FullTilt MEC - Poker is coming home

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Bei der diesjährigen Million Euro Challenge von Full Tilt war die europäische Pokerhauptstadt Wien Gastgeber. In den alten Gewölben der „Aula der Wissenschaften" zeigte sich der Event in seinem seriösen und akademischen Kleid. Nicht ganz so distinguiert gab sich Mike Matusow, der den fantastischen Weinkeller des Palais Coburg lobte und lebte. Markus Golser trennte sich derweil vom langjährigen Sponsor. Andreas Krause muss noch keine Medienarbeit verrichten und alle Ergebnisse der Challenge dürfen erst ab Mitte Oktober bekannt gegeben werden.

Der Platz war tatsächlich gut gewählt. Die feine Wiener Innenstadt - der erste Bezirk - und die Wollzeile führt direkt zum Stephansdom, vorbei an der „Aula der Wissenschaften", wo seit Freitag volle Full Tilt Beflaggung befohlen war. Gut gewählt warum? Erstens: Poker is coming home in die eigentliche europäische Hauptstadt des Spiels und Zweitens: Poker goes to academy - nach den Massenveranstaltungen des vergangenen Jahres in Hamburg und Salzburg zeigt sich die Full Tilt Million Euro Challenge 2010 in einer distinguierteren Form.

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Jesus in Wien!

Für 200 Qualifikanten hieß es: einer wird gewinnen. Und zwar die Chance gegen drei Profis des Teams Full Tilt anzutreten, um eine Million Euro mit nach Hause zu nehmen. Nicht ganz so viel Adrenalin hatten wohl die deutschsprachigen Full Tilt Pros im Blut, als sie am Freitag die German Pro Challenge in einem Sit&Go ausspielten. Ob sich nun allerdings Andreas Krause, Markus Lehmann, Martin Kläser, Stefan Rapp, Markus Golser oder Erich Kollmann als bester Full Tilt Pro feiern darf, wird die Öffentlichkeit erst am 17. Oktober erfahren. Dann nämlich wird Sport1 die gesamte Million Euro Challenge 2010 ausstrahlen. Bis dahin gilt: Alle Ergebnisse sind Top Secret.

Ganz und gar geheimnisvoll blieb auch der Abgang von Markus Golser. Noch am Freitag war er mit den anderen deutschsprachigen Pro's in die „Aula der Wissenschaften" einmarschiert. Und am Samstag war dann urplötzlich nicht mehr Full Tilt Pro. Warum Golser, der immerhin drei Jahre das Aushängeschild von Full Tilt in Österreich war, das Team verlassen hatte, blieb unklar. Vielleicht hängt es ja mit seinen beiden Projekten „cardcoaches" und „Allin4kids" zusammen. Vielleicht aber auch mit einer gewissen Nähe zum großen Konkurrenten.

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Martin Kläser - der größte Gewinner der MECs.

Am Abend waren dann noch 30 Spieler übrig und auch das war für Full Tilt- Cheftheoretiker Stefan Kalhamer ein gutes Zeichen, dass man es hier mit einer sehr guten Struktur zu tun hatte. Von 200 Spieler auf einen herunterzuspielen und sich dafür zwei Tage Zeit zu lassen, das so der Regensburger würde kaum ein Casino anbieten. „Hier in Wien darf sich tatsächlich schon jeder als Gewinner fühlen. In Salzburg und Hamburg hat der Glücksfaktor in den ersten Shoot outs noch eine immense Bedeutung gehabt. Hier nun ist Poker genau das, als was es auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden sollte: kein Spiel für Hasardeure, sondern eher was für die Akademie."

Nicht ganz derselben Meinung dürfte wohl Mike Matusow gewesen sein. Zusammen mit Chris „Jesus" Ferguson, Tom Dwan und Huck Seed war er schon am Freitag in die österreichische Hauptstadt gereist und hatte sich - ganz der Hasardeur - über den 4.000 Arten reichen Weinkeller des Palais Coburg hergemacht. Am Samstag, dem Tag des großen Team-Auftritts von „Team Full Tilt International" war er dann noch von postalkoholischer Euphorie beseelt und spielte ganz in „The Mouth" Manier den wilden Clown. Sein lakonischer Kommentar zum nächtlichen Saufgelage: „Ich liebe Wien. Ich hatte bestimmt zehn verschiedene Weine und zehn verschiedene Dom Perignons. I feel like shit."

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Ungewohnt schick - Tom Dwan im Anzug.

Wesentlich aufgeräumter gab sich der Rest der Crew. Und deren Line up konnte sich mit Phil Ivey, Huck Seed, Patrick Antonius, Chris Ferguson, Tom Dwan und Gus Hansen wahrlich sehen lassen.

Letzterer war im edlen Saal des Palais Coburg mit einer imposanten Beinbandage aufgetaucht. Ob das lädierte Knie tatsächlich von einem Squash-Unfall mit Freunden in Kopenhagen stammte, oder aber von einem kräftigen Tritt gegen seinen Computerschreibtisch blieb ungeklärt. Klar war aber, die Fragen nach dem gigantischen Downswing auf den Nosebleed Limits konnten nicht ausbleiben. Und weil es derer ein bisschen viele waren, war der Däne dann auch bereit ein öffentliches Statement zu seinen Millionenverlusten abzugeben.

Nach dem schon bekannten Einmarsch der Gladiatoren - unter den Posaunen des „Fluch der Karibik" Soundtracks - hatte Gus Hansen mal wieder den meisten Beifall bekommen. Und dann sprudelten die deutschen Worte nur so aus ihm heraus. Er hätte tatsächlich gerade eine verdammt hässliche Talsohle zu durchschreiten, aber wer umfällt, müsse auch wieder aufstehen, so der Rat an das applaudierende Publikum. Vielleicht handelt ja des nächste Buch Gustav Hansens davon.

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Die erste durrrr-Challenge lief zwischen Dwan und Patrik Antonius.

Weiterhin kein Buch zu erwarten ist von Phil Ivey. Das wohl größte Pokergenie der neueren Zeitrechnung gab sich wie immer enigmatisch, schien daran aber zur Abwechslung mal großen Spaß zu haben. Wie in einer Bubble fühle er sich mittlerweile, äußerte er am Ende eines Gespräches. Heute sei er da und morgen woanders. Er wüsste eigentlich gar nicht recht, wo er sich gerade befinde. Und überhaupt, so fragte er dann mit seinem typisch provokanten Lächeln: „Was ist eigentlich die größte Partie der Stadt? €40/€80? Okay, dann flieg ich morgen nach London."

Trotz einer sehr lockeren und entspannten Atmospäre und einer allseits gelobten Organisation stand die Million Euro Challenge allerdings auch ganz im Zeichen  der unklaren Gesetzeslage innerhalb der sich die deutschsprachige Pokercommunity immer noch bewegt. Da war er nun einmal da, der neue Star von Full Tilt und dann konnte man ihm keine Fragen zur Durrrr-Challenge stellen. Tom Dwan schlug sich im ungewohnten, schwarzen Zwirn trotzdem überaus passable durch die Interview-Marathons des „Media - get together". Von seiner berühmt, berüchtigten Arroganz und seiner Medienmüdigkeit war am Samstag einfach gar nichts zu spüren.

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Einmarsch der Gladiatoren - Chris Ferguson.

Ganz der Alte war diesbezüglich Andreas Krause. Er wollte keine Fragen zum Poker beantworten und er musste auch gar keine Fragen zum Poker beantworten. Steuerpolitische Gründe hätte das, so der Schwabe. Sobald die Kameras und Mikros aus waren, gab sich Andreas allerdings sehr gesprächig und belebte den ein oder anderen Sit&Go-Tisch.

Insgesamt hat die Full Tilt Million Euro Challenge auch dieses Jahr wieder überzeugen können. Die Idee, Amateurpokerspieler zu einem Freeroll-Turnier um eine gigantische Summe zusammenzubringen und ihnen dabei noch die Möglichkeit zu geben der Götter des Full Tilt Olymp persönlich ansichtig zu werden, ist lebendiger denn je.

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Poker goes Akademie in Wien.

Und das auch die 200 Spieler das so gesehen haben dürften, bestätigte schlussendlich einer, der den Vergleich ziehen kann. Martin Noack hat im April die EPT San Remo gespielt und ist da weit gekommen. Für die MEC 2010 hat er sich sogar zusammen mit seiner Frau qualifiziert. Zur Veranstaltung in Wien sagte er: „Ich habe hier genauso viel Spaß gehabt, wie bei einem großen Real Money Turnier. Gute Struktur, schöne Location, angenehme Atmosphäre - da sag ich Daumen hoch."

Den gibt's in jedem Fall auch für das Presseturnier. Sowas ist ja mittlerweile fast ausgestorben. Und wenn es denn mal stattfindet, sind die Preise eher witzlos zu nennen. In Wien war das anders. Dort gab es für die ersten drei einen 1.000 € Reisegutschein, ein iphone 4G und ein iPad zu gewinnen.

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