Kein Weg zurück für Jesus und den Professor?

lederer ferguson

Der Fall „FullTilt“ ist gelöst. Die Spieler werden zu 100% ihre Bankroll zurückerhalten, und schon in ein paar Jahren wird Gras über die Sache gewachsen sein. Doch gilt das auch für die gefallenen Helden Chris Ferguson und Howard Lederer? Gibt es für sie eine Chance auf Rehabilitation? Oder bleibt der Weg zurück in die Poker-Community für sie für immer verschlossen? Ein Kommentar:

Das Votum im 2+2-Forum war eindeutig. Auf die Frage, ob Howard Lederer und Chris Ferguson nun - da alles vorbei ist – wieder in die Community aufgenommen werden sollen, antworteten 1031 User mit „No“, 61 mit „Yes“ und 412 mit „Bastard!“.

Vergeben und Vergessen sieht anders aus. Zu groß scheint der Schaden und zu frisch die Erinnerung. 1,2 Millionen Pokerspieler haben nach dem Black Friday allein in den USA Zugriff auf ihre mehr oder minder große Bankroll verloren. Zahlreichen Pros zerstörte der Untergang von Full Tilt die Lebensgrundlage. Unzählige Semi Pros verloren zumindest ein kleines Vermögen.

Verantwortlich gemacht werden dafür vor allem vier Personen: die Gründer und Großaktionäre Howard Lederer (8,6%), Chris Ferguson (19,2%), Rafe Furst (2,6%) und Ray Bitar (7,8%). Insgesamt haben sie wohl über 300 Millionen Dollar an Spielergeldern veruntreut und sich auf die Konten geschoben.

Ein Statement zu den Vorwürfen gibt es seit dem Black Friday von keinem von ihnen. Lediglich Chris Fergusons Anwalt meldete sich zu Wort und sagte, sein Mandant könne sich erst dann äußern, wenn die Zivilklage gegen ihn vom Tisch sei.  

In der Community wird hingegen schon über eine Rückkehr der schwarzen Schafe nachgedacht. Und der Tenor ist dabei unmissverständlich: Lederer, Ferguson & Co. gehören ins Gefängnis. Ihr Ruf ist auf alle Zeiten zerstört. Oder wie es Daniel Negreanu stellvertretend für eine Mehrheit ausdrückte: „Sie werden sich wohl nie wieder irgendwo an einem Pokertisch blicken lassen. Sie können Poker auf einer Insel spielen und sollen bis ans Ende in ihrer ganz privaten Hölle schmoren.“

Doch ist das die ganze Wahrheit, oder müssen nicht auch die FullTilt-Macher eine zweite Chance bekommen? Der Weg dahin scheint auf den ersten Blick kaum begehbar. Der Fall von UB-Superuser Russ Hamilton zeigt, dass es ohne ein glaubwürdiges Statement kaum ein Vergessen gibt.

Russ Hamilton
Bis heute mit einem Bannfluch belegt - Russ Hamilton.

Der Ex-Weltmeister hatte nach seinem Millionenbetrug nie wirklich Stellung bezogen, besitzt nun einen gründlich zerstörten Ruf und kann sich kaum noch an einem Pokertisch blicken lassen.

Ferguson und Lederer müssen sich also erklären. Bald und unmissverständlich. Dabei wird es um entscheidende Details des Systems FullTilt gehen. Und natürlich auch ums Geld. Wie konnte dieses Groß-Unternehmen so dilettantisch geführt werden? Warum wurden die Interessen der Spieler so sträflich vernachlässigt? Sehen Ferguson und Lederer ihre Millionen-Profite als rechtmäßig an? Wie groß war ihr persönlicher Einsatz für FullTilt-Community in den 14 Monaten nach dem Black Friday?

Lederer und Ferguson sind intelligent und versierte Analytiker. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass sie – sollten sie jemals wieder an einem Pokerturnier teilnehmen wollen – diese Fragen und weitere beantworten müssen. Fraglich bleibt dabei allerdings, ob sie zu so einem Offenbarungseid auch charakterlich in der Lage sind. Die Meinung darüber geht innerhalb der Community weit auseinander.

Für viele sind Lederer und Ferguson unheilbare Narzissten, denen das Schicksal Anderer völlig unwichtig ist. Stellvertretend für diese Fraktion stellte Daniel Negreanu in einem Interview fest: „Howard Lederer ist arrogant und inkompetent und Chris Ferguson gefühlskalt wie ein Schneeball.“

Widerspruch kam kürzlich von Gus Hansen. Der erklärte: „Ich kenne Howard Lederer und Chris Ferguson schon lange. Mich würde es sehr schockieren, wenn sie etwas Unanständiges getan hätten. Vielleicht waren sie nachlässig oder nicht umsichtig genug, aber ich kann nicht glauben, dass sie Betrüger sind.“

Fakt ist: die Führungsriege um FullTilt hatte schon vor dem Black Friday den Kontakt zur Realität verloren. In den Chefbüros in Dublin gab es noch in Krisenzeiten reichlich Hummer, während sich die Belegschaft mit Lasagne und die Spieler mit gar nichts zu begnügen hatten.

Was jetzt folgen muss, ist ein Gang nach Canossa im Büßerhemd. Ferguson, Lederer, Furst und Bitar haben in der weltweiten Poker-Community einen gewaltigen Schaden hinterlassen. Ob aus Gier oder Nachlässigkeit ist dabei ganz egal.

Nolan Dalla, einer der renommiertesten Pokerautoren überhaupt schrieb in einem Kommentar dazu: „Der Untergang von FullTilt wird nicht vergeben und vergessen. Die Verantwortlich sind uns Erklärung, Entschuldigung und Entschädigung schuldig.“

Erst wenn Chris Ferguson, Howard Lederer, Ray Bitar und Rafe Furst das verinnerlicht haben, kann es eine zweite Chance für sie geben. Der Fall „FullTilt“ ist vorbei – nun heißt es auch für die beiden Männer, die einstmals „Jesus“ und der „Professor“ waren: das Leben heißt Fehler zu begehen und daraus zu lernen.

 

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