Gus Hansen – „Ein Schritt in die richtige Richtung“

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Gus Hansen ist das Zugpferd des Galway Full Tilt Poker Festival. Leider heißt das nicht automatisch, dass man auch den Main Event gewinnt. Wie sieht er die Situation um Full Tilt Poker?

Wir trafen den „Großen Dänen“ nach seinem Ausscheiden aus dem Hauptturnier der UKIPT Galway, und stellten ihm diese (scheinheilige) unverfängliche Frage:

PL: Wie war’s?

GH: SCHLECHT! Ich dachte, ich hätte meinen Gegner im Griff. Deshalb habe ich einen äußerst mutigen Call auf dem River gemacht, den ich offensichtlich nicht hätte machen sollen.

Aber was soll’s. Es kommt wieder ein neues Main Event.

PL: Du hast hier auch 40 Euro Turniere gespielt. Wie kam das an?

GH: Ich bin zwsi Wochen lang hier und spiele alles Mögliche. Die Reaktionen sind sehr positiv.

In den 40 Euro Turnieren haben die Leute meistens so etwas gesagt wie „Ich will gegen Gus Hansen ausscheiden“. Wir hatten viel Spaß.

PL: Nicht nur mit Poker, offensichtlich.

GH: Nein, das ganze Festival ist sehr angenehm. Sonst werden die Säle oft mit Pokertischen vollgestopft, hier ist alles großzügiger.

Man kann in den Gemeinschaftsräumen rumhängen, an der Bar einen Drink nehmen, Billard spielen...

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Gus Hansen in Galway - "spiele so ziemlich alles".

PL: ... und Pac Man...

GH: ... und Pac Man. Es gab sogar ein Bridge-Turnier, und ich spiele gerne Bridge. Insgesamt also eine tolle Veranstaltung.

PL: Es könnte hier zu einem großen Overlay kommen.

GH: Jede Sache hat zwei Seiten. Für die Spieler ist ein Overlay natürlich gut.

Andererseits ist es natürlich so, dass ein Organisator einen garantierten Preipool festlegt, weil er glaubt, diesen auch erreichen zu können.

Wenn es also auf Dauer zu Overlays von, sagen wir 200.000 Dollar kommt, ist das nicht wirtschaftlich.

Wenn es ab und zu Overlays gibt, ist das gerade richtig. Da bekommen die Spieler ein bisschen von ihren Investitionen zurück.

PL: Ist Full Tilt hier gescheitert, wenn es ein Overlay gibt? Fehlt das Vertrauen?

GH: Das kann man so nicht sagen. Wir wissen alle, was passiert ist.

Full Tilt hat hier mithilfe der lokalen Behörden eine gute Show auf die Beine gestellt. Zumindest hat man hier guten Willen gezeigt.

Das tut keinem weh, auch Full Tilt nicht, wenn man bedenkt, was in der Vergangenheit geschehen ist.

Ich sehe den Anbieter jetzt gene als „New Full Tilt“ an, aber natürlich kann man die Vergangenheit nicht ungeschehen machen.

Das hier ist ein Schritt in die richtige Richtung.

PL: Du bist ein Allround-Spieler. Was hältst du von Beschwerden wie der von Ben Sulsky, dass auf den High Stakes zu viele Spezialisten unterwegs sind?

GH: Grundsätzlich kann jeder machen, was er will. Wenn jemand nur NLHE spielt, ist das in Ordnung.

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Hansen nach dem Gewinn der Aussie Millions 2007 - "Bin ich noch gut genug?"

Aber der Grund dafür, dass Phil Ivey als bester Spieler der Welt gilt ist, dass er alles spielt.

Trotzdem verstehe ich Bens Frust. Er bekommt nur Action von absoluten Spezialisten, und die denken sich, warum soll ich etwas anders machen, wenn ich doch gewinne?

PL: FTP hat mit Adeniya, Blain, Jenkins und Melin Spieler aus der zweiten Reihe rekrutiert. Das hätte man früher nicht gemacht.

GH: Ich würde nicht sagen, dass man versucht, sich neu zu positionieren, aber man kehrt ein wenig zu den Wurzeln zurück.

Es gibt keine 100k High Roller Events mehr, und der Main Event der UKIPT ist kein 10.000 Dollar Buy-in Event.

Aber die Verpflichtung zeigt auch, dass man kein High Roller sein muss, um einen Sponsorenvertrag zu bekommen. Auch ein $2/$5-Spieler kann ein Profi sein.

Ich glaube, die Auswahl ist sehr gut. Ich kenne Martins schon länger und habe die anderen hier kennen gelernt.

PL: Hat sich mit der Übernahme des HendonMob durch den GPI eine Poker-NSA gebildet?

GH: Als Spieler ist man keine Privatperson. Ich habe meine Privatsphäre schon lange verloren.

Wenn ich im Internet gewinne oder verliere, weiß das sofort jeder. Leider kann ich mich nicht mal mehr an meine letzte Winning Session erinnern.

Dieser Zustand hat Vor- und Nachteile. Aber es ist 2013, und ich habe im Village niemanden ohne irgendein digitales Gerät gesehen.

Gestern Abend war ich mit Hana Soljan und dem Team aus. An die zweite Hälfte des Abends kann ich mich nicht mehr erinnern, aber heute sah ich auf Facebook, wie wie ich mit freiem Oberkörper nachts irgendwo Liegestütze mache.

Es ist eben eine neue Welt.

PL: Wie kann man überhaupt schlafen, wenn man derartig große Swings aushalten muss?

GH: Na ja, wenn ich gewinne, schlafe ich besser. Ist ja logisch.

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Gambler seit 20 Jahren - "Man kann das nicht mit Pech erklären."

Aber es stimmt, ich bin frustriert, weil ich viel verloren habe.

Ich beginne, mich zu hinterfragen. Bringe ich es noch? Varianz ist eine Sache, aber ich bin vom erfolgreichsten Omaha Hi-Lo Spieler zum erfolglosesten abgestiegen.

Ablso frage ich mich natürlich, was passiert ist. Bin ich vielleicht einfach nicht mehr gut genug?

Solche Fragen halten mich manchmal nachst wach. Man kann das nicht einfach mit Pech erklären.

Aber ich bin schon seit 20 Jahren Spieler. Ich habe mehr als einmal alles verloren und wieder gewonnen. Und es gibt auch noch etwas Anderes als Online-Poker.

Ich spiele überall. Zeig mir eine High Stakes OFC-Partie, uind ich bin dabei. Zeig mir eine High Stakes Backgammon Partie, und ich bin dabei. Was auch immer.

Die Fragen stellte Giovanni Angioni.

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