Gangster, Gambler und Ganoven - Major Riddle oder „Ich setze das Dunes“

Share:
12 August 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: The Hand , Featured
Gangster, Gambler und Ganoven - Major Riddle oder „Ich setze das Dunes“

Einer der Spieler, der unter den größten Verlierern der Poker-Geschichte eine eigene Kategorie darstellt, ist zweifellos Casino-Besitzer Major Riddle, um den sich im  Las Vegas der 50er und 60er Jahre ein ganz eigenes „Bereicherungssystem“ entwickelte.

Er engagierte das erste „Oben Ohne Cabaret“ in Sin City und brachte die Autoritäten von Las Vegas gegen sich auf, er hob das „Big Game“ aus der Taufe und wurde sein erstes Opfer, und er machte das legendäre „Dunes“ Casino groß und verlor es Stück für Stück beim Poker.

Dies sind die Geschichten der Männer, die Las Vegas zu dem gemacht haben, was es heute ist – der großartigste und verrückteste Ort der Welt.

Riddle wuchs in Kentucky und Indiana auf und zog als junger Mann nach Chicago, wo er eine Speditionsfirma gründete, die schon bald zu den größten des gesamten Mittleren Westens der USA zählte.

Riddle
Vom Spediteur zum Casino-Hai - Major Riddle.

Während der großen Depression in den 1930ern, als Hunderte pleite gingen erfuhr Riddle einen Aufstieg zu märchenhaften Reichtum. Mit rechten Dingen ging es dabei logischerweise nicht immer zu.

In Chicago herrschte die Mafia und Riddle wurden immer wieder Verbindungen zu ihr unterstellt. Und auch in seiner Firma waren seine Methoden oft mehr als fragwürdig. So drängte er seine Fahrer dazu mit Teilen des Lohns ihre Trucks zu erwerben.

Und kurz bevor diese rechtmäßig in deren Besitz übergehen konnten, feuerte er sie und behielt die Lastwagen für sich.

1956 verließ der Riddle Chicago, um in Las Vegas das erst kurz zuvor eröffnete und mit hohen Verlusten kämpfende „Dunes“ Casino Hotel zu erwerben.

Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch Riddle Teile der Pensionskasse der in Chicago besonders starken Teamster-Gewerkschaft unter Führung von Jimmy Hoffa in Vegas investierte. Hoffa stolperte später über seine Verbindungen zur Mafia und verschwand spurlos.

Riddles Stern begann in Vegas allerdings erst richtig zu leuchten. 1956 eröffnete er das „Dunes“ neu. Und er hatte Erfolg.

Eine seiner glorreichsten Ideen war es die erfolgreiche Burlesque-Truppe „Minsky`s Follies“ zu verpflichten. Damit war das „Dunes“ das erste Hotel-Casino in Las Vegas, das ein „Oben Ohne Cabaret“ auf dem Strip anbot.

Katholische Priester und die Heilsarmee liefen Sturm gegen die Show. „Bare breasted girls on stage in Las Vegas, we can't have that!“, riefen sie bei organisierten Telefonaktionen. Riddle war‘s egal.

Die Show zog 16.000 Zuschauer in einer Woche. Ein Rekord, der in ganz Las Vegas bis 1990 Bestand haben sollte.

Und Riddle hatte weitere Ideen, sein neues Spielzeug zu promoten. So trat er 1962 in der „Tonight Show“ von Johnny Carson auf, um mit dem von ihm verfassten Buch „The Weekend Gambler`s Handbook“ auch Werbung für das „Dunes“ zu machen.

Riddle+Sinatra Eroffnung Dunes1956
Bei der Eröffnung des Dunes trat u. A. Frank Sinatra auf.

Allerdings konnte es fast keinen schlechter beleumundeten Verfasser eines Spieler-Handbuches geben als ihn. Denn Riddle war verrückt nach Poker und dabei ein notorischer Verlierer.

Wann immer er einen Tisch enterte, entstand eine lange Warteliste. Er war nicht nur ein Spieler mit sehr tiefen Taschen, sondern auch leicht zu betrügen.

Der Mafiosi Tony Spilotro und seine Kumpane erleichterten Riddle um Tausende von Dollar. Andere wiederum verwickelten Riddle in Prop-Bets, die der gar nicht gewinnen konnte.

Insider, wie der Journalist Frank Rosenthal („millions were cheated from the Major“) und andere Zeitgenossen sind sich sicher, dass es niemals ein effektiveres Betrugssystem in Vegas gegeben hat, als das, welches den Besitzer des „Dunes“ aufs Korn zu nehmen hatte.

Bekannte Dealer, wie John Martino waren dabei ebenso gekauft, wie Trickspezialisten vom Schlage eines Marty Carson.

Doch auch wenn alles mit rechten Dingen zuging, war Riddle ein Fisch in seiner eigenen Liga. Die meiste Zeit seines Lebens Stud-Spieler gewesen, lief er vor allem immer wieder den Texas Road Gamblern in die Messer, während er versuchte, No Limit Holdem zu begreifen.

Vor allem eine Hand ging im alten Vegas in die Geschichte ein.  In seinem eigenen Casino verwickelte sich Riddle in eine Hand mit Johnny Moss, was wohl sein erster Fehler war, denn Moss war damals auf dem Zenit seiner Fähigkeiten.

Der Flop kam mit  K-K-9 und Moss schoss eine erste Chipsalve ab. Jeder foldete, außer Riddle. Der Turn brachte eine weitere 9. Moss setzte wieder und Riddle callte um ein Weiteres.

Auf dem River wurde ein Bube gedealt, Moss schob all seine Chips in die Mitte, und schnell kam der Call des Hausherren. Der Pot war nun 300.000 Dollar groß.

Moss zeigte triumphierend Pocket 9er zum Vierling. Und Riddle? Hatte nicht mehr als ein Paar 2en!!!

Jeder am Tisch soll versucht haben, sich das Lachen zu verkneifen. Denn Riddle hatte schon am Turn kaum eine Chance gehabt, auch nur das Board zu schlagen.

Joe Rubino, ein Buchmacher aus Alabama, der die Partie beobachtet hatte, machte den Fehler Riddles Irrtum laut auszusprechen und zu fordern: „Er sollte den Call nach dem Turn und den am River zurücknehmen dürfen. Er hatte ja gar keine Chance mehr dieses Board zu schlagen.“

Rubinos Einlassung brachte den als Choleriker bekannten Moss auf Hochtouren. Er explodierte und blaffte Rubino an. „Über was zur Hölle redest du? Du weißt gar nichts über das Spiel. Dabei ist eben manchmal das Board die beste Hand. Komm‘ mir nicht noch mal in die Quere oder du wirst es bereuen.“

Riddles nachweisliche Beschränktheit am Pokertisch hielt ihn jedoch nicht davon ab alles zu setzen was er hatte, und wann immer sich die Chance dazu bot.

Bei einer Partie im „Sahara“, raiste er einmal eine Hand mit seiner Besitzurkunde des „Dunes“. Er gewann die Hand zwar, aber es waren genau jene Aktionen, die seinen Anteil am mittlerweile prosperierenden „Dunes“ innerhalb von kürzester Zeit auf ein Minimum schwinden ließen.

Als das damalige Big Game des alten las Vegas, vom „Dunes“ ins „Aladdin“ umzog, folgte Riddle ihm auf die andere Straßenseite. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte er die Kontrolle über sein Casino komplett verloren.

In weniger als einem Jahr schwanden seine Anteile von knapp 90% auf 15%.  Und auch die verspielte er letztlich am Pokertisch.

Riddle+Elvis
Als Geschäftsmann erfolgreicher als am Pokertisch - Riddle mit Elvis Presley.

Heute gilt das „Aladdin“ als die Geburtstätte des „Big Game“. Und es ist vor allem für zwei Sachen bekannt:

Tom Abdo (1982 in die Poker Hall of Fame aufgenommen) starb hier während einer Highstakes Partie mit den Worten „Count my chips. I’ll be back“ an einem Herzinfarkt. Und: Major Riddle verspielte hier ein ganzes Vegas-Casino.

Doch wie bei unzähligen Anlässen davor, schüttelte Major Riddle den Verlust ab und machte sich noch einmal auf zu neuen Abenteuern.

1977 kaufte er das „Thunderbird“ Casino und benannte es in „Silverbird“ um. Er rekrutierte Eric Drache and Doyle Brunson um ein neues „Big Game“ zu etablieren.

So hoch wie im „Dunes“ und später im „Aladdin“ sollte allerdings lange nicht mehr gespielt werden. Im „Silverbird“ konnte man zwar ein Auto oder vielleicht auch ein Haus verlieren, aber niemals ein ganzes Casino.

Riddle gelang ein weiteres Comeback. Er kaufte Anteil an mehreren Casinos in Vegas und wurde ein weiteres Mal wohlhabend.

Major Riddle starb 1980. Mit ihm verlor das alte Las Vegas eine seiner schillerndsten Figuren und die Pokerwelt zweifellos einen der größten Fische aller Zeiten.

----------------------------------

Gangster, Gambler und Ganoven - die Serie

1) Titanic Thompson

2) Rex Cauble

3) Major Riddle - Ich setze das "Dunes"

4) Jimmy Chagra - Das größte Trinkgeld aller Zeiten

5) Larry Flynt - Der Pornokönig

6) Nick "The Greek" - Der moderne Sokrates

7) Benny Binion - Der Erfinder der World Series

8) Bob Stupak - Das letzte Großmaul

9) Archie Karas - Der heißeste "Run" der Pokergeschichte

Share:

Bitte füllen Sie die erforderlichen Felder korrekt aus.

Es ist ein Fehler aufgetreten!

Sie müssen drei Minuten warten, bevor sie einen weiteren Kommentar abgeben können.

Noch keine Kommentare

BLOGGER

The Brain

The Brain

Ein deutscher Hobbyspieler ohne WSOP-Allüren, aber mit Sinn fürs Detail.

Neuste Einträge  
Battle of Malta Blog

Battle of Malta Blog

Blogs von der Battle of Malta, dem größten Pokerturnier der Mittelmeerinsel.

Neuste Einträge  
The Raise - Rainers Rückblick

The Raise - Rainers Rückblick

Subjektiv und garantiert nicht neutral.

Neuste Einträge  
PokerZeit Blog

PokerZeit Blog

Blogs und interessante Themen aus der Pokerbranche.

Neuste Einträge