Gangster, Gambler und Ganoven (1) – „Titanic Thompson“

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23 Juli 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Gangster, Gambler und Ganoven (1) – „Titanic Thompson“

Noch weit vor Johnny Moss und Nick „The Greek“ Dandalos kreierte Clarence Alwin Thomas, besser bekannt als „Titanic Thompson“, den Typus des Golf- und Poker-Gamblers. Er gewann eine Wette gegen Al Capone, konnte angeblich Schlüssel ins Schlüsselloch werfen und wurde 1955 sogar in einem Musical verewigt.

Dies sind die Geschichten der Männer, die Las Vegas zu dem gemacht haben, was es heute ist – der großartigste und verrückteste Ort der Welt.

Wenn irgendeiner zu dir kommt und mit dir wettet, er könne den Pikbube aus einem nagelneuen Kartendeck springen und dir Bier ins Ohr spritzen lassen, lass lieber die Finger davon, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit wirst du dich mit den Ohren voller Bier wieder finden.

- Marlon Brando, als Sky Masterson zu Frank Sinatra im Gamble-Musical „Guys and Dolls“

Noch bevor Anfang der 60er Jahre der Pokerzirkus seine ersten Stars hervorbrachte, war Clarence Alvin Thomas, bekannt unter seinem Spitznamen „Titanic Thompson“ und „The Unsinkable“ unzweifelhaft Amerikas berühmtester Gambler und eine lebende Legende.

marlon brando sky masterson guys and dolls
Marlon Brando machte Thompson zur Legende.

Zwischen 1920 und 1970 hatte er beim Golf, Poker und vor allem durch zahlreiche Prop-Bets Millionen verdient und durch seine fatale Leidenschaft für Pferdewetten wieder verloren.

Bis heute dient Titanic Thompson den Golf spielenden Poker-Pro`s in Amerika als Ideengeber, wenn es um den Abschluss spektakulärer Side-Bets auf dem Golf-Course geht.

Doyle Brunson sagte einst über ihn: „Wenn Johnny Moss der Prototyp des Golf spielenden Pokerspielers war, dann war Titanic Thompson jener des Poker spielenden Golfspielers.“

Bereits 1908 - mit gerade einmal 16 Jahren, unfähig ordentlich lesen und schreiben zu können und mit noch nicht mal einem Dollar in der Tasche - verließ Thomas seine Heimat in Arkansas, um seinen Lebensunterhalt künftig als Hustler und Gambler zu verdienen.

Während des ersten Weltkriegs zum Sergeant befördert, stellte er gegenüber seinen Untergebenen seine über die Jahre gemachten Erfahrungen unter Beweis und kehrte mit einer zusammen gezockten Bankroll von über 50.000 Dollar in die USA zurück.

In den folgenden Jahren war er auf dem besten Wege der berüchtigste Wettganove und Abzocker der amerikanischen Geschichte zu werden.

Ausgestattet mit einer seltenen Augen-Hand-Koordination sowie einem unerschöpflichen Repertoire an Lügengeschichten und Heilsversprechungen machte er seinen Opfern die unverschämtesten Wettangebote schmackhaft.

Mit Al Capone wettete er beispielsweise, dass er eine Orange über ein fünfstöckiges Hochhaus werfen könne. Schon vorher hatte er denselben Trick mit bleigefüllten Erdnüssen durchgezogen. Capone soll die Falle gewittert und die Orange eigenhändig ausgepresst haben.

Die Frucht tauschte Titanic Thompson blitzschnell gegen eine frische, handlichere Zitrone aus, warf sie trotzdem übers Dach und verdiente sich den lebenslangen Respekt des Chicagoer Gangsterbosses.

al capone
Sogar Al Capone gehörte zu seinen Opfern.

Mit einer anderen legendären Wette verdiente sich Ty, wie er von seinen Freunden auch genannt wurde, Übernachtungen in den besten Hotels Amerikas.

Er wettete, dass er große Zimmerschlüssel ins passende Loch werfen konnte.

Der Trick war am Ende die Formulierung, denn Alvin Thomas beförderte die Schlüssel mit einem gekonnten Wurf nicht ins Schlüsselloch, sondern in das dafür vorgesehene Fach hinter der Rezeption.

Noch vor seinem 40. Geburtstag hatte Titanic Thompson durch Wetten, Poker und Würfelspiel Millionen gewonnen, fünf Männer in Notwehr getötet, drei Frauen geheiratet und als Sergeant in der Armee gedient.

Um 1930 entdeckte Thomas, der von Augenzeugen sogar mit Zauberer Merlin verglichen wurde und als „der größte Actionman aller Zeiten“ (Pool-Billiard-Legende, Minnesota Fats) galt seine eigentliche Passion, das Golfspiel.

Zusammen mit Nick The Greek Dandalos war er in diesen Jahren dabei, Anwälte, Politiker, Alkoholschmuggler und Banker beim Pokern zu erleichtern. Die Partien dauerten lange, oft bis zum Morgengrauen.

Seine Tage verbrachte Ty aber nicht im Bett, sondern auf dem städtischen Golfplatz in San Fransisco. Es dauerte nicht lange, bis er aus dem Sport einen Nettozahler gemacht hatte.

So zockte  Titanic einen für seine langen Drives berühmten Champion um 20.000 Dollar ab, indem er ihm drei Drives pro Loch zugestand – der Mann war schon bald zu erschöpft, um noch einen sauberen Drive zu schlagen.

Die berüchtigte Seewette (später wiederholt von Amarillo Slim) brachte ihm ebenso ein erkleckliches Sümmchen ein. Er hatte gegen ein paar Millionäre gewettet, er könne den Ball 500 Yards weit schlagen.

old las vegas
Titanic Thompson war eine prägende Figur des Mythos Las Vegas.

Er schlug links von der Spielbahn ab und ließ den Ball eineinhalb Kilometer über einen vereisten See schlittern.

Doch trotz seiner landesweit berühmt, berüchtigten Bluffs wird Titanic Thompson bis heute als wohl bester Amateurgolfer aller Zeiten bezeichnet. Er schlug in regulären Matches mehrere spätere Sieger der Major Tour.

Auf dem Höhepunkt seiner Zockerjahre, Mitte der 40er wurde Ty einmal gefragt, warum er es nie mit dem Profigolf versucht habe. „Na ja“,  meinte er und mischte die Karten. „weil das Gehalt so viel schlechter ist und ich mir das einfach nicht leisten kann.“

PGA-Profis verdienten damals im Jahr maximal 30.000 Dollar. Eine Summe, die Titanic Thompson oftmals mit nur einer gewonnenen Wette machte.

Im Mai 1974 erlitt Titanic Thompson, der durch die von Marlon Brando gespielte Figur Sky Masterson in der Musical-Verfilmung „Guy`s and Dolls“ längst zur Legende geworden war, einen Schlaganfall.

Der Mann, der mehr als sieben Jahrzehnte Gaunereien überlebt hatte, fünf Männer getötet und ebenso viele Frauen geheiratet hatte, wurde im Alter von 82 tot aufgefunden.

Doyle Brunson
Doyle Brunson sah in ihm den Archetyp des Golfhustlers.

Auf dem fünfzig Meilen entfernten Tennison Golf Course in Dallas soll ein junger Caddie in einem Cart an einer Gruppe von vier Golfern vorbeigefahren sein und gerufen haben: „Titanic Thompson ist gestorben.“

Nach einer kurzen Pause soll einer der Männer gefragt haben: „Hast du Titanic Thompson mal getroffen, Junge?“ Nein, ich hatte nicht die Ehre“, antwortete der Caddie. „Aber du sagtest, er ist tot.“ So hab ich es gehört Sir. „Na ja kann gut sein, dass er tot ist, aber darauf wetten würde ich nicht.“

Drei Jahre vorher hatte der unsinkbare Titanic Thompson die World Series of Poker moderiert, die sein alter Freund Johnny Moss gewann. Kurz danach soll er über das viele Geld gesprochen haben, dass bei der WSOP auf dem Tisch gelegen hatte.

„Ich bedauere nicht viel in meinem Leben“ resümierte er. „Aber ich wünschte ich wäre ein bisschen klüger gewesen und hätte mir mehr Geld auf die Seite gelegt. Ich wünschte, ich hätte ein bisschen weiter gesehen, als bis zum nächsten Spiel. Das ist die eine Sache, die ich mir wirklich vorwerfe.“

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Gangster, Gambler und Ganoven - die Serie

1) Titanic Thompson

2) Rex Cauble

3) Major Riddle - Ich setze das "Dunes"

4) Jimmy Chagra - Das größte Trinkgeld aller Zeiten

5) Larry Flynt - Der Pornokönig

6) Nick "The Greek" - Der moderne Sokrates

7) Benny Binion - Der Erfinder der World Series

8) Bob Stupak - Das letzte Großmaul

9) Archie Karas - Der heißeste "Run" der Pokergeschichte

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