Gangster, Gambler und Ganoven (5) - Larry Flynt, der "Pornokönig"

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9 September 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: The Hand
Gangster, Gambler und Ganoven (5) - Larry Flynt, der "Pornokönig"

Hustler-Gründer und Skandalfigur Larry Flynt ist für viele Laster bekannt. Dass er auch ein leidenschaftlicher Gambler und Pokerspieler ist, verwundert daher nicht. Doch nur wenigen ist bekannt, dass Flynt jahrelang den Norweger Thor Hansen mit erheblichen Summen stackte, fast einmal Stu Ungar vergiftet hätte und sein eigenes Casino besitzt.

Dies sind die Geschichten der Männer, die Las Vegas zu dem gemacht haben, was es heute ist – der großartigste und verrückteste Ort der Welt.

Das Leben Larry Flynts ist durch den Film „The People vs Larry Flynt“ mit Woody Harrelson und Courtney Love längst bekannt. 1942 geboren, machte Flynt zunächst mit Oben-Ohne Bars und später vor allem mit dem Hustler-Magazin Millionen.

Larry Flynt2
Woody Harrelson spielte Larry Flynt in der Filmbiografie.

Geld, das den Selfmade-Millionär allerdings nicht beschützen konnte. Er war Angeklagter in einem der wohl größten Gerichtsverfahren der USA, in dem es um nichts Geringeres als die Pressefreiheit ging. Flynt marschierte danach ins Gefängnis, wobei die Herausgabe seines pornografischen Hustler-Magazins nie verhindert werden konnte.

Doch die amerikanische Öffentlichkeit hatte sich in dieser Frage längst radikalisiert. Nach einer Gerichtsverhandlung hatte ein Heckenschütze versucht, Larry Flynt zu erschießen. Flynt überlebte, war danach jedoch querschnittsgelähmt.

Seinen Lebensmut ließ sich Pornokönig Larry Claxton Flynt Jr. allerdings nicht nehmen. Und auch nicht den Spaß an einem seiner größten Hobbys: Poker.

Wie viele Amerikaner hatte er bereits im Kindesalter Bekanntschaft mit dem Spiel gemacht und irgendwann auch das nötige Kleingeld, um sich mit den Besten zu messen.

Flynt, der heute auf ein Vermögen von ungefähr 400 Millionen Dollar geschätzt wird, war bereits Mitte der 70er Jahre reich und deshalb an den Pokertischen gern gesehener Gast.

Bezüglich seiner Pokerverluste, die seit nunmehr 40 Jahren nach eigenen Einschätzungen bei drei Millionen Dollar pro Jahr liegen, hat Larry Flynt trotzdem ein entspanntes Verhältnis:

„Geld ist für mich nicht wichtig. Ich will mit den besten Spielern spielen und mir bei einem Sieg einen besonderen Kick holen. Dafür bin ich bereit, im Zweifel auch drauf zu zahlen. Ich könnte leicht gegen schlechtere Amateure spielen und zuverlässig gewinnen. Aber das macht mir eben keinen Spaß.“

Was Larry Flynt unter Spaß versteht, konnte man besonders gut in einer TV-Dokumentation aus dem Jahr 2004 sehen, die Flynt in seinem eigenen Hustler-Casino in Gardena/ Kalifornien zeigte.

Flynt saß dabei an einem $2.000/ $4.000 ($500 Ante) Seven Card Stud-Tisch. Seine Kontrahenten hießen Chip Reese, Phil Ivey, David Oppenheim, Frank Thompson und Danny Robison.

Ein durchschnittlicher Pot belief sich auf um die $40.000. Das Spiel verlief schnell und aggressiv. Ein Dealer erzählte, dass Flynt im Monat so um die 300.000 Dollar verlor. Und das, obwohl er als zumindest ausgezeichneter Seven Card Stud-Spieler galt.

Bei all den immensen Verlusten, die Flynt mit Sicherheit zu einem der größten Draufzahler in der Geschichte des Poker machen, kann der Hustler-Herausgeber aber auch einige Erfolgsgeschichten erzählen.

So war einer seiner Lieblingsgegner ausgerechnet der Jahrhundert-Gambler Stu Ungar. Über ihn erzählte Larry Flynt:

„Stu hatte ein fürchterliches Temperament, und es war deshalb ein Leichtes ihn zu irritieren. Ich erinnerte mich an ein Spiel, in dem ich meine Straight bekam und Stu mit einem Set der Angeschmierte war. Er machte eine Bet, ich ging all in und er callte. Stu sah meine Karten, sagte „Fuck this“ und warf den Tisch um.“

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Flynt gründete das berühmte Magazin Hustler.

Einmal versuchte Stu Ungar seiner schwerreichen Nemesis sogar einmal einen Mordversuch anzuhängen. Bis Mitte der 90er Jahre lebte Larry Flynt mit immensen Schmerzen, eine Folge der Kugeln, die der Heckenschütze 1978 abgefeuert hatte und die den Pornokönig an seinen 100.000 Dollar teuren Rollstuhl fesselten.

Die Schmerzen hatten ihn von einem narkotischen Drink, bekannt als Brompton-Cocktail abhängig gemacht. Der Cocktail besteht aus 60% Morphium, 30% Alkohol und 10% Kokain. Für Larry war es wegen seiner Verletzungen legal, den Drink zu sich zu nehmen.

Und eines Tages wollte der drogenabhängige Stu Ungar auch einen solchen Cocktail. Er bekam ihn und ging auf die Toilette, um ihn zu trinken. Als er nicht zurückkam, wurden zwei Personen rausgeschickt, um zu sehen, was passiert war.

„Sie fanden ihn völlig besinnungslos auf dem Boden liegend. Als er wieder zu sich kam, beschuldigte er mich des Mordversuchs“, erzählte Larry Flynt in einem Interview.

Doch Flynt hatte beim Poker nicht nur seinen makabren Spaß, sondern versuchte in dem Business auch vernünftige Entscheidungen zu fällen. So stakte er über viele Jahre den Norweger Thor Hansen, der Jahrzehnte lang in den USA gelebt hat, bevor er vor zwei Jahren anch Europa zurückkehrte.

Und er kaufte sich 1998 sein eigenes Casino. In das Pleite-Casino El Dorado steckte Flynt 30 Millionen Dollar und möbelte den herunter gekommenen Laden wieder auf.

Deshalb muss Larry Flynt in der Geschichte des Poker zwar als einer der größten Loser bezeichnet werden, aber mit einer besonderen Fußnote. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Verlierern konnte sich der legendäre Herausgeber des Hustler seine Verluste immer leisten.

Heute steht Larry Flynt an der Spitze der bestbezahlten Unternehmer des Jahres 2014.

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Gangster, Gambler und Ganoven - die Serie

1) Titanic Thompson

2) Rex Cauble

3) Major Riddle - Ich setze das "Dunes"

4) Jimmy Chagra - Das größte Trinkgeld aller Zeiten

5) Larry Flynt - Der Pornokönig

6) Nick "The Greek" - Der moderne Sokrates

7) Benny Binion - Der Erfinder der World Series

8) Bob Stupak - Das letzte Großmaul

9) Archie Karas - Der heißeste "Run" der Pokergeschichte

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