vom Button geradezu selbstverständlich ist.

Nach Bichons Fold kann es nur noch ein Duell der beiden Big Stacks geben. Nach Nanos‘ Reraise könnte Krastev durchaus callen, um den Positionsvorteil auszunutzen.

Stattdessen entschließt er sich zu einer 4-Bet, bei der er aber nur 11,9 Prozent seines Stacks investiert. Spätestens nach Nanos‘ 5-Bet hätte sich Krastev etwas verschärftere Gedanken über zwei Fragen machen sollen:

1. Mit welchem Spektrum spielt Nanos so?

2. Wie kann er (Krastev) sein Chance-Risiko-Verhältnis optimieren?

Da es sich erst um die 27. Hand am Finaltisch handelte, gibt es noch keine große Vorgeschichte der beiden Spieler. Im Rahmen normaler Aggressivität muss Krastev seinem Gegner auf jeden Fall eine bessere Hand als seine eigene zutrauen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Nanos hier mit einer schlechteren Hand so spielt, ist tatsächlich sehr gering, womit sein Spektrum aus AJ+ und guten Paaren (99+) besteht.

Noch wichtiger ist das Chance-Risiko-Verhältnis. Wie erwähnt, hat Krastev bislang einen recht kleinen Anteil seines Stacks investiert und jede Folgeaktion bedeutet einen Anstieg seines Risikos von 11,9 des Stacks auf 76 Prozent – sprich die 2,5 Millionen, die Nanos hat.

Der Deutsch-Grieche Konstantinos Nanos gewann die WPT Wien
Diese Hand brachte die Vorentscheidung bei der WPT Wien und führte letztendlich auch zum Sieg von Konstantinos Nanos.

Außerdem würde eine Niederlage dazu führen, dass er auf Platz 3 zurückfällt und auf einmal nur noch $68.000 gewinnen könnte – eine erhebliche Verschlechterung gegenüber den gut $127.000, die ihm aktuell „mathematisch gehören“.

Schauen wir uns noch einen weiteren wichtigen Faktor an. Geht Krastev nach Nanos‘ 5-Bet All-In, sind effektiv knapp 3,4 Millionen Chips im Pot und Nanos hat nur noch 1,6 Millionen, d.h. er bekommt sehr gute Pot Odds von 2,12 zu 1, mit denen er mit jeder vernünftigen Hand callen muss.

Dagegen schneidet KQs alles andere als gut ab, richtig prickelnd sieht es nur gegen 99, TT oder JJ aus, richtig übel dagegen gegen QQ, KK und AA.

Obwohl KQ für einen Move wie diesen aus guten Gründen – die Wahrscheinlichkeit der dominierenden Hände AK, AQ, KK und QQ ist erheblich gesenkt – gern verwendet wird, handelt es sich hier eindeutig um einen Fehler, und dies aus mehreren Gründen:

Nanos bekommt mit einem starken Spektrum sehr gute Pot Odds, das Chance-Risiko-Verhältnis für Krastev ist sehr ungünstig und nicht zuletzt schneidet KQ bei wenig Fold Equity gegen die Call-Hände sehr schlecht ab.

Fazit

Mit heftiger Aggression versucht Vladimir Krastev die Turniersituation auszunutzen und seinem Gegner Konstantinos Nanos zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Dabei schätzt er das gegnerische Spektrum und die konkrete Konstellation falsch ein und bereitet so seinem Gegner den Weg zum Turniersieg.

Ein teures Versehen! 

Hier könnt ihr euch die Hand noch einmal in bewegten Bildern anschauen

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