Hand der Woche – Aus der Traum für Mark Newhouse

Mark Newhouse

Nach seinem neunten Platz im Vorjahr sollte dieses Mal alles besser für Mark Newhouse werden. Sensationell hatte er zum zweiten Mal in Folge die November Nine erreicht, und nun brachte er sogar die drittmeisten Chips an den Finaltisch des WSOP Main Event. Wie es die größte amerikanische Hoffnung abermals auf dem neunten Platz erwischte, wollen wir uns in der Hand der Woche noch einmal genauer ansehen.

Ausgangslage und Spiel bis zum River

Wie erwähnt, befinden wir uns am wichtigsten Finaltisch des Jahres, bei dem jeder Preisgeldsprung zumindest sechsstellig ist. 53 Hände wurden bislang gespielt, an der Ausgangslage hat sich nicht viel verändert. Jorryt van Hoof ist klarer Chipleader mit 45 Millionen (90 BB), während Will Tonking und Mark Newhouse mit etwa 23 Millionen (46 BB) im Mittelfeld liegen. Die Blinds betragen 250.000/500.000 plus 50.000 Ante.

Mark Newhouse ist auf dem Cut-Off und hält

   

Vor ihm raist der Chipleader Jorryt van Hoof auf 1,1 Millionen und Newhouse callt. Andoni Larrabe foldet auf dem Button, aber William Tonking reraist im Small Blind auf 3,75 Millionen. Der Holländer foldet rasch, aber Newhouse callt. Im Pot sind 9,5 Millionen und die effektiven Stacks liegen bei 19 Millionen.

Der Flop bringt

     

und Tonking lässt eine Continuation Bet mit 3,5 Millionen folgen. Newhouse callt, womit 16,5 Millionen im Pot sind und die effektiven Stacks etwa 15 Millionen betragen.

Nach der

 

auf dem Turn checkt Tonking nach längerem Nachdenken und Newhouse setzt 4,5 Millionen. Tonking callt. Im  Pot sind 25,5 Millionen und die effektiven Stacks betragen gut 10 Millionen.

Der River bringt den

 

Tonking checkt erneut und Newhouse geht mit seinen restlichen 10,2 Millionen All-In.  Nach einer Minute Überlegen callt Tonking mit

   

und Mark Newhouse muss sich auch dieses Jahr mit Platz 9 bei den November Nine begnügen.

Analyse und Bewertung

Wie brutal und schnell das Aus in einem Turnier kommen kann, zeigt diese Hand, in der Newhouse zweifellos ein ungünstiges Match-Up erwischt. Doch musste er deswegen mit seinem Underpair auch ausscheiden? Dieser Frage wollen wir hier nachgehen und das Geschehen noch einmal genauer untersuchen.

Vor dem Flop callt Newhouse mit seinen T T den Raise von van Hoof nur. Das hat Vor- und Nachteile. Zum einen vertreibt er den Holländer mit dessen sehr breitem Spektrum nicht und kann damit mehr als nur die Blinds und den Raise gewinnen, zum anderen lädt er die Blinds mit sehr günstigen Pot Odds zum Mitspielen ein und hat dabei eine Hand, die sich auf dem Flop meist mit mindestens einer Overcard konfrontiert sieht.

Nach Tonkings Reraise foldet van Hoof und Newhouse callt. Zu diesem Zeitpunkt der Hand weiß Newhouse, dass er höchstwahrscheinlich mit einem starken Spektrum konfrontiert ist, er ist aber nicht zwangsläufig geschlagen. Das Spektrum von Tonking sieht vermutlich so aus: AK, JJ+, plus gelegentliche Bluffs. Mit AQ hätte Tonking aber vermutlich nicht gereraist.

Der Flop mit J 4 2 ist ziemlich gut für Newhouse. Es kam zwar eine Overcard, aber ein Bube ist eindeutig die beste Variante, da sich in Tonkings Spektrum so gut wie keine Hände befinden (wenn überhaupt), die Newhouse überholt haben können. Insofern ändert der Flop nichts an der bisherigen Situation.

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William Tonking ließ sich nicht verunsichern und traf recht zügig die richtige Entscheidung.

Tonking bringt die normale Continuation Bet und Newhouse callt. Ein Fold wäre denkbar, vermutlich aber zu ängstlich, denn natürlich kann Tonking immer noch AK oder einen anderen Bluff haben und einen Angriff auf den Pot starten.

Der Turn bringt zwar einen Flush Draw aufs Board, ist aber eine komplette Blank. Interessanterweise checkt Tonking nun, anstatt mit seinem Overpair weiterzusetzen. Vermutlich dachte er sich, dass er von schlechteren Händen nur weitere Chips gewinnen kann, indem er Bluffs provoziert, allerdings kann ihn ein Bube durchaus bis zum Ende bezahlen und er verliert nur gegen Asse und Könige.

Es folgt die entscheidende Situation, denn Mark Newhouse setzt mit 4,5 Millionen knapp ein Drittel des Pots. Mit dieser Bet zwänge er alle Bluffs und vor allem AK zum Folden, da die Pot Odds zu schlecht wären, aber andererseits ist die Pot Equity dieser Hände so verheerend und man selbst so klarer Favorit, dass man seine Hand im Grunde nicht zu schützen braucht.

Nach Tonkings Call weiß Newhouse, dass er geschlagen ist, denn es gibt keine schlechtere Hand, die ihn auf dem Turn noch callen kann. Vermutlich hätte er die Hand auf dem River aufgegeben und sich mit einem kleinen Stack von gut 10 Millionen abgefunden, wenn, ja wenn nicht der J gekommen wäre.

Nach Tonkings Check bietet sich nun nämlich eine neue Möglichkeit. Newhouse kann im Wissen, dass seine Zehnen nicht zum Gewinn ausreichen, seine Hand in einen Bluff verwandeln und Tonking vor eine schwere Entscheidung um dessen Turnierleben stellen (Tonking hätte bei Verlust der Hand zwar noch einige Chips übrig, würde aber vermutlich schnell ausscheiden).

Indem Newhouse den Buben repräsentiert, den er durchaus haben kann, da sich in seinem Spektrum schon Hände wie AJ, KJ oder QJ befinden, gibt er der Hand eine neue Wendung. Allerdings macht es das Auftauchen des zweiten Buben auch unwahrscheinlicher, dass Newhouse einen Buben hat, denn es bleiben natürlich nur noch zwei übrig.

Wie auch immer, das ist angesichts der Turniersituation kein einfacher Call für einen relativ unerfahrenen Spieler wie William Tonking. Im Endeffekt callte er recht zügig und nahm damit Newhouse aus dem Turnier. Unterm Strich ließen die Pot Odds trotz der außergewöhnlichen Situation auch keine andere Entscheidung zu – Tonking bekam für seinen Call mehr als 3,5 zu 1 und konnte sich nur gegen einen Buben geschlagen sehen.

Entscheidend für das bittere Aus von Mark Newhouse waren zwei Faktoren:

1. Die fragwürdige Bet auf dem Turn

2. Der Bube auf dem River, der ihm eine neue Möglichkeit bot

Was Mark Newhouse selbst dazu meint, erfahrt ihr hier:

Fazit

In einem unangenehmen Match-Up mit starkem Underpair setzt Mark Newhouse auf dem River alles auf eine Karte. Sein mutiger Versuch wird von William Tonking aber unsanft ausgebremst. Wie im Vorjahr muss sich Newhouse dadurch mit Platz 9 bei den November Nine begnügen.

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