Verändern die Global Poker Masters die Welt?

Team Italy Global Poker Masters 2015
Das siegreiche Team aus Italien.

Kann ein so individualistisches Spiel wie Poker ein Teamsport UND interessant für die Mainstream-Medien sein? Die ersten Global Poker Masters geben uns einen Ausblick.

Als die Italiener den ersten inoffiziellen Teamweltmeister-Titel der Global Poker Masters gewannen, jubelten sie wie nach dem 1:0 von Balotelli gegen Deutschland 2012.

Es war der Höhepunkt eines außergewöhnlichen Turniers.

36 Stunden zuvor, als die GPM gerade begonnen hatten, war die überwältigende Mehrheit der Spieler noch kritisch eingestellt, und bei den Zuschauern sah es nicht anders aus.

Das System war kompliziert, die Spieltage waren lang, und Teamevent sind in der Vergangenheit ja sowieso alle grandios gescheitert.

Ein komplexes, aber überzeugendes Konzept

Außerdem wurde schnell deutlich, dass mindestens die Hälfte der Spieler sich überhaupt nicht vorbereitet hatte und immer noch nicht wusste, was vor sich ging, selbst als die Turniere schon begonnen hatten.

Natürlich ist man das von Pokerspielern gewohnt. Es ist dasselbe wie dass überhaupt nur drei der bei der Eröffnungsfeier anwesenden Spieler überhaupt auf die Email-Einladung von Alex Dreyfus reagiert hatten. Trotzdem waren fast alle da.

Man konnte während des Events in manchen Gesichtern genau erkennen, wie sich nach dem Verlust des ersten Stacks in Runde 1 in einigen Gehirnen die Erkenntnis formte, dass man sich jetzt wohl doch ein bisschen anstrengen müsste, um nicht dem ganzen Team zu schaden.

Nach ein paar Stunden hatten die Strategiediskussionen innerhalb der Teams dramatisch an Intensität zugenommen, und es hatte sich ein Teamgeist entwickelt, den man normalerweise in einem Pokerraum nicht findet.

Dasselbe geschah mit den Zuschauern vor den Monitoren. Dank Twitch konnte der komplette Event ja mit einer Zeitverschiebung von nur 30 Sekunden quasi zeitgleich übertragen werden.

Kommentiert wurde in vier verschiedenen Sprachen, die deutsche Version übernahmen Martin Pott und Jens Knossalla.

Zu Beginn saßen nicht besonders viele Menschen an den Computern, und die Kommentare in den Chatboxen waren größtenteils negativ, aber spätestens zu Beginn von Tag 2 hatte sich ein wir-gegen-die-Gefühl entwickelt, und das in allen Ländern, die vertreten waren.

Eine Fankultur war entstanden.

Teamgeist

Alex dreyfus Global Poker Masters GPM 2015
Alex Dreyfus entwickelte das Konzept der GPM.

Auch die entstandene Dynamik innerhalb der Teams war faszinierend anzusehen. Bei den Italienern herrschte die ganze Zeit beste Stimmung, kein Zweifel. Und offenbar war das ein guter Weg, um mit der Situation umzugehen.

Bei den Franzosen dagegen gab es Schwierigkeiten. Es gefiel Patrik Bruel z. B. überhaupt nicht, dass er nicht für die Heads-up Runde nominiert wurde, obwohl er derjenige war, der an Tag 1 die meisten Punkte für Frankreich gewonnen hatte.

Was dann passierte, ist bereits Geschichte. Frankreich war das einzige Team, das alle drei Matches verlor.

Die Amerikaner diskutierten praktisch ununterbrochen über Strategie. Natürlich sahen sich als Favoriten für das Turnier, hielten sich sogar für „unschlagbar“, wie Bryn Kenney es ausdrückte, aber dann kam es ja zu dem Meltdown von Dan Smith, der ihn alle Chips kostete.

Gerüchten zufolge gab es im englischen Team zu wenig Teamgeist – das hört man ja auch immer mal wieder über ihre Fußballnationalmannschaft – und zu viel Individualismus.

Allerdings hat Simon Deadman uns gesagt, dass das so überhaupt nicht stimmt, also können wir das nicht mit Sicherheit behaupten.

Deutsche Mannschaften sind ja generell für ihren starken Teamgeist bekannt, unabhängig von der Sportart, und bei den GPM war das nicht anders.

Außerdem hatte das Team mit George Danzer eine Art „Mastermind“ an Bord. „Danzer war auch der erste von den 40 Spielern, der das System des Events erkannt hat“, kommentierte Martin Pott scherzhaft im Live-Stream.

Bein den Russen und Ukrainern wurde auch viel geredet, aber bei denen kann man sich ja nicht ganz sicher sein, ob sie diskutieren oder sich streiten. Nur ein Scherz.

Jedenfalls sangen sich die Italiener bei der Siegerehrung die die Lunge aus dem Hals, als ihre Nationalhymne gespielt wurde, und so etwas hat man bisher bei einem Pokerturnier noch nicht gesehen.

Global Pokwer Masters 2015
Weltweit gibt es kein stärker besetztes Turnier.

Da bekam man plötzlich das Gefühl, dass wir es hier mit etwas wirklich Neuem zu tun hatten.

Ok, es war nicht alles perfekt. Z. B. fiel immer wieder die Übertragung der Hole Cards aus, und manchmal wurden sie wohl auch nicht korrekt dargestellt.

Mich hat das weniger gestört, weil ich die Stellen in Pokersendungen mag, in denen man selbst raten muss, was die Spieler haben.

Aber ich finde, dass ein Event wie dieses dringend Live-Publikum benötigt. Ursprünglich war ein anderer Veranstaltungsort geplant, an dem das auch möglich gewesen wäre.

Und Publikum öffnet natürlich auch allen möglichen Betrugsformen Tür und Tor.

Was in Zukunft möglich ist

Dennoch, Alex Dreyfus, der den Event ins Leben gerufen hat, hat hochfliegende Pläne. Im kommenden Jahr sollen die GPM mindestens einen Tag länger dauern und mit zwölf Teams gespielt werden.

Dazu soll es einen richtigen Finaltag mit nur noch zwei Teams geben. Falls die EPT in der nächsten Saison nach Malta zurückkehrt, wäre dies der ideale Rahmen für die GPM, sagt Dreyfus.

Und auf lange Sicht soll dann sogar eine Global Poker League entstehen, in der Städte, Casinos, Clubs usw. durch Teams repräsentiert werden und gegeneinander antreten.

Das Ziel wäre letztlich eine wöchentliche Pokershow, die genauso selbstverständlich im Fernsehen läuft wie die Sportschau im Ersten.

Natürlich ist das nur möglich, wenn es Dreyfus gelingt, die Mainstream-Medien an Bord zu holen.

Deswegen war auch keine Pokerwerbung jedweder Art während des Events erlaubt, und es gab zumindest offiziell kein Preisgeld, damit sich die Aufmerksamkeit nur auf den Titel richtete.

control room overview
Der Event wurde in Echtzeit per Live-Stream übertragen.

Kann das wirklich funktionieren? Vor einer Woche hätte ich gesagt, nein, jetzt sage ich vielleicht.

Ach ja, und was die wichtigste Frage angeht: Haben die GPM bewiesen, dass Poker ein Geschicklichkeitsspiel ist, bei dem das beste Team gewinnt?

Versuchen Sie gar nicht, diese Frage zu beantworten, denn in Wahrheit spielt das gar keine Rolle. Es gewinnt nicht immer das beste Team, bei keinem Spiel, ob es nun Schach, Fußball oder Hallenhalma ist. Niemand gewinnt immer.

Rocco Palumbo vom Gewinnerteam hat es am besten zusammengefasst: „Ich sage nicht, dass wir gewonnen haben, weil wir die besten sind. Es waren viele gute Teams am Start, aber heute haben eben wir gewonnen!“

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