Hachem: Habe mich hinreißen lassen…

Joseph Hachem
"War ja nicht so gemeint."

Noch 27 Spieler im Main Event der WSOP 2009. Darunter als letzter Deutscher auch Marco Mattes aus Tübingen. Wir sprachen mit ihm, den Chipleadern Darvin Moon und Billy Kopp und mit einem etwas zerknirschten Joe Hachem.

Wenn man aus einem Turnier ausscheidet, ist das immer sehr frustrierend, unabhängig davon, ob man Letzter wird oder am Final Table sitzt. Ein früherer Gewinner der Main Events (2005) wie Joe Hachem, der in diesem Jahr immerhin fast unter die letzten hundert gekommen wäre und beim weltgrößten Anbieter PokerStars unter Vertrag steht, muss sich allerdings doch ein wenig besser unter Kontrolle haben. Als er gestern seine Mistpieler als „Affen und Vollidioten" verunglimpfte, die „niemals ein Turnier gewinnen" werden und lieber „mit sich selbst spielen" sollten, ist er jedenfalls etwas zu weit gegangen. Möglicherweise hat Hachem ja gestern Abend noch einen Anruf bekommen, jedenfalls entschuldigte er sich heute öffentlich, und das klang so:

Hachems Entschuldigung

„Ich hatte nicht die Absicht, irgendjemanden zu beleidigen. Ich habe mich hinreißen lassen, es ging immerhin um das Main Event und es waren nur noch etwas mehr als hundert Spieler dabei ... Jeder kann natürlich so spielen, wie er will. Ich habe einfach so viele Geschichten darüber gehört, wie verrückt die Leute gespielt haben. Ich bin ein leidenschaftlicher Fan von Poker und der WSOP und ich glaube, ich habe mich einfach ein bisschen in der Wortwahl vergriffen."

Marco Mattes
Wer ist der beste deutsche Pokerspieler?"

Mattes' Interview

PZ: Bei noch 27 verbliebenen Spielern sind Sie der letzte Deutsche. Wie fühlt sich das an?

MM: Im Moment fühle ich mich sehr gut, denn ich war schon short stacked und konnte dann mit Q-J gegen A-K verdoppeln. Da war viel Glück im Spiel.

PZ: Was war für Sie die wichtigste Hand des Turniers?

MM: Na ja, ganz sicher die, die ich gerade beschrieben habe. Ich habe auch einen Coin Flip mit A-K gegen Buben gewonnen, das war auch sehr wichtig für mich. Und am ersten Tag war ich mit Königen all-in gegen Asse und traf einen König auf dem Flop. Das sind so die entscheidenden Hände.

PZ: Sind Sie stolz darauf, der letzte Deutsche im Main Event zu sein?

MM: Ja, natürlich. Ich glaube aber, dass viele Deutsche einfach Pech gehabt haben und ich viel Glück hatte. Trotzdem macht mich das stolz.

PZ: Wer ist der beste deutsche Pokerspieler?

MM: Es gibt eine Reihe guter Spieler, vor allem Sebastian Ruthenberg, Benny Spindler und Florian Langmann.

PZ: Seit wann spielen Sie Poker?

MM: Seit 2006.

PZ: Spielen Sie online?

MM: Ja, aber ich spiele nicht sehr viel. Ich bevorzuge online Cash Game zu spielen und Turniere im Casino.

PZ: Danke und viel Glück weiterhin.

Nach nur drei Jahren Pokererfahrung sitzt Marco Mattes also an einem der letzten drei Tische des WSOP Main Events. Nimmt hier eine Traumkarriere ihren Anfang oder ist Mattes nur eine Eintagsfliege? Tatsache ist, dass er bereits ein paar Ergebnisse bei CAPT und ähnlichen Turnieren vorweisen kann. Andererseits können das natürlich viele.

Die Chipleader

Billy Kopp
Billy Kopp.

An der Spitze der Chiptabelle stehen Billy Kopp (15,97 Mio.) und Darvin Moon (20,16 Mio.). Die beiden schätzen ihre Position und Fähigkeiten allerdings höchst unterschiedlich ein, vor allem. Kopp, 23-jähriger Student aus Kentucky und semi-professioneller Pokerspieler, hielt es von Anfang an für möglich, so weit zu kommen: „Ich bin bei Deepstack-Turnieren schon oft weit gekommen. Da fühle ich mich besonders wohl. Wenn ein guter Spieler gute Karten bekommt, ist er nach meiner Überzeugung kaum zu stoppen." Darvin Moon, Freizeitspieler aus Maryland, weiß dagegen um die Rolle, die das Glück in seinem Turnier bisher gespielt hat und fühlt sich fast schon genötigt, sich zu entschuldigen: „Bei den Karten, die ich bekommen habe, war es eben ganz einfach. In der ersten Hand bekam ich Könige und traf einen König auf dem River. Drei Hände später bekam ich Asse und traf ein As auf dem Flop. Wie könnte man da schlecht spielen? Mir tun die Jungs leid, die ständig gamblen müssen. Ich brauche das gar nicht. Ich habe schon mehrmals zu den anderen gesagt, sobald ich schlechte Karten bekomme, nehmt Ihr mich doch sowieso auseinander. Ich bleibe bescheiden. Ich weiß, welches Niveau ich spiele, und ich weiß, dass sehr viele hier besser sind als ich."

Auch auf dir Frage, was sie tun würden, wenn Phil Ivey mit ihnen am Tisch sitzt, reagierten die beiden konträr. Kopp blieb ernst: „Ich lasse mich von niemandem einschüchtern. Ich werde einfach ausblenden, dass er so ein berühmter und guter Spieler ist und einfach weiter mein Spiel durchziehen." Moon musste bei dieser Frage dagegen lächeln und erklärte: „Ich werde mich von ihm fernhalten und in einer Ecke verstecken. Wenn Phil Ivey links von mir sitzt und mich auch nur ansieht, werfe ich meine Karten sofort weg."

 

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