Hand der Woche – Bye Bye Isildur1

Isildur1

Seit mehr als fünf Jahren ist er einer der Spieler, die den Rhythmus auf den Highstakes vorgeben. Viktor Isildur1 Blom hat das Online-Poker in jeder Beziehung verändert – er absolvierte die größten Spielumfänge, er sorgte für die größten Pots und Swings und er hatte die meisten Fans. Am 21. Oktober gab sein Sponsor Full Tilt Poker bekannt, dass Isildur1s Vertrag nicht mehr verlängert würde, und tat allen Highstakes-Fans keinen Gefallen. Aus diesem besonderen Anlass wollen wir heute den größten Online-Pot aller Zeiten analysieren – natürlich mit Isildur1!

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Viktor Blom
Ohne Viktor "Isildur1" Blom werden die High Stakes auf Full Tilt nie mehr dasselbe sein.

Wir tauchen ein in ein Heads-Up-Duell Ende 2011. Viktor Isildur1 Blom und Patrik Antonius spielen Pot-Limit Omaha, die Blinds betragen atemberaubende $500/$1.000 und die Stacks sind mit effektiven $678.000, also 678 BB, außergewöhnlich groß.

Solche Stacks begünstigen Hände mit großen Implied Odds, also spekulative Hände mit enormem Verbesserungspotential. Genau eine solche Hand findet Blom mit

       

Er raist vom Button auf $3.000, Antonius reraist im Big Blind auf $9.000 und Blom geht noch einmal mit $27.000 drüber. Antonius erhöht noch einmal auf $81.000, dieses Mal callt Blom in Position nur. Im Pot sind damit $162.000, die effektiven Stacks liegen bei $597.000. Der Flop bringt

     

Antonius setzt $91.000, Blom raist Pot auf $435.000 und Antonius geht All-In. Blom callt die restlichen $162.000 und es liegen $1,356 Millionen im Pot.

Turn und River bringen Blom mit

  und  

keine entscheidende Hilfe, und er verliert mit Two Pair Neunen und Fünfen gegen Antonius‘ gefloppte Straight mit

       

Analyse und Bewertung

Am Ende dieser dramatischen Konfrontation hat Patrik Antonius das bessere Ende für sich, doch wollen wir uns noch einmal die wichtigsten Momente dieses legendären Pots anschauen. Vor dem Flop raist Blom mit seiner schönen Folge vom Button, seine Hand kann den Flop perfekt treffen, einziges Manko ist vielleicht, dass sie „nur“ einfach gleichfarbig ist.

Antonius hat im Big Blind eine sehr starke Hand. Er hat nicht nur ein Paar Könige, sondern eine doppelt gleichfarbige Hand, die dank des Asses einen Nut Flush in Herz bzw. einen Second Nut Flush in Pik treffen kann. Obwohl er keine Position hat, reraist er Blom gleich zweimal und zeigt damit, dass er schon vor dem Flop zum All-In bereit wäre.

Blom callt die 5-Bet von Antonius nur – eine kluge Entscheidung, da er Position hat und auf dem Flop in aller Ruhe entscheiden kann, ob ihm das Board so gut gefällt, um gegen das sehr starke Spektrum (zweifacher Reraise aus den Blinds!) seines Gegners anzutreten.

patrik antonius aussie millions main event
Die gefloppte Straight von Patrik Antonius hielt und bescherrte ihm mit $1,356 Millionen den größten Online-Pot aller Zeiten.

Der Flop bringt Antonius die Second Nuts mit einem Wheel auf einem Board, das keinerlei Flush Draws zulässt. Er setzt recht wenig, seine $92.000 könnten leicht als halbherzige Continuation Bet interpretiert werden. Sein Monster ist überdies sehr gut versteckt, da sein Spektrum aufgrund der Action vor dem Flop vor allem aus hohen Karten bzw. hohen Paaren besteht. Die 3, die vor dem Flop als kleiner Makel hätte angesehen werden können, da sie mit den drei anderen Karten nicht restlos harmoniert (wie etwa die Q oder der J), ist plötzlich zum großen Trumpf geworden. 

Auch aus Bloms Sicht hätte der Flop fast nicht besser kommen können. Er hat einen tollen Wrap gefloppt, mit Verlängerung nach oben, der ihm insgesamt 13 direkte Outs und Redraws bietet. Zwar hat er bislang nicht einmal ein Paar, aber gegen eine Hand wie A K A K wäre er zum Beispiel schon 55 zu 45 Favorit auf den Gewinn der Hand. Insofern ist sein Raise eine Mischung aus Semi-Bluff und Value Raise.

Mit seinem folgerichtigen Spielzug stellt er Antonius die ultimative Frage, ob er um seinen gesamten Stack spielen will. Da der Finne die Second Nuts gefloppt hat, kommt ein Fold natürlich nicht in Frage. In der konkreten Situation hat Antonius aber tatsächlich „nur“ knapp 55 Prozent Equity und die Entscheidung im größten Online-Pot aller Zeiten ist wirklich sehr knapp. Von den knapp 1,357 Millionen im Pot „gehören“ Antonius mathematisch nur 741.300, doch am Ende nimmt er ihn komplett mit.

Fazit

Ein perfektes Match-Up bei ultragroßen Stacks sorgt für einen Pot, der in die Pokergeschichte eingegangen ist. Beide Spieler machen alles richtig, doch die Glücksgöttin schlägt sich auf die Seite von Patrik Antonius.

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