Hand der Woche – Anfang vom Ende für Annette Obrestad

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Annette Obrestad.

Einmal mehr wenden wir uns bei unserer Serie Hand der Woche dem größten Pokerspektakel des Jahres zu, der World Series of Poker. Sehr weit kam beim diesjährigen Main Event auch die Norwegerin Annette Obrestad, die durch ihren Sieg mit 18 Jahren bei der WSOP Europe 2007 bis heute die jüngste Bracelet-Gewinnerin aller Zeiten ist.

Obrestads Hand gegen Michiel Brummelhuis, die wir aus ihrer Sicht besprechen wollen, sollte sich als wegweisend erweisen. Die mittlerweile 25-jährige Norwegerin schied als 89. aus, während ihr holländischer Kontrahent als erster Spieler seines Landes die November Nine erreichte.

Ausgangssituation

Tag 5 des Main Event der WSOP, es sind noch 112 Spieler im Turnier, die Blinds betragen 12.000/24.000, außerdem wird ein Ante von 4.000 fällig. Alle Spieler folden, ehe Annette Obrestad mit

 

   

 

im Cut-Off auf 50.000 raist. Mit dieser Hand ist das in dieser Position ein Standard-Spielzug.

Hinter ihr reraist nun Michiel Brummelhuis auf dem Button auf 125.000, worauf die Blinds folden.

Im Pot sind somit 247.000, und Obrestad (die ihren Gegner covert) muss nur 75.000 nachbezahlen, bekommt also sehr gute Pot Odds von 3,3 zu 1.

Dennoch macht ihr Call keinen besonders guten Eindruck – mit einer ziemlich schwachen Hand muss sie ab jetzt ohne Position gegen einen aggressiven Spieler antreten.

Es geht los

Der Flop bringt

     

Im Pot sind nach Obrestads Preflop-Call mittlerweile 322.000 Chips. Sie checkt mit ihrem Top Pair zum Raiser, wie es im Lehrbuch steht. Brummelhuis setzt 95.000, eine recht niedrige Continuation Bet. Natürlich kann Obrestad ihr Top Pair nun nicht folden, daher callt sie.

Mit 512.000 Chips in der Mitte wird der Turn aufgedeckt, der die

 

bringt. Beide Spieler checken, worauf der River mit der

 

aufgedeckt wird.

Das große Finale

Für Obrestad brachte der River eine ausgezeichnete Karte. Mit ihrem Two Pair schlägt sie nun viele Overpairs, die bis eben noch vorne lagen, und alle Top Pairs.

brummelhuis
Michiel Brummelhuis.

Außerdem bezahlen sie diese und weitere (wie Neunen) Hände aus, daher ist aus ihrer Sicht eine Value Bet angebracht. Sie setzt 280.000 Chips, also etwas mehr als halbe Potgröße.

Es folgt jedoch eine unliebsame Überraschung, denn Michiel Brummelhuis geht mit seinen restlichen 692.000 all-In.

Damit sind 1,484 Millionen Chips im Pot und Obrestad muss 412.000 Chips nachzahlen, bekommt also Pot Odds von 3,6 zu 1.

Geschlagen wird Obrestad von mehreren Sets und einigen Straights wie 76 oder A2. Die Frage ist natürlich, womit Bummelhuis so spielt.

Entweder hat er eine der genannten Hände oder er hat nichts, denn ein Paar Asse oder Könige ist nun nur noch ein Bluff-Catcher.

Letztlich ringt sich Obrestad zum Call durch, muss sich aber die Nuts mit

   

von ihrem Gegner zeigen lassen.

Analyse

Zunächst ein großes Kompliment an den Sieger dieser Hand, Michiel Brummelhuis, für den sich die Hand zugebenermaßen aber auch perfekt entwickelte.

Sein Check auf dem Turn war ausgezeichnet und einer der Momente, in denen Slowplay wirklich gut war.

Nach einer Bet des Holländers hätte sich Obrestad mit einem Call pot-committed und mit ihrer mäßigen Hand vielleicht einen Fold gefunden.

So gab Brummelhuis seiner Gegnerin die Chance zur Verbesserung – und zur pot-committing Bet, die auch prompt kam.

Nach der Bet und dem folgenden All-In ist ein Fold für Obrestad extrem schwer zu finden, da die Pot Odds einfach erdrückend gut sind und sie nach einem Verlust weiterhin einen einigermaßen vitalen Stack hat.

Annette Obrestad
Insgesamt trotzdem ein tolles Ergebnis für Annette Obrestad.

Dennoch gefällt das Spiel der Norwegerin über die gesamte Hand gesehen nicht sonderlich. Der Call des Reraise vor dem Flop mit einer spekulativen Hand und ohne Position gegen einen Spieler, der noch 40 BB hat, macht wirklich keinen guten Eindruck.

Der Call auf dem Flop und die Bet auf dem River sind nach dem Preflop-Call logisch, doch gab es auch schon Spieler, die nach dem gegnerischen All-In foldeten und sich die 400.000 Chips sparten.

Yevgeni Timoshenko etwa gelang in einer ähnlichen Situation ein Fold gegen Jackie Glazier.

Auf jeden Fall war diese Hand der Anfang vom Ende für Annette Obrestad. Recht bald danach musste sie die Waffen strecken und sich mit Platz 89 und einem Preisgeld von gut 71.000 Dollar begnügen.

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