Gangster, Gambler und Ganoven (7): Benny Binion - der Mann, der die World Series erfand

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18 Februar 2015, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Gangster, Gambler und Ganoven (7): Benny Binion - der Mann, der die World Series erfand

Lester „Benny“ Binion kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Las Vegas und veränderte die Stadt für immer.

Nach dem Motto „If you want to get rich, make little people feel like big people“ machte er das „Horseshoe“ schnell zum besten Casino von Sin City. Die größte Leistung des raubeinigen Marketing-Genies war allerdings die Erfindung der World Series of Poker.

Dies sind die Geschichten der Männer, die Las Vegas zu dem gemacht haben, was es heute ist – der großartigste und verrückteste Ort der Welt.

Als sich Mitte der 70er Jahre die ersten Zeitungsreporter und Fotografen anfingen für die World Series of Poker zu interessieren, war es vor allem der Charme des kräftig händeschüttelnden Benny Binion, dem alle sofort verfielen.

Der Erfinder und Ausrichter des schillernden Poker-Events war eine mehr als echte Gestalt inmitten dieser Welt voller Fakes und trügerischer Illusionen.

Thomas „Amarillo Slim“ Preston beschrieb seinen langjährigen Mäzen mit den Worten „he was either the gentlest bad guy or the baddest good guy you‘ve ever seen“. Benny Binions Kommentar dazu sei gewesen: „Hard times make hard people“.

Und Binion wusste, wovon er sprach. Am 20. November 1904 in Pilot Grove (US-Bundesstaat Texas), einem gerade mal 193 Einwohner zählenden Dorf geboren, musste Little Benny schon von Beginn an um seine Existenz kämpfen.

Wegen seiner kränklichen Natur wurde Binion nicht in die Schule geschickt, sondern mitten ins raue Landleben geworfen.

Und die „Get tough or die“ Strategie des Vaters ging auf. Binion sagte später:

„Er setzte mich einfach aufs Pferd und ich - kaum fünf oder sechs Jahre alt - lebte das Leben harter Männer. Mit zehn Jahren trat ich eigenständig als Pferdehändler auf, und bekam mit, wie all die Farmer, Rancher und Trapper ganz wild danach waren, ihre gerade verdienten Dollar beim Glücksspiel wieder auf den Kopf zu hauen.“

Benny Binion young
Jung, charmant, und ein Killer - Benny Binion.

Kurz vor der Weltwirtschaftskrise wurde es auch für Benny Binion schwierig, mit ehrlicher Arbeit Geld zu verdienen.

Er versuchte sich als Schwarzbrenner, flog zweimal auf und merkte, dass er dazu kein Talent besaß.

Das florierende - illegale - Glücksspiel kam ihm da schon mehr entgegen, und Binion erkannte seine Chance.

Mit 50 Dollar startete er eine eigene Lotterie in der Nachbarschaft. Nach nur einer Woche hatte er daraus 800 Dollar gemacht.

Spätestens ab Anfang der 30er Jahre zeigte sich, dass Benny Binion auch die notwendige Skrupellosigkeit besaß, um sich in einem gewalttätigen Umfeld durchzusetzen.

Bei einem Streit mit Frank Bolding, einem für seine Brutalität berüchtigten Rum-Schmuggler erschoss er den Konkurrenten, bekam aber wegen Notwehr nur zweieinhalb Jahre auf Bewährung.

Benny Binion – mittlerweile in seinen besten Jahren – wollte ganz nach oben. Sein nächster Schritt führte ihn nach Dallas, das wie alle texanischen Großstädte dank der Reichtümer aus Öl- und Viehwirtschaft nur so strotzte.

Binion organisierte sein eigenes kleines Casino und räumte mit wachsendem Erfolg weitere Konkurrenten aus dem Weg.

Einer von ihnen war Sam Murray, Ben Frieden ein anderer. Beide wurden mit mehreren Schüssen niedergestreckt. Jedesmal kam Binion ohne Strafe davon, weil er angeblich aus Notwehr gehandelt hatte.

Dallas stand irgendwann unter der Kontrolle von Benny Binion, und mit einer Menge Geld in der Tasche war es für ihn ein Leichtes, Politiker und Polizei zu schmieren.

In seinen Hochzeiten soll Binion im Jahr mehr als 600.000 Dollar an Bestechungsgeldern bezahlt haben.

Ende des zweiten Weltkriegs machte sich jedoch die Mafia aus Chicago in Dallas ansässig. Der Kandidat, den Binion auf der Gehaltsliste hatte, verlor die Bürgermeisterwahlen, und in Dallas kam es zu wilden Verteilungskämpfen.

Binion musste sich geschlagen geben, packte seine Frau, Teddy Jane, seine drei Kinder, seinen schwarzen, über zwei Meter großen Bodyguard „Gold Dollar“ und zwei Millionen Dollar in Cash ins Auto und fuhr nach Las Vegas.

Sin City war zu dieser Zeit zwar ebenfalls in den Händen der Mafia, jedoch gelang es dem Binion-Clan, schnell Fuß zu fassen.

Benny kaufte das Casino El Dorado in der Fremont Street und nannte es in Binion`s Horseshoe um.

Zunächst verfolgten den aufstrebenden Casino-Magnaten aber noch die Geister der Vergangenheit. Und die traten vor allem in Gestalt von Herb „The Cat“ Noble, einem anderen Boss-Gambler auf den Plan.

binions horseshoe 1961
Das Horseshoe im Jahr 1961...

Noble hatte einige von Binions loyalsten „Mitarbeitern“ aus dem Weg geräumt und war danach selber Ziel von nicht weniger als zwölf Mordversuchen geworden.

Nachdem Nobles Ehefrau durch eine Autobombe getötet worden war, soll Noble angeblich geplant haben, mit einem Flugzeug voller Sprengstoff in Binions Haus zu fliegen.

Der Anschlag wurde von der Polizei vereitelt und Noble nach Anschlag Nummer 13 per Briefkastenbombe doch noch ins Jenseits befördert.

Der Vegas-Mafia gefiel es allerdings überhaupt nicht, dass der Neuling seine Ankunft mit solch einem Feuerwerk garnierte.

1951 verlor Binion nicht nur seine Glücksspiellizenz, sondern wurde auch wegen Steuerbetrugs angeklagt.

Binion wurde glaubhaft gemacht, er müsse sich schuldig bekennen, könne sich aber mit einem kleinen Obolus freikaufen.

Als er jedoch nach Dallas fuhr und sich tatsächlich stellte, wurde er 1953 sofort für fünf Jahre ins Gefängnis gesperrt.

Obendrein musste Benny wegen der immensen Gerichtskosten Anteile am Horseshoe verkaufen. Erst 1964 war das Casino wieder vollständig im Besitz der Familie.

Den Ehrgeiz Benny Binions konnte allerdings auch das Gefängnis nicht brechen. Nach seiner Rückkehr nach Las Vegas machte er das Horseshoe zum besten Casino der Stadt.

Er erkannte frühzeitig, was notwendig war, um die Spieler bei Laune zu halten. Seine Parole lautete „Good food, good whisky, good gamble“.

In Vegas lebten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, als 50.000 Menschen und die meisten Spielhöllen waren dunkle, hastig zusammengezimmerte Spelunken.

Da, wo in allen anderen Lokalitäten Sägespäne lagen, wurden im Horseshoe Teppiche verlegt. Einer der bekanntesten Teppichleger in Las Vegas arbeitete so seine Spielschulden ab.

Binion war einer der Ersten, der seinen Kunden Gratis-Getränke anbot und für Essen von guter Qualität sorgte.

Dazu offerierte er den Highrollern einen Limousinenservice und organisierte ein Showprogramm. Kurzum, Benny Binion setzte neue Maßstäbe und revolutionierte die Casino-Industrie.

Doch trotz aller Geschäftsideen blieb Benny Binion ein gerissener Gangster. Nicht selten kam es vor, dass Konkurrenten einfach spurlos verschwanden.

Binion schmierte weiterhin hohe Beamte und hielt die Polizei bei Laune. Zudem musste er sich mit der Mafia arrangieren.

Sein Casino führte er mit eiserner Hand. Wenn Kunden Probleme machten, kümmerten sich die Sicherheitsmänner auf ihre Weise darum. Manche Unruhestifter trugen schwere Verletzungen oder gar Langzeitschäden davon.

binions casino
... und im modernen Look.

Seine wachsende Paranoia vertrieb sich Binion auf seiner Ranch in Montana, wo er zusammen mit seinem Bodyguard und Chauffeur „Gold Dollar“ mit Büffelfellmantel in einem kugelsicheren Cadillac mit  Büffelhörner vor dem Kühlergrill durch die Gegend fuhr.

In Vegas hingegen war Benny Binion jedoch immer der ehrenwerte Selfmade-Man und Visionär. Poker hatte ihn schon immer fasziniert, auch wenn er sich selbst als eher schlechten Spieler betrachtete.

Schon 1951 organisierte Binion als Touristenattraktion ein legendäres High Stakes Pokermatch zwischen Johnny Moss und Nick „The Greek“ Dandolos.

Es war sein Meisterwerk und die Geburtsstunde des größten Pokerfestivals der Welt.

Aber das war längst nicht alles. Binion setzte die Limits (beispielsweise am Craps-Tisch) hoch und sorgte so ebenfalls für neue Standards.

Wo in anderen Casinos 50 Dollar das Limit war, machte er 500 daraus. Außerdem nahm er Wetten in jeder Höhe an, solange es diese noch nie gegeben hatte.

Das hatte den Effekt, dass Leute aus reiner  Neugier Casino kamen, dann aber ebenfalls begannen zu spielen.

Eine weitere Attraktion des Casinos war ein Hufeisen, das mit den seltenen $10.000-Scheinen im Gesamtwert von einer Million Dollar gefüllt war.

Nach 1957 hat Benny Binion nie wieder eine Casino-Lizenz besessen. Er beobachtete die Action von einem Cafétisch, während sein Sohn Jack (mit 26 schon Manager des Horseshoe) und vor allem seine Frau Teddy Jane den Laden schmissen.

Die größte Leistung des ins Abseits gestellten Marketing-Genies sollte am Ende die Erfindung der World Series of Poker werden.

Nach einem Poker-Wochenende im Jahr 1970 unter Freunden in Reno hatte er die Beteiligten zur Fortsetzung des Ausflugs ins Horseshoe gebeten und dort aus Spaß die Ausspielung der Pokerweltmeisterschaft (im ersten Jahr noch im Cash Game) ausgerufen.

Gerade mal ein Tisch wurde dafür benötigt, und der Gewinner wurde letztlich per geheimer Wahl bestimmt.

19 Jahre später wurde Phil Hellmuth der damals jüngste WSOP-Champ aller Zeiten. Der Main Event hatte schon stattliche 178 Teilnehmer, und es wurden 14 Turniere ausgetragen.

binions cadillac
Nur echt mit dem Büffelgeweih - Binions Cadillac.

Am Ende desselben Jahres, erlag Benny Binion am 25. Dezember einem Herzinfarkt. Nur ein Jahr später wurde er in die Poker Hall of Fame aufgenommen.

Sein Clan und das Horseshoe überlebten den Tod des Anführers nur wenige Jahre. 1994 starb Ehefrau Teddy Jane, und in den Jahren danach fielen zwei seiner Kinder ihrem Drogenkonsum zum Opfer.

Die zwei übrig gebliebenen Geschwister Becky und Jack Binion lieferten sich danach eine gerichtliche Auseinandersetzung, nach der Becky das Casino übernahm und Jack ein Prozent der Anteile erhielt, um seine Casino-Lizenz für Nevada zu behalten.

2004 – das Jahr in dem Benny Binion 100 Jahre geworden wäre - wurde dem Casino, wegen anhaltender Unregelmäßigkeiten die Konzession entzogen.

Eine der größten Erfolgsstorys von Las Vegas hatte damit endgültig ihren Abschluss gefunden.

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Gangster, Gambler und Ganoven - die Serie

1) Titanic Thompson

2) Rex Cauble

3) Major Riddle - Ich setze das "Dunes"

4) Jimmy Chagra - Das größte Trinkgeld aller Zeiten

5) Larry Flynt - Der Pornokönig

6) Nick "The Greek" - Der moderne Sokrates

7) Benny Binion - Der Erfinder der World Series

8) Bob Stupak - Das letzte Großmaul

9) Archie Karas - Der heißeste "Run" der Pokergeschichte

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