Gordon Vayo: "Wahrscheinlich ist es gut, dass es die November Nine nicht mehr gibt"

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Gordon Vayo bei der WSOP

Gordon Vayo hat letztes Jahr fette 4,6 Millionen Dollar beim größten Pokerturnier der Welt kassiert. Es war aber nicht das Ergebnis, dass er sich gewünscht hat. Vayo wurde nämlich nur Zweiter, gesiegt hat bekanntlich Qui Nguyen, der gigantische 8 Millionen Dollar im 2016 WSOP Main Event abgeräumt hat.

Aus den November Nine gingen über die Jahre viele 'One-Hit-Wonder' hervor, Vayo ist aber keines von ihnen. Seit seinem Erfolg hat er weitere Ergebnisse erzielt, seine Turniergewinne summieren sich mittlerweile auf 6,2 Millionen Dollar und darin ist nicht mal der massive Online-Gewinn des letzten Monats in Höhe von 692.000 Dollar enthalten.

PokerListings hat den Ex-November-Niner in einer Pause des $1.5k Millionaire Maker getroffen und mit ihm über das Ende der November Nine, die Lebenshaltungskosten in San Francisco und seinen Main-Event-Finaltisch im letzten Jahr gesprochen.

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Vayo zog nach L.A.

PokerListings: Was hast Du gemacht, seitdem Du letztes Jahr Runner-Up beim Main Event wurdest?

Gordon Vayo: Ich habe viel Poker gespielt, bin aber nicht besonders viel rumgereist. Ich bin von San Francisco nach Los Angeles gezogen, um mehr live zu spielen. Ich habe das Land verlassen, um an SCOOP und anderen Sachen teilzunehmen.

PokerListings: Wie gefällt dir Los Angeles?

Gordon Vayo: Bisher mag ich es sehr, ich wusste am Anfang nicht so richtig, was mich erwartet. Ich bin umgezogen, da es nicht mehr notwendig war, in San Francisco zu leben. Ich liebe die Stadt aber es ist einfach viel zu teuer und es gibt nicht viel Poker.

PokerListings: Wie siehst Du deinen Main-Event-Finaltisch im Nachhinein? Es ist eine tolle Leistung, Zweiter zu werden aber es war ja nicht das, was Du wolltest.

Gordon Vayo: Es ist definitiv surreal in der Rückschau. Es war eine einmalige Erfahrung im Leben und mindestens noch sechs Monate danach habe ich jeden Tag daran gedacht.

Es war eine große Bühne und am Ende gegen Nguyen zu verlieren, war zu dem Zeitpunkt niederschmetternd. Letztlich ist es aber nur ein Finaltisch und ein Heads-Up.

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Vayo bei der WSOP 2017

Man darf nicht zu hart zu sich selbst sein. Es gab ein paar Hände, die ich im Nachhinein bedauere. Die Leute haben meine Strategie kritisiert, ich denke aber, sie war ganz in Ordnung. In einigen Händen habe ich nicht energisch genug gespielt und das hat eben den Unterschied gemacht.

Damit klarzukommen, war für mich das Schwerste. Ich war von mir selbst enttäuscht und bin es immer noch ein wenig.

PokerListings: Hat der große Druck eine Rolle gespielt?

Gordon Vayo: Ja, der Druck war unfassbar groß. Meine gesamte Familie und meine Freunde waren da, das hat mich mit Sicherheit beeinflusst.

Ich wusste, wenn ich einen großen Fehler mache, würde ich mir das nie verzeihen und das hat mich Heads-Up ein bisschen gehemmt.

Gleichzeitig wäre es viel schlimmer gewesen, hätte ich einen Fehler begangen, wo ich im Nachhinein gedacht hätte "Mein Gott, was zur Hölle habe ich da gemacht?"

Es gab ein oder zwei Hände, in denen ich auf jeden Fall hätte callen müssen. Ich kann superkritisch mir selbst gegenüber sein, das riesige Preisgeld hilft aber darüber hinweg.

Dein Leben verändert sich nicht schlagartig, es kommen aber Dinge und Du sagst dir: "Holy shit, das hätte ich nie machen können, wenn ich nicht Zweiter beim Main Event geworden wäre."

PokerListings: Nach dem Main Event hattest Du auch in anderen Turnieren Erfolg. Hat dich das bestätigt?

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William Kassouf war omnipräsent

Gordon Vayo: Ja, ich hatte sogar Erfolg in der Pause bis zum Finaltisch der WSOP, das war sehr schön. Der Online-Sieg war aber die Gelegenheit, bei der ich am zufriedensten war - auch wenn es weit weniger Geld gab.

PokerListings: William Kassouf hat die ESPN-Coverage vom Main Event beherrscht. Wie ist deine Meinung dazu?

Gordon Vayo: Die Coverage ist eben so wie sie ist. Am Finaltisch kam ein Producer und erklärte uns, wie sie die Dinge am Ende schneiden wollten. Er hat sich bei Leuten entschuldigt, dass manche Dinge wohl etwas schief rüberkämen.

Er meinte aber, dass sie es so machen müssen, es stehe nur ein gewisser Zeitraum zur Verfügung und das Ganze müsse ja schließlich einem Massenpublikum gefallen.

Ich habe das schon verstanden, es ist aber definitiv etwas anderes, 24 Stunden vor Ort zu sein, als nur mal ein Stündchen nebenbei anzuschauen.

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Gordon Vayo hat über $6M gewonnen

PokerListings: Jetzt gibt es die November Nine nicht mehr, wie denkst Du über diese Entscheidung?

Gordon Vayo: Naja, für mich war's eine einmalige Erfahrung. Es ist ja nicht so, dass es jedes Jahr passiert und man sich an die dreimonatige Pause gewöhnt.

Der Grund für die Einführung damals war ja nur die TV-Coverage und dass die Zuschauer zeitlich überhaupt mitkamen. Es gab viel Hype man hatte viel Zeit, über Sachen nachzudenken.

Das ist gut und schlecht zugleich: Man hat Zeit, sich vorzubereiten. Andererseits sollte man diese Zeit aber gar nicht haben.

Es gab kein Turnier wie dieses, es war seltsam und irgendwie unnötig. Wahrscheinlich ist es gut, dass die November Nine weg sind. Das ganze fühlte sich irgendwie nicht natürlich bzw. organisch an.

PokerListings: Wäre es für dich besser gewesen, man hätte letztes Jahr einfach durchgespielt?

Cliff Josephy Main Event 2016
Cliff Josephy im Main Event 2016

Gordon Vayo: Ich weiß nicht. Ich war völlig ausgelaugt, habe aber trotzdem den zweiten Platz gemacht, was großartig war. Ich und Cliff Josephy waren die erfahrenen Spieler am Tisch – naja, es ist schwer zu sagen.

Die Variablen am Finaltisch des Main Events ändern sich ständig und die lange Pause dazwischen wirkt - wie gesagt - unnatürlich. Das Event ist dieses Jahr komplett anders und es wird spannend zu sehen, was dabei rauskommt.

PokerListings: Bedeutet es dir etwas, zu den letzten November Nine überhaupt gehört zu haben?

Gordon Vayo: Klar, es war cool. Ich bin aber nicht stolz darauf oder so, es kann sein, dass die Leute sich eben an diesen Tisch erinnern werden - einfach weil es der letzte war.

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