Gus Hansen verteidigt Lederer und Ferguson im Full-Tilt-Skandal

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Hansen und Ferguson in besseren Tagen.

Gus Hansen war eines der wenigen Mitglieder des Team Full Tilt, das sich zur Pleite seines Sponsors äußerte. Im September 2011 veröffentlichte er ein Statement, in dem er bekannt gab, dass ihn die Enthüllungen über das Management von Full Tilt, die zum Black Friday führten, völlig unvorbereitet trafen.

Bei der WSOP gelang es PokerListings.com, mit Hansen ein Interview zu führen. Darin wiederholt Hansen, dass er über die Geschäftsabläufe nichts wusste, fügt aber hinzu, dass er sich eine Verstrickung von Howard Lederer und Chris Ferguson in die dunklen Machenschaften nicht vorstellen könne.

Außerdem geht es in dem Interview um die $ 50k Poker Player Championship, das Big One for One Drop und die High-Stakes-Partien in Macao.

PokerListings.com: Dies ist dein erster Auftritt bei der WSOP, und du spielst direkt bei der $ 50k Poker Player Championship mit. Es scheint, Du hast einen starken Tisch erwischt. 

Gus Hansen: Ja, wir sind an Tag 2 angelangt und da sich fast jeder Spieler dafür qualifiziert hat, ist es wahrlich kein Zuckerschlecken.

PL: Aber besser als die Alternative.

GH: Ja sicher, besser als die Alternative, einer der drei ausgeschiedenen Spieler zu sein.

Ein leichterer Tisch wäre mir jedoch lieber. Mit Phil Ivey, Daniel Negreanu, Matt Glantz und Brian Rast ist er vermutlich der schwerste überhaupt.

Und die vermeintlich schwachen Spieler am Tisch sind dies gar nicht.

Ich habe tight gespielt, aber da ich fast nur schwache Hände hatte, war das sinnvoll. Ich bin aber noch dabei und schaffe es hoffentlich durch den Tag.

Dies ist natürlich eines der interessantesten Turniere in diesem Jahr. Mir gefallen Turniere mit mehreren Varianten, da man ein guter Allrounder sein muss.

PL: Was gefällt dir bei dieser WSOP noch?

GH: Nun, demnächst beginnt das One Drop. Das Buy-In ist natürlich höher, als ich es gewohnt bin.

Wie es aussieht, wird die maximale Teilnehmerzahl von 48 Spielern erreicht. Vermutlich spielen wir also an sechs Achtertischen.

Das ist eines der Turniere, bei denen man wirklich gern an den Finaltisch kommt.

PL: Mit den reichen Geschäftsleuten und vielen Weltklassespielern wird es eine interessante Dynamik geben. Was denkst du, wie das Turnier verlaufen wird?

GH: Zumindest gedanklich habe ich eine ziemlich genaue Vorstellung, wie die Sache ablaufen wird, aber mein Anwalt meinte, ich solle keine Geheimnisse verraten.

Gus Hansen
"Bei einer Million Buy-in scheidet niemand gerne aus."

Im Ernst, ich wirklich gespannt, wie das Turnier verlaufen wird. Mit Sicherheit hat jeder Teilnehmer sich zumindest Gedanken darüber gemacht, wie er spielen will bzw. wie die Gegner spielen werden.

Ich habe ein paar Ideen entwickelt, die sich hoffentlich auszahlen und mir eine gute Ausgangsposition verschaffen. Wie erwähnt, verrate ich diese aber nicht.

Auf jeden Fall werden diese Spieler durchaus respektable Gegner sein, obwohl sie keine Profis sind.

PL: Wer hat deiner Meinung nach am meisten Angst, auszuscheiden?

GH: In einem Turnier mit 1 Million Dollar Startgeld scheidet vermutlich niemand gern aus.

PL: Du hast oft um hohe Summen gespielt. Glaubst du dennoch, dass es dir wegen des hohen Startgeldes schwerfallen wird, Vollgas zu geben?

GH: Ich hoffe nicht. In den letzten beiden Jahren gab es bei den Aussie Millions das Turnier mit einem Startgeld von 250.000 Dollar. Das Turnier hier ist einfach noch ein bisschen teurer, und das Feld ist mit 48 Spielern größer.

Ich hoffe, dass ich mein normales Spiel abrufen kann. Und hoffentlich reicht dies aus, um an den Finaltisch zu kommen. Ist Vollgas angesagt, werde ich hoffentlich auch so spielen. 

PL: Gehen wir ein wenig in die Vergangenheit zurück. Wie war das letzte Jahr für dich?

GH: Da war einiges anders. Das weiß vermutlich nicht jeder, aber ich habe praktisch ein Jahr lang nicht online gespielt. Stimmt nicht ganz, denn ich spielte mit einem Freund ein wenig PLO $5/$10 im Internet. Aber sonst nicht.

Dafür habe ich an einigen sehr teuren Cash Games in Macao teilgenommen.

PL: Wie sehen diese Runden aus?

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Hansen bei den Aussie Millions 2012.

GH: Sie verlaufen sehr freundschaftlich. Zu Beginn des Jahres habe ich in meinem Blog darüber geschrieben, dass die Leute hierzulande sich in puncto Verhalten am Tisch einiges davon abschauen können.

Obwohl es sich um Geschäftsmänner handelt, wird viel gelacht und gescherzt, und die Dealer werden auch nicht wie in Profi-Partien mit Karten beworfen oder Ähnliches.

In diesem Sinne handelt es sich um sehr nette Leute.

Es gibt einige Amateure, gegen die es natürlich etwas einfacher ist als gegen Phil Ivey oder Daniel Alaei. Es sind aber auch einige sehr profunde Spieler dabei.

Einmal brachte einer der Spieler aus Macao vier oder fünf Monster-Bluffs in Folge und alle anderen waren ziemlich überrascht. Ein paar werden auch beim One Drop dabei sein.

Einige dieser Spieler bluffen unabhängig von der Situation und stellen einen damit vor schwere Entscheidungen. Je mehr schwere Entscheidungen man treffen muss, desto mehr Fehler begeht man.

PL: Du sagtest, dass Du letztes Jahr kein Online-Poker gespielt hast. Auf Full Tilt warst Du davor sehr aktiv, warst außerdem Team-Mitglied. Wie beurteilst du die Geschehnisse seit dem Black Friday, was die Rückzahlung der Spielergelder betrifft? 

GH: Es ist natürlich kein Geheimnis, dass ich Teilhaber von Full Tilt war und von Full Tilt gesponsert wurde. Genauso wenig ist es ein Geheimnis, dass auf der Seite viel Geld von mir liegt.

Für mich war es eine Katastrophe. Ich war nicht nur Teilhaber, sondern wurde gesponsert und hatte Geld auf Full Tilt.

Daher bin ich an den Geschehnissen sehr interessiert und würde wie jeder gern eine Lösung präsentiert bekommen.

Laut Gerüchten soll PokerStars den Retter spielen, und ich hoffe, dass dies wirklich passiert, da so jeder sein Geld zurückbekäme.

Das wäre auch für mich gut. Ich kann auch ohne das Geld überleben, aber wie jeder andere würde ich es nehmen.

Traurig macht mich aber, wie es einer Firma ergangen ist, in die ich finanziell und emotional investiert hatte – ganz gleich ob aus Nachlässigkeit oder aus Unanständigkeit.

Aus meiner Sicht lief alles so gut, dass keiner die Gefahren erkannte. Das ist meiner Meinung nach geschehen, aber ich bin nicht sicher, da ich nichts mit dem Tagesgeschäft zu tun hatte.

Ich war ein gesponserter Spieler, der als Werbeträger genutzt wurde, aber mit dem operativen Geschäft hatte ich nichts zu tun. Ich weiß nicht, was passiert ist.

Es gibt viele rentable Firmen, die ein Problem bekämen, wenn sie 60 Prozent ihrer Kunden verlören, ihr Vermögen beschlagnahmt würde und sie von der amerikanischen Regierung verklagt würden.

Gus Hansen and girls
"Ich bin eher Pokerspieler als Geschäftsmann."

Gut möglich, dass es schon vor dem Black Friday Fehlentscheidungen gab, aber dieser Tag war eine Katastrophe.

PL: Viele Vorwürfe werden wegen des Geschäftsgebarens vor dem Black Friday erhoben, Stichwort Schwarzgeldkonten und Verschwinden der Spielergelder. Wie wirkte die Firma auf dich als Anteilseigner?

GH: Wie gesagt, mit dem Tagesgeschäft hatte ich nichts zu tun. Soweit es mich betraf, war alles bestens. Ich war wie immer bei den Aussie Millions, spielte ein wenig Poker und schaute ein wenig Tennis.

Dann kam ich nach Monaco zurück und die Hölle brach aus. Aus meiner Sicht war alles in Ordnung, und das dachten wohl auch die meisten anderen.

Von Schwarzgeldkonten usw. wusste ich nichts, obwohl ich mir das angesichts meiner Firmenbeteiligung wünschen würde.  

PL: Die Insider waren also Ray Bitar, Howard Lederer und Chris Ferguson, während alle anderen nichts von den Vorgängen wussten?

GH: Nun, Full Tilt war eine Firma mit einer Struktur wie jedes andere Unternehmen. Es ist kein Geheimnis, wer der CEO war und wer im Vorstand war.

Ich bin eher Pokerspieler als Geschäftsmann, aber normal ist meines Erachtens, dass sich der CEO und der Vorstand um die Geschäftsinteressen kümmern. Nachdem alles lange Zeit gut ging, war es offenbar so, dass die Verantwortlichen nicht so umsichtig agierten, wie es nötig gewesen wäre.

PL: Du kennst Howard Lederer und Chris Ferguson persönlich. Glaubst Du, dass Sie immer im Sinne des Unternehmens und dessen Kunden gehandelt haben?

GH: Ich kenne Howard Lederer und Chris Ferguson schon lange. Mich würde es sehr schockieren, wenn sie etwas Unanständiges getan hätten.

Vielleicht waren sie nachlässig oder nicht umsichtig genug, aber ich kann nicht glauben, dass sie Betrüger sind. Natürlich kann es sein, dass ich mich irre, aber ehrlich gesagt, glaube ich das nicht.

 

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