Gangster, Gambler und Ganoven (2) - Rex Cauble

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5 August 2014, Von: Christian Henkel
Geposted in: PokerZeit Blog , Featured
Gangster, Gambler und Ganoven (2) - Rex Cauble

Rex Cauble oder "Cutter Bill und die Cowboy Mafia"

Rex Cauble schaffte es in seinem Leben mindestens dreimal richtig reich und mindestens dreimal richtig pleite zu sein. Sein erstes Vermögen machte er mit einem glücklichen Ölfund 1944 in seinem Heimatstaat Texas.

cutter bill rex cauble
Cutter Bill und Rex Cauble.

Schon bald galt sein Interesse allerdings der Aufzucht und dem Training von so genannten „Cutting Horses“ – Pferden, die in sportlichen Wettbewerben daran gemessen werden, wie gut sie mit ihrem Reiter ein Rind für einen gewissen Zeitraum vom Rest der Herde separieren können.

1956 bezahlte Cauble für einen jungen Hengst namens „Cutter Bill“ 2.500 Dollar. Eine Investition, die sich um ein Vielfaches auszahlen sollte.

Zunächst verlor Rex Cauble seinen baldigen Wunderhengst allerdings in einer Partie Seven Card Stud. Zwar löste er „Cutter Bill“ zwei Wochen später wieder aus, die verlorene Stud-Partie war dennoch der Auftakt zu einer ganzen Serie von gigantischen Pokerverlusten.. So ahnungslos, wie Rex Cauble am Pokertisch war, so erfolgreich waren seine Entscheidungen abseits davon.

Sein Hengst „Cutter Bill“ gewann sechsmal die Weltmeisterschaft und insgesamt eine Million Dollar an Preisgeldern. Später wurde er in die American Quarter Horse Hall of Fame aufgenommen. Caubles Liebe zu Bill war so groß, dass er zwei seiner Geschäfte für Reitzuzbehör in Dallas nach dem Champion benannte.

In den 80er Jahren, als die Urban Cowboy-Bewegung ihren Höhepunkt erfuhr, war „Cutter Bill`s Western Wear“ eine der erfolgreichsten Bekleidungsmarken der USA.

Kleidung zu verkaufen machte nur einen geringen Teil des Cauble-Geschäfts aus. Den weitaus größeren Profit machte Cauble mit illegalen Geschäften. Und auch das klingt noch zu harmlos.

marlboro man
Les Fuller war nicht nur eine Werbeikone.

Rex Cauble war einer der wichtigsten Köpfe der mittlerweile legendären Cowboy-Mafia. Diese war in den 70er Jahren für den größten Marihuana-Schmuggel in der Geschichte der USA verantwortlich. Mit Powerspeed-Booten, Shrimp-Kuttern und Pferde-Waggons wurden tonnenweise Drogen von Kolumbien in die USA gebracht.

Zum Netzwerk gehörte neben dem legendären Marlboro-Man-Model Les Fuller auch Rex Cauble, der vor allem für die Geldwäsche in Las Vegas verantwortlich war.

Dort kam Cauble quasi an keinem Pokertisch ungeschoren vorbei. 1978 spielte er sogar den WSOP-Main Event. Aber noch viel lieber saß er in den High Stakes Cash Games im Binions Horseshoe-Casino.

Wie zahllose Verlierer vor ihm konnte sich auch Rex Cauble seine Verluste nicht ehrlich eingestehen. Einmal erzählte er dem Direktor der Dallas International Bank, er wolle 260.000 Dollar einzahlen, die er beim Poker gewonnen habe.

Tatsächlich war es aber so, dass diese 260.000 Dollar der Restbetrag waren, den die High Roller dem Fisch gelassen hatten.

Stories über die lausigen Poker-Skills von Cauble kursierten in Las Vegas zur Genüge. Eine besagt, dass Rex Cauble während der World Series of Poker an einer $50.000 Minimum Buy In Cash Game Partie teilnehmen wollte, an der auch Doyle Brunson, Crandell Addington und Bobby Baldwin Platz genommen hatten.

Cauble ließ es sich allerdings nicht nehmen, sich in einem 30-minütigen Tutorial von Doyle Brunson zunächst die Basics der ihm bis dahin unbekannten Variante des NLHE einführen zu lassen.

Geholfen hatte es offenbar nichts. Eine Hand der skurrilen Session wird bis heute gern erzählt. Nach dem Flop von K J 2 hatten sowohl Cauble als auch Bobby Baldwin gecheckt.

Der Turn zeigte eine 6 und wieder checkten beide Kontrahenten. Als die 4 auf dem River kam, checkte Baldwin erneut und Cauble setzte 1.500 Dollar. Baldwin raiste sofort auf 30.000 Dollar.

rex cauble lewis
1984 - Rex Cauble (links) auf dem Weg ins Gefängnis.

Cauble, der noch 60.000 Dollar vor sich liegen hatte, überlegte nun lange und diskutierte seine Optionen, so dass die restlichen Mitspieler von einem Fold ausgingen. Am Ende callte er und Baldwin zeigte ihm 5-3 zur Straight.

Jeden am Tisch schockierend drehte Cauble exakt dieselbe Hand um. Er hatte die Stone Cold Nuts und nur gecallt, obwohl er noch mit 30.000 Dollar hätte reraisen können.

Doyle Brunson, am Pokertisch ansonsten schwer zu beeindrucken, soll mit dem Ausspruch „I`ll be a sunburned son of a bitch“ fast aus seinem Stuhl gefallen sein.

Die Freude der High Roller über die Strandung eines so gewaltigen Wals an ihren Gestaden wandelte sich jedoch schon bald zu Frust.

1982 wurde Rex Cauble wegen des Schmuggels von insgesamt 106 Tonnen Marihuana und anderer schwerer Delikte zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. In dieser Zeit fehlte den Vegas High Rollern nicht nur einer ihrer fettesten Wale, sondern auch der Produzent zahlloser Poker-Skurrilitäten.

Rex Cauble starb 2007, 89-jährig als erfolgreicher Rinderzüchter im Kreise seiner Familie. In die Geschichte wird er allerdings für drei andere Dinge eingehen.

Er entdeckte „Cutter Bill“, er war einer der führenden Köpfe der Cowboy-Mafia und er hat in den 70er und 80er Jahren  soviel Geld in die Pokerindustrie geblasen wie kaum ein Anderer.

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Gangster, Gambler und Ganoven - die Serie

1) Titanic Thompson

2) Rex Cauble

3) Major Riddle - Ich setze das "Dunes"

4) Jimmy Chagra - Das größte Trinkgeld aller Zeiten

5) Larry Flynt - Der Pornokönig

6) Nick "The Greek" - Der moderne Sokrates

7) Benny Binion - Der Erfinder der World Series

8) Bob Stupak - Das letzte Großmaul

9) Archie Karas - Der heißeste "Run" der Pokergeschichte

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