Gangster, Gambler und Ganoven (8): Bob Stupak – das letzte Großmaul von Sin City

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25 Februar 2015, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Gangster, Gambler und Ganoven (8): Bob Stupak – das letzte Großmaul von Sin City

Bob Stupak kam erst Anfang der 70er Jahre nach Las Vegas und schaffte es dennoch zu einer Legende zu werden. Er war der Besitzer des Billo-Casinos „Vegas World“, führte exotische Varianten wie polnisches Roulette und Crapless Craps ein und erfand die heute so alltägliche Vegas-Pauschalreise.

Später überlebte er nur knapp einen spektakulären Motorradunfall verschluckte sich aber am Bau des Stratosphere Tower.

Dies sind die Geschichten der Männer, die Las Vegas zu dem gemacht haben, was es heute ist – der großartigste und verrückteste Ort der Welt.

„In einer Zeit, in der sich die verrücktesten Party-Tiere unter den Machern von Las Vegas längst hinter bürgerliche Fassaden zurückgezogen haben und die großen Casinos von mächtigen Trusts regiert werden, läuft einer immer noch mit größenwahnsinnigen Ideen, spektakulären Wetten und einem nicht zu schließendem Großmaul durch die vom Neonlicht beleuchteten Straßen.“

John Smith in seinem Buch „The Rise and Fall of Bob Stupak and Las Vegas Stratosphere Tower“

Als sich Steve Wynn in den 80er Jahren anschickte, dem Strip von Las Vegas ein neues, glitzerndes, luxuriöses Image zu verleihen, ging es ihm auch darum, zu verdeutlichen, dass die Zeit von Menschen wie Bob Stupak in Sin City vorbei sei.

Der polnischstämmige Besitzer des Casinos Vegas World war ebenso ungebildet wie ungehobelt und hatte die Trash-Kultur in die Spielmetropole getragen.

vegas world casino
Das Vegas World war Stupaks Eingang in die Welt von Las Vegas.

Allerdings gehörte Stupak auch zu dem Schlag Mensch, der Las Vegas einst nach oben gebracht hatte. So schnell sollte sich Stupak nicht geschlagen geben.

Und mit der Planung und dem Bau des Stratosphere Towers lag seine größte Leistung noch vor ihm.

Bob Stupak war 1944 in der Stahlmetropole Pittsburgh in eine Familie geboren worden, die ihren Lebensunterhalt mit dem Organisieren von Glücksspielen, vor allem Craps verdiente.

Sein Vater Chester war eine imposante Figur und für die Gambling Szene in Pittsburgh bis 1991 das, was Milliardär und Philanthrop Andrew Carnegie für die Stahlindustrie war.

Stupak sagte später über seine frühe Prägung: „Ich dachte als Kind immer: das ist also, was Erwachsene tun. Sie werfen Würfel gegen eine Wand.“

Bob Stupak begann seine Karriere wie viele andere, die später einen ähnlichen Lebensweg einschlugen. Er brach die Schule ab und schlug sich zunächst mit diversen Jobs durch.

Als Sänger beispielsweise. Als „Bobby Star“ brachte er es zu acht Single-Auskopplungen, bevor der Plattenfirma aufging, dass es ihr Schützling in der  Branche nicht weit bringen würde.

Als nächstes probierte es „The Polish Maverick“, wie er sich immer wieder nannte mit dem Job eines professionellen Motorradrennfahrers.

Zwar konnte er einige Trophäen gewinnen, aber letztlich brach er sich bei einem Unfall beide Beine. Seine Leidenschaft für Motorräder sollte ihn später fast das Leben kosten.

Mit Anfang 20 hatte Bob Stupak zunächst die Nase voll von Amerika und probierte sein Glück in Australien, wo er zweimal heiratete und ein erfolgreiches Klein-Geschäft aufzog. Doch klein reichte Stupak nicht. Sein Traum war ein eigenes Casino.

Und das ging nur in Las Vegas. Also ging er 1971 zurück, kratzte alle seine Dollar zusammen, borgte sich noch einiges bei den Freunden seines Vaters und kaufte ein Stück Land mit einem alten Parkplatz darauf.

Dort eröffnete er 1974 „Bob Stupak`s World Famous Gambling Museum“. Später machte Bob Stupak gerne Witze darüber, dass das Namensschild länger gewesen wäre, als das Gebäude selbst.

Doch der erste Versuch in Vegas als Casino-Mogul zu reüssieren, ging kräftig schief. Noch nicht mal zwei Monate nach der Eröffnung fing eine Klimaanlage Feuer und das gesamte Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Doch Stupak hatte Blut geleckt. Er borgte sich eine weitere Million und eröffnete das Casino Vegas World. Seine Konkurrenten hatten dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Zu weit vom Strip entfernt. In einen von Kriminalität geplagten Gebiet. Keine Chance.

Aber Bob Stupaks größtes Talent lag im Marketing. Neben den etablierten Spielformen gab es auf einmal exotische Varianten, wie Polnisches Roulette, Crapless Craps, Double Exposure 21 und Experto.

Außerdem wurden gigantische Einsätze akzeptiert und manchmal sogar die Quoten für Wetten zugunsten des Kunden verändert, nur um die Action aufzudrehen.

Und der frisch gebackene Casino-Besitzer erfand ein System, um die  amerikanische Mittelklasse mit unschlagbaren Pauschalangeboten nach Las Vegas zu locken.

stratosphere tower las vegas
Mit 350m das höchste Gebäude in Sin City - der Stratosphere Tower.

Einer seiner Tricks bestand darin, zum Package vier freie, quietschbunte Postkarten zu liefern, die an Verwandte und Bekannte verschickt werden sollten. Dafür gab es einen Extra-Briefkasten in der Hotel-Lobby.

Sogar die Briefmarken bezahlte Stupak. Das Schlitzohr erwähnte dabei nicht, dass er die Adressen notierte und eigene Briefe mit Promotion-Angeboten verschickte.

Stupak erreichte so in nur einem Monat bis zu 15.000 potentielle Kunden. Und verlieh dem später häufig kopierten System mit Vegas-Gesamt-Packages und Dumping-Angeboten eine ganz neue Dimension.

Innerhalb von kurzer Zeit verwandelte sich sein 100 Zimmer Hotel-Casino mit einem Jahresumsatz von einer Million Dollar in ein 1.000 Zimmer-Monster mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen.

Casino-Mogule wie Steve Wynn schauten verächtlich auf das Haus des Emporkömmlings. Das Moon Rock Buffet galt als das schlechteste in ganz Las Vegas, und im Casino soll es unerträglich nach Rauch, Schweiß und sogar Erbrochenem gerochen haben. Bob Stupak war der Eigner eines Kitsch-Palastes mit unfassbaren Angeboten. 

Und trotzdem lief der Laden so gut, dass sich Bob Stupak in den frühen 80er Jahren entschied professioneller Pokerspieler zu werden.

Er heuerte Puggy Pearson als Coach an. Mit einem gewissen Erfolg: 1989 gewann Stupak ein Bracelet in einem $5.000 2-7 Draw-Event, und 2003 erreichte er den Final Table beim WPT- Turnier L.A Classics.

1983 nutzte er sein neues Hobby, um den Wirbel um seine Person und „Vegas World“ zu vergrößern. Er hielt eine eigene Pokerturnier-Serie namens „America`s Cup“ ab und versprach dem Gewinner seinen Rolls Royce sollte er im Heads Up gegen ihn gewinnen. Er behielt sein Auto und gewann auch eine $500.000 Wette, in der es darum ging den Poker-Computer ORAC zu schlagen.

Im selben Jahr kandidierte Stupak um den Bürgermeisterposten von Las Vegas und wurde Zweiter. Sein Ego war allerdings so aufgeblasen, dass er sein Porträt nicht nur von jeder Wand seines Casinos lächeln ließ, sondern es auch in den Teppichen und selbst auf Cocktail-Gläser verewigte.

In ganz Las Vegas hingen riesige Werbeschilder, auf denen der lächelnde Bob Stupak für sein Casino warb. Sein Spruch: „Leicht zu schlagen, weil ja von einem Polen angeboten.“

Doch Bob Stupak hatte sein ehrgeizigstes Projekt noch vor sich. Ende der 80er Jahre stellte er beim Blick auf das benachbarte Sahara fest, dass dessen gigantische Marquise dafür sorgte, dass die Leute sich dachten „das sieht interessant aus und ist nur ein leichten Spaziergang entfernt“.

Das Vegas World hatte hingegen kaum Laufkundschaft. 80 Prozent waren in dem Casino, wegen seiner unschlagbaren Promotionen.

Während einer Reise zu seiner Tochter nach Sydney besuchte er den dortigen Aussichtsturm und stellte fest, dass der Aufzug bis zur Spitze 5 Dollar kostete. Als er die durchschnittliche Besucherzahl von 20.000 pro Tag hörte, war die Idee vom Stratosphere Tower, Las Vegas höchstem Gebäude geboren.

titanic las vegas
Stupaks ultimativer Traum - ein Titanic-Nachbau.

Doch schon 1993 war Stupak nicht mehr in der Lage das Katastrophenprojekt aus eigener Tasche zu stemmen. Er entließ sich selbst als Bauherr und wurde vom neuen Besitzer Lyle Berman zum Mitinvestor degradiert.

Auch die Eröffnung erlebte Bob Stupak nicht. Kurz vor der Einweihung des neuen Wahrzeichens von Sin City geriet der Motorradfan zusammen mit seinem Sohn in einen Unfall.

Sein Sohn brach sich lediglich ein Bein, aber Stupak wurde schwer verletzt. Sein komplettes Gesicht war zertrümmert, jeder einzelne Knochen gebrochen.

Ein Freund sagte später über Stupaks Zustand: „Das war das Schlimmste, was ich jemals gesehen habe. Es war eigentlich unmöglich, dass er noch lebte. Sein Kopf war durch die vielen Brüche auf die Größe eines Basketballs angeschwollen.“

Doch selbst in seinem Überlebenskampf verließ Stupak nicht der Glanz. An seinem Bett wachte über Wochen, die in ganz Amerika bekannte Sängerin Phyllis McGuire, einst die Favoritin von Sam Giancana, Chicagos legendärem Mafia-Boss.

Bob Stupak soll durch sein Desaster mit dem Stratosphere Tower persönlich 200 Millionen Dollar verloren haben.

Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, bis zu seinem Tod 2009 (durch Leukämie) weitere Casino-Projekte anzukurbeln. Einer seiner Lieblingspläne bestand darin die Titanic in Las Vegas nachzubauen.

Ein besseres Symbol für das Leben von Bob Stupak hätte es nicht geben können. Im Gewinnen wie im Scheitern hieß es für einen der letzten schillernden Casino-Mogule von Las Vegas immer nur: Big Style.

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Gangster, Gambler und Ganoven - die Serie

1) Titanic Thompson

2) Rex Cauble

3) Major Riddle - Ich setze das "Dunes"

4) Jimmy Chagra - Das größte Trinkgeld aller Zeiten

5) Larry Flynt - Der Pornokönig

6) Nick "The Greek" - Der moderne Sokrates

7) Benny Binion - Der Erfinder der World Series

8) Bob Stupak - Das letzte Großmaul

9) Archie Karas - Der heißeste "Run" der Pokergeschichte

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