Gewinner sind oft die wahren Verlierer

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Mehr gewonnene Hände = größere Verluste?

Eine neue Studie aus den USA belegt: Je mehr Pots Online-Spieler gewinnen, desto mehr Geld verlieren sie insgesamt.

Mithilfe von PokerTracker untersuchte Kyle Siler insgesamt 27 Mio. Hände Online-Poker auf niedrigen, mittleren und hohen Levels von insgesamt 300.000 Spielern. Das Ergebnis ist nur auf den ersten Blick erstaunlich, denn es zeigt: Poker ist wie das wahre Leben.

Anfänger verlieren besonders häufig. Keine Überraschung. Merkwürdig wird es jedoch, wenn die Spieler beginnen, besser zu werden. Je mehr Pots sie nämlich gewinnen, desto schlechter wird ihre Gesamtbilanz. Grund dafür ist, dass Spieler mit jedem Erfolgserlebnis risikofreudiger werden und über kurz oder lang große Pots verlieren, wogegen es sich bei den gewonnenen Pots meistens um kleinere Beträge handelt.

Trotzdem spielen sie weiter, denn es tritt eine verschobene Wahrnehmung ein. „Menschen neigen dazu, viele kleine Gewinne gegenüber wenigen hohen Verlusten zu überschätzen." Dieses Phänomen deckt sich mit Beobachtungen in der Verhaltensökonomik, denn es zeigt, „wie Menschen  mit Risiken und Unwägbarkeiten umgehen". Siler untersuchte Online-Poker in seiner Studie zudem auf „Aspekte der ... Wirtschaftssoziologie und theoretischen Gesellschaftswissenschaften".

Mangelnde Erfahrung ist auch der Grund dafür, dass niedrige Paare für Low-Stakes-Spieler oft einen höheren Wert besitzen als mittlere. „Niedrige Paare," erläutert Siler, der selbst seit mehreren Jahren Poker spielt, „sind einfacher einzuschätzen als mittlere. Mittlere Paare (Achten bis Buben) sind zwar bessere Hände, aber  auch schwieriger zu spielen, was Anfänger offenbar vor zu große Probleme stellt."

Andererseits ist Profit für die Mehrzahl der Spieler nur ein untergordnetes Motiv. Der Großteil spielt eher aus Spaß und zur Unterhaltung. Eine von PokerStars durchgeführte Untersuchung aus dem Frühjahr 2009 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Dass diese Spielweise wie jedes andere Hobby mit Kosten verbunden ist, nimmt man in Kauf. Im Kino bekommt man ja auch kein Geld zurück, wenn einem der Film nicht gefallen hat.

Für die ernsthafteren Spieler gilt: Poker ist das wahre Leben, und jeder ist sich selbst der größte Gegner. „Risikofreude kann profitabel sein, vor allem, wenn es um hohe Einsätze geht, aber sie erhöht eben auch die Varianz und die Unsicherheit der Gewinne. Sein Leben zu leben und dabei verschiedene Strategien und die eigenen Finanzen aufeinander abzustimmen, wird besonders anspruchsvoll, wenn man kurzfristig mit großen, unvorhersehbaren Schwankungen und willkürlichen Ergebnissen zurechtkommen muss."

Die Studie wird demnächst im Journal of Gambling Studies veröffentlicht.

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