PokerZeit exklusiv: Gavin Griffin und der Weg nach unten

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Gavin Griffin - vom Sieger zum Besiegten?

In seinem Blog schrieb Gavin Griffin in diesem Monat einen bemerkenswerten Eintrag über seinen Abstieg durch die Stakes, nachdem er ein Jahr hinter sich gebracht hat, das „viele meiner Träume und den Großteil meines Egos zerstört hat“.

Sieht man sich die Liste seiner Erfolge an, bekommt man den Eindruck, es mit einem der erfolgreichsten Spieler überhaupt zu tun zu haben. Der Eindruck täuscht nicht.

Ein Triple Crown Gewinner mit mehr als 4,6 Mio. Dollar Turnierprämien und einer Mitgliedschaft im Team PokerStars muss ein Gewinner sein.

Als Griffin im Jahr 2004 ein Bracelet gewann, war er der damals jüngste Spieler überhaupt, dem ein Wieg bei der WSOP gelungen war.

Wir sprachen mit ihm darüber, wie sich seine Karriere in den letzten Jahren entwickelt und sein Leben verändert hat.

PL: Was ist passiert, dass deine Träume und dein Ego so erschüttert hat?

Gavin Griffin: Ich hatte eine gute Zeit in den Jahren 2007 und 2008. In Monte Carlo und im Borgata konnte ich gewinnen, danach erhielt ich einen Vertrag bei PokerStars, und alles lief hervorragend.

Anfangs hatte ich einen sehr guten Vertrag. Im zweiten Jahr waren die Konditionen dann nicht mehr ganz so herausragend, aber immer noch mehr als gut genug. Außerdem genoss ich es, weiterhin die größte und vertrauenswürdigste Pokerseite zu repräsentieren.

Im Jahr 2010 gab es einige Veränderungen im Management von PokerStars. Die neue Leitung des Profi-Teams hatte ein paar coole Ideen, und wir alle freuten uns auf die Zukunft.

Mit mir sprachen sie darüber, dass ich eigentlich unterbeschäftigt sei. Deshalb sollte ich häufiger kommentieren, weil ich dafür sowieso eine Schwäche hatte. Ich ging zum Vorsprechen als Kommentator des Big Game und zu einigen anderen Shows, die in Vorbereitung waren.

Ungefähr sechs Wochen nach diesen Terminen wurde ich als Kommentator von The Big Game abgelehnt. Dann erhielt ich einen Anruf, und mir wurde gesagt, dass man meinen Vertrag nicht verlängern würde.

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Griffin gewann 1,4 Mio. Dollar bei der WPT Borgata.

Mein Vertrag lief im Mai aus, und der Ankunft kam ungefähr zur selben Zeit. Als Begründung bekam ich zu hören, „wir werden dich nicht weiter verpflichten, und wir haben keine Kapazitäten mehr um dich zu promoten“. Damit änderte sich von einem Moment auf den anderen alles.

Als letzte Chance erhielt ich eine Verlängerung meines Vertrags bis zum Ende der WSOP. Sollte ich ein paar große Erfolge einfahren oder sogar einen Sieg, könne man über eine weitere Verlängerung noch einmal sprechen.

Damit lag natürlich eine Menge Druck auf mir. Es ist nicht so einfach, sein bestes Poker abzuliefern, wenn es nicht nur um ein Turnier geht, sondern auch um die langjährige geschäftliche Verbindung zu einem Unternehmen.

Natürlich war ich nicht der Spieler mit dem umfangreichsten Sponsoring im Team, aber ich bekam trotzdem eine Reihe von Möglichkeiten.

Außerdem wusste ich ja, dass ich in der jüngeren Vergangenheit keine guten Ergebnisse gehabt hatte. Nach den Gesprächen mit PokerStars hätte ich aber nicht erwartet, dass es dann so ablaufen würde.

Die Unsicherheit und die andern Faktoren sorgten wohl dafür, dass ich innerlich schon mit der Geschichte abschloss.

Dann kam die WSOP, und ich konnte nicht einen einzigen Erfolg verbuchen.

PL: Viele sprechen davon, dass du inzwischen bankrott bist. Stimmt das?

GG: Ich habe viele freundliche Reaktionen auf meinen Blogeintrag erhalten, aber eine Menge Leute haben auch einfach nur geschrieben, „mein Gott, wie kann jemand fünf Millionen Dollar verlieren“.

Zunächst mal waren es keine fünf Millionen, aber egal, wichtig ist, dass die Leute immer vergessen, was es heutzutage kostet, zu all den Turnieren zu reisen und sie dann auch noch zu spielen.

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Griffin bei den WPT LA Poker CLassics.

Außerdem hatte ich damals in Monte Carlo Backer, also konnte ich das Preisgeld nicht vollständig behalten. Statt der 2,4 Mio. bekam ich nur etwa die Hälfte. Außerdem lebe ich in Kalifornien, wo die Steuern höher sind als in den meisten anderen Staaten.

In den Jahren 2007 und 2008 zahlte ich ungefähr eine Million Dollar an Steuern, und das Geld, dass ich im Borgata gewann, floss fast vollständig in einen Investment Fond.

Also blieb am Ende von 2008 nicht mehr allzu viel übrig. Damals ging es bei einer Menge Leute steil bergab.

Für mich kamen einfach mehrere negative Dinge zusammen. Ich verlor eine Menge Geld an der Börse. Inzwischen sind meine Investitionen wieder auf dem aufsteigenden Ast, aber weil ich auch dann weiter Steuern zahlen musste, als meine Anlagen wenig wert waren, war ich gezwungen, eine Menge davon zu verkaufen.

Eine extrem unangenehme Situation, es ging einfach alles schief.

Aber eines möchte ich den Leuten gerne sagen: Ich bin keineswegs bankrott. Ich habe Geld auf dem Konto und eine Frau, die gut verdient.

Sie ist erfolgreiche Ingenieurin, und ihre Unterstützung ist für mich sehr wichtig.

Trotzdem musste ich eine Entscheidung treffen. Ich spielte schlecht, und mein Bankroll-Management war miserabel, also musste ich entweder auf niedrigere Limits absteigen oder mir Geld leihen und damit noch mehr Schulden machen. Dritte Möglichkeit: die eiserne Reserve auf unserem Konto angreifen.

Zu dieser Zeit kamen noch weitere finanzielle und emotionale Probleme dazu. Meine Frau und ich hatten gesundheitliche Probleme, und es kam so ziemlich alles zusammen.

PL: Falls du bereit bist, darüber zu sprechen: Was ist in eurer Beziehung passiert, und wie wirkte sich das auf dein Poker aus?

GG: Na ja, Amy und ich heirateten im Juli 2010, dabei wollten wir ursprünglich eigentlich gar nicht heiraten, sondern einfach so zusammen leben, weil wir keine Kinder haben wollten.

Dann entschieden wir, doch Kinder zu bekommen und eine Familie zu gründen.

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Im Oktober wurde Amy schwanger und verlor das Kind im Januar. Im Mai wurde sie wieder schwanger und verlor das Kind im Juli. Im Herbst passierte dasselbe nochmal.

Drei Fehlgeburten und die damit einhergehende Unsicherheit brachten unsere Beziehung ins Wanken. Ich frage mich ach heute noch jeden Tag, wie wir unsere Probleme in den Griff bekommen können.

Uns beiden gehen einfach eine Menge Dinge im Kopf herum. So langsam hört sich das, was ich hier erzähle, wie Selbstmitleid an, und das möchte ich wirklich nicht.

PL: Deine Offenheit ehrt dich. Auf niedrigere Limits zu wechseln, hat viel damit zu tun, den eigenen Stolz zu überwinden. Wie fühlst du dich damit und wie siehst Du deine Zukunft?

GG: Es stimmt schon, Pokerspieler haben ein großes Ego. Wenn du mal ein bestimmtes Niveau erreicht hast, fühlt sich alles darunter wie Versagen an.

Aber in jeder Karriere gibt es gute und schlechte Phasen. Viele Branchen sind in den letzten Jahren eingebrochen. Warum sollte bei Poker alles ganz anders sein?

Auch Poker hat geringere Einnahmen, und es ging mit vielen Leuten bergab. Manche Leute mit Klassejobs arbeiten heute als Gärtner oder sonstwas.

Sie tun das, um ihre Familie irgendwie durchzubringen, und genau dasselbe mache ich auch.

In der Pokerbranche ist es so, dass auf lange Sicht der Spieler das Geld gewinnt, der am besten ist. Also muss ich einen Weg finden, um besser zu werden.

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"Ich muss einen Weg finden, um besser zu werden."

Hinzu kommt, dass ich wegen meiner Turniersiege nie wirklich Bankroll-Management betreiben musste.

Ganz zu Anfang arbeitete ich von Samstag bis Dienstag als Dealer und spielte an den anderen Tagen. Dann gab ich den Job auf und spielte nur noch Online-Poker.

Kurz danach gewann ich den WSOP-Event, und dann hatte ich einen richtigen Lauf. Meine Bankroll war damit so dick gefüllt, dass ich für die nächsten Jahre mehr als genug Geld zum Spielen hatte.

Dann kam Monte Carlo. Ich gewann wieder und hatte wieder eine dicke Bankroll. Ich musste meine Bankroll nie managen. Jetzt hat sich das geändert. Es ist notwendig, ich habe es gelernt, und ich bin stolz darauf.

Es gab Zeiten, da habe ich $200/$400 No-Limit und $1000/$2000 Limit gespielt. Jetzt sitze ich am $8/$16-Tisch und versuche, blöde Kommentare zu ignorieren.

PL: Wie behält man in einer solchen Situation eine klaren Kopf?

GG: Ich bin sehr stolz darauf, mir selbst gegenüber ehrlich zu sein.

Ich schreibe für den CardPlayer und unterrichte an der WSOP Poker Academy. Ich tue, was ich kann, um den Kopf über Wasser zu halten.

Vor allem aber schulde ich das meiner Frau, ohne deren Unterstützung ich heute nicht hier wäre. Es gibt nicht viele Paare, die zusammenbleiben, wenn ihnen das passiert, was uns passiert ist.

Obwohl wir bis heute nicht wissen, ob wir jemals Kinder haben werden, halten wir weiter zusammen, und das macht mich besonders stolz. Stolzer, als Poker  mich je machen könnte.

Es ist ein Kampf um die Zukunft, aber der Kampf macht die Zukunft wertvoller.

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