George Danzer – „Während der SCOOP komme ich nicht auf die Straße“

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George Danzer.

Er zählt zu den besten Allroundern der Welt und ist einer der Spieler, für die ein WSOP-Bracelet überfällig ist. Bevor George Danzer nach Las Vegas fährt, grindet er aber bei der kommenden SCOOP, um das Gesamt-Leaderboard zu gewinnen. Welche Konsequenzen das für den Alltag hat, und noch viel mehr, erfahren Sie in unserem Interview, das wir mit ihm beim EPT Grand Final in Monte Carlo führten.

PokerZeit: Du hast hier beim Grand Final gerade mit Event #24 dein erstes Live-Turnier gewonnen. Wie fühlt sich das an?

George Danzer: Super. Mir ist aber aufgefallen, dass ich mal eine B. O. Classics gewonnen habe, die nicht beim HendonMob eingetragen wurde. Sonst hatte ich tatsächlich kein Live-Turnier gewonnen, und merkwürdigerweise merkte ich das erst, als ich hier den Pokal überreicht bekam.

Da dachte ich mir, den stelle ich jetzt zu den anderen Pokalen, aber ich habe ja gar keine.

PZ: Du bevorzugst Varianten, die anderen Leuten Angst machen. Was ist für Dich das Faszinosum an diesen Spielen?

GD: Ich mag eigentlich alle Spiele, bei denen es entweder eine Bluff-Komponente oder eine Strategie-Komponente gibt. Und das trifft natürlich auch auf Deuce-to-Seven oder Omaha Hi/lo zu.

PZ: Du giltst in Deutschland als der Experte in diesen Varianten. Wie eignet man sich dieses Wissen an?

GD: Für einige Spiele gibt es ja Softwares, wie für Deuce-to-Seven oder Omaha. Bei Omaha Hi/lo hole ich mir die Hände und Zahlen aus der Datenbank und analysiere sie.

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Tracking-Software ist heute für viele Varianten erhältlich.

Bei den anderen Varianten diskutiert man über Hände und Strategien oder, was auch gern gemacht wird, man klaut den guten Spielern die Strategie.

Ich schaue einfach, mit vielen Händen der beste Spieler aus welcher Position eröffnet, und anschließend übernehme ich einfach die Hände.

Ich weiß also nicht genau, mit welchen Händen ein Raise korrekt ist, sondern stehle ihm einfach das Wissen.

Dazu sammelt man eigene Erfahrungen und feilt aus dem Gesamtpaket seine Strategie.

PZ: Beim Online-Spiel benutzt du also PokerTracker für Hold’em und Omaha, wie sieht es aber bei den anderen Varianten aus?

GD: Ja, ich benutze PokerTracker, und für Deuce-to-Seven gibt es zum Beispiel einen speziellen Tracker, allerdings eine Beta-Version. Sobald ein neues Update bei PokerStars kommt, funktioniert die dann nicht mehr.

Es geht aber vor allem darum, ein paar Prozentzahlen in die Datenbank zu bekommen, an denen man sich orientieren kann.

PZ: Wie sieht bei Dir das Verhältnis zwischen Training und Spiel aus?

George Danzer Leaderboard
15 Mal häufiger ITM bei der SCOOP als der zweitbeste - George Danzer.

GD: Etwa 80 Prozent Spiel und 20 Prozent Training würde ich sagen.

Dieses Jahr habe ich viele Sit&Gos gespielt, da mache ich nach einer einstündigen Session eine Pause und bearbeite die Hände, die ich mir währenddessen aufgeschrieben habe, weil ich mir unsicher war.

Dann gebe ich sie in meine Analyse-Tools ein und lasse sie ICM-Berechnungen oder Ähnliches durchführen.

Das dauert dann etwa eine halbe Stunde oder so.

Wenn man natürlich mitzählt, wie lange man mit Freunden über Hände diskutiert, dann sieht die Sache schon wieder anders aus.

Früher hat man nichts anderes gemacht, nach zehn Jahren kann man sich auch mal über was anderes unterhalten.

PZ: Was ist Deine Lieblingsvariante?

GD: No-Limit Deuce-to-Seven Single Draw.

PZ: Nächstes Thema. Es geht das Gerücht, Du wolltest nach deinem Sieg im High-Leaderboard der SCOOP im Vorjahr dieses Mal das Gesamt-Leaderboard gewinnen! Das heißt, Du spielst alle Turniere?

GD: Ja.

PZ: Wie sieht dein Tag dann aus?

GD: Das sind definitiv die härtesten zwei Wochen im Jahr. Wegen der guten Struktur komme ich eigentlich nie vor fünf, sechs Uhr morgens ins Bett.

Teilweise kann es auch bis zehn, elf Uhr gehen und um 17 Uhr beginnen schon die nächsten Turniere. Da meine Freundin dieses Jahr arbeiten muss, bin ich alleine daheim.

Mein normaler Tagesablauf wird also so aussehen, dass ich etwa um 16 Uhr aufstehe, ein wenig Yoga mache, schnell dusche und dann noch einen Happen esse.

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Das große Ziel - ein WSOP-Bracelet.

Während der Zeit komme ich nicht auf die Straße und spreche eigentlich kaum ein Wort, außer vielleicht mit der Freundin via Skype.

Im Vorfeld habe ich mir einen Haufen Tomatensauce und Pasta gekauft, dann geht es mit dem Laptop in die Küche, um mir schnell was zu machen.

PZ: Zur WSOP. Du bist dieses Jahr definitiv für ein Bracelet fällig. Wie sieht dein Plan für Vegas aus?

GD: Ich werde dieses Jahr während der gesamten WSOP vor Ort sein.

PZ: Das heißt, dieses Jahr willst Du es wirklich gewinnen?!

GD: Ja. Meine Freundin kommt dieses Jahr sogar vier Wochen mit. Sie schaut mir zu, macht den Pokerrhythmus mit. Das Bracelet ist dieses Jahr schon das große Ziel.

Ich spiele die Championships, natürlich das Main Event, das $10.000 Pot-Limit Omaha und je nach Entwicklung auch ein paar $1.500 NLHE-Turniere. Vielleicht auch mal ein $5.000 NLHE-6-max, insgesamt vermutlich 20 Turniere.

PZ: Eines der wichtigsten Turniere ist sicher die Players Championship. Bereitest du dich darauf speziell vor?

GD: Man kennt sich natürlich größtenteils. Ich mache mir immer Gedanken, wenn ich die Auslosung der Tische kenne. Ich weiß auch immer, wen ich haben will.

Bei den letzten drei Tischen gibt es immer einen Redraw, im letzten Jahr hatte ich echt Glück und bekam genau die Spieler an den Tisch, die ich haben wollte.

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Jemanden wie Michael Mizrachi hat man gern am Tisch.

Von den fünf Wunschspielern habe ich vier bekommen, darunter Michael Mizrachi, der mich bei Pot-Limit Omaha auch prompt aufgedoppelt hat.

Nicht so schön sind dagegen John Hennigan, Michael Binger, Phil Ivey und David Benyamine.

PZ: Letzte Frage: Wer wird Fußball-Weltmeister?

GD: Das ist die schwierigste Frage überhaupt. Deutschland hat ein gutes Team, aber die WM ist in Brasilien. Ich sag einfach mal das Langweilige, Brasilien wird gewinnen.

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