George Danzer - Coaching für jedes Level und fast jede Variante

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5 März 2010, Von: The Hand
Geposted in: Blog
George Danzer - Coaching für jedes Level und fast jede Variante
PZ: Man liest über Sie, dass Sie Mikrosystemtechnik in Freiburg studiert häten, aber auch Philosophie und Psychologie in Passau. Was stimmt denn nun?

GD: Beides. Ich war bis zum Vordiplom in Freibur g für Mikrosystemtechnik eingeschrieben, aber dann zog es mich nach Passau, wo ich mich für die anderen beiden Fächer eingschrieben habe. Allerdings war ich da studentisch nicht mehr so aktiv.

PZ: Nicht unbedingt zwei Fächer, die unheimlich viel miteinander zu tun haben.

GD: Also, in Freiburg habe ich intensiv studiert, danach habe ich mich ja dafür entschieden, mich erst einmal auf Poker zu konzentrieren. Ich wollte aber das Studentendasein nicht völlig aufgeben und habe in Passau nunr solche Vorlesungen besucht, auf die ich wirklich Lust hatte. Außerdem braucht man ja auch einen ausgleich, damit man nicht völlig verkalkt, und da schien mir Philosophie das richtige Fach.

ept-logo
EPT Berlin 2010.

PZ: Sie haben hier in Berlin Tag 1A gespielt und waren am Ende des Tages unter den Top 15. Wie lief der Tag für Sie?

GD: Am Anfang war ich mir nicht so sicher, wie es laufen würde. Meine Tischauslosung brachte mich an einen Tisch mit vier jungen Internetspielern, die recht hoch spielen, die ich teilweise auch kannte.

PZ: Ist das nicht ein Vorteil, die Gegner zu kennen?

GD: In diesem Fall nicht, da die Spieler sehr gut sind. Einen Vorteil hat man dann, wenn man die Schwächen seiner Gegner kennt. Leute wie Julian Herold und der Schweizer Michael Huber machen einfach sehr viel richtig.

Bis kurz vor der Dinnerpause saß ich daher immer noch mit knapp unter dem Anfangsstack von 30.000. Dann gewann ich einen Coin Flip mit T-T gegen A-J von Julian Herold, den ich in dieser Hand vom Tisch nehmen konnte.

Danach hatte ich genug Chips, um damit zu arbeiten. Außerdem war einer der guten Spieler weg und ich hatte genügend Informationen über die anderen gesammelt, um gegen sie spielen zu können. Später konnte ich mich noch einmal verdoppeln, als ich zwei Paare traf und gegen einen Flush Draw gewann, und so konnte ich immer mehr Druck ausüben, Bluffs spielen usw., sodass ich mit über 130k in Tag 2 gehe.

PZ: Gibt es qualitative Unterschiede zwischen EPT-Turnieren und bsp. WSOP-Turnieren?

GD: EPT-Turniere sind schwieriger zu spielen. Gerade die zahlreichen Online-Qualifikanten werden häufig unterschätzt. Viele von ihnen haben sich schließlich durch große Turniere oder durch die ganzen Steps-Qualis gespielt. Die haben zwar nicht das Geld, um sich einfach einzukaufen, aber die wissen dafür recht gut, was sie da tun. Vor allem bei EPT Events sind Online-Qualifikanten daher besonders stark.

difficult-board
Schwieriges Board? Danzer hilft.

Anders ist es dann wieder bei der CAPT, die ich gerade in Bregenz gespielt habe. Das ist dann wieder eine andere Liga.

PZ: Niedriger oder höher?

GD: Viel niedriger. Da sind dann viele aus der Region dabei, die bei kleineren Turnieren ihren Startplatz gewonnen haben oder die nur aus Spaß dabei sind. Da tut man sich doch viel leichter. Wenn man von der CAPT hierher zur EPT kommt,dauert es erst wieder eine Weile, bis man sich an die Spielstärke gewöhnt hat.

PZ: Was halten Sie davon, die EPT nach Berlin zu bringen?

GD: Eine Superidee. Nach Dortmund bin ich sowieso nicht gerne gefahren. Die Hotels waren weit weg und nicht gerade grandios, man musste endlos Schlange stehen usw. Natürlich muss man sich auch in Berlin ab und zu anstellen, aber insgesamt ist es sehr gut organisiert.

PZ: Daniel Negreanu hat uns kürzlich gesagt, dass er nur mit den zahllosen jungen Internetspielern mithalten kann, indem er sein Spiel ständig anpasst. Sie gehören zu dieser jungen Generation. Welchen Zugang haben Sie zu Poker?

GD: Auf der einen Seite habe ich viel gelesen und mich in Foren und mit Büchern informiert und mit andren ausgetauscht, auf der anderen Seite ist aber auch viel Gefühl im Spiel, und vor allem Übung. Man muss einfach sehr viele Hände spielen.

PZ: Wie viele Hände haben Sie denn schon gespielt?

GD: Ich liege nach acht Jahren irgendwo zwischen einer und zwei Millionen.

PZ: Gehen Sie persönlich mit jungen Online-Spielern am Tisch anders um als mit erfahrenen Live-Spielern?

GD: Einen Unterschied macht es schon, aber grundsätzlich respektiert man jeden Gegner am Tisch. Es kommt mehr auf die situation als den Gegner an. Der junge Spieler gegenüber kann ja auch ein passionierter Live-Spieler sein. Sicher ist nur, dass die eigenen Chips immer in Gefahr sind.

PZ: Wer sind die Pokeramigos und was hat es mit der Website auf sich?

GD: Die Pokeramigos sind Jan Heitmann und ich. Wir haben uns bei der WSOP kennen gelernt, als ich 21 war und zum ersten Mal mitspelen durfte. Da es praktisch keine jungen deutschen Spieler gab, haben wir beschlossen, gemeinsam darüber zu berichten. Und da wir beide portugiesisch sprechen, war der Name schnell gefunden.

Jan Heitmann
Pokeramigo Jan Heitmann.

Wir haben die Geschichte als Blog begonnen, der Spaß machen soll und informiert.

PZ: In letzter Zeit scheint nur Jan Heitmann gebloggt zu haben.

GD (lacht): Glauben Sie mir, insgesamt bin ich noch ein paar hundert Blogs vorne. Aber es stimmt, in letzter Zeit war ich nicht so in der Stimmung. Das kommt aber wieder.

PZ: Sie bieten auch Coachings an. Wenn ich mich von Ihnen coachen lassen möchte, wie fange ich das an?

GD: Es kommt darauf an, in welcher Form das stattfindet. Wenn wir jetzt zum Beispiel ein Gruppencoaching machen mit fünf Personen, dann kostet das pro Tag vielleicht 100-200 Euro pro Person. Dann setzen wir uns zusammen an den Tisch und dann wird gearbeitet, je nachdem um welches Level und um um welche Variante es geht.

Ich biete aber auch private Coachings an, für etwa 1000 Euro am Tag. Dafür bekommt man dann ein höchst intensives Training. Ich verfüge natürlich über alle Poker-Tools, die es gibt, sodass wir einzelne Hände auch aus spieltheoretischer Sicht analysieren können. Das gewonnene Wissen wird dann direkt am PC umgesetzt. Spieltheorie ist ein zentraler Bestandteil dieser Coachings. Außer Seven Card Stud, was meine schwächste Variante ist, biete ich ein solches Training praktisch für jede Variante an, auch z. B. Omha Hi-Lo.

PZ: Als Beispiel: Wie sollte ein Anfänger Omaha Hi-Lo spielen. Vorrangig auf die High oder die Low Hand?

GD: Ein Anfänger sollte auf das Low spielen und das High im Hinterkopf behalten. So findet man das auch in allen Theoriebüchern. Aber je weniger Spieler am Tisch sitzen, desto wichtiger wird das High. An einem Full Ring Tisch hat immer jemand A-2-x-x oder A-2-3-x, aber shorthanded ist das eben nicht der Fall. Konzentriert man sich dann auf das High, erwisht man öfters Situationen, in denen man das High gewinnt, während zwei oder drei Spieler sich das Low teilen. Insgesamt wird die Bedeutung des High etwas unterschätzt.

PZ: Sie tragen auch das Label von allin4kids, der Pokerhilfsorganisation, die Sandra Naujoks und Markus Golser gegründet haben.

GD: Ja. Ich unterstütze die Organisation, indem ich 2% meiner Turniergewinne spende. So etwastut man erstens gern, und zweitens tut es einem ja auch nicht weh, denn wenn man etwas gewonnen hat, ist man ja sowieso guter Laune.

PZ: Wie lange bleiben Sie in Berlin?

GD: Bis Sonntag mindestens. Ich bin beim EPT Live-Stream als Experte dabei, aber ich hoffe natürlich, dass ich diesen Job dieses Mal nicht machen kann. (Grinst.) ich kann die Frage schon nicht mehr hren, warum ich immer kommentiere, statt am Tisch zu sitzen.

PZ: Sollte es mit dem Finaltisch versehentlich nicht klappen, ist für Sie dann Cash Game angesagt oder spielen Sie die Side Events?

GD: Ich spiele eher Side Events als Cash Game, wenn ich denn schon hier bin. Erstens kann ich Cash Game auch online spielen, und zweitens machen Live Turniere ja auch einfach Spaß.

PZ: Vielen Dank für das Gespräch.

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