Das Full Tilt Pyramidenspiel

Pyramidenspiel

Wie konnte der Online-Pokerraum seine Spieler um mehrere 100 Mio. Dollar betrügen und trotzdem funktionieren?

Preet Bahara ist der New Yorker Staatsanwalt, der gestern die öffentliche Anschuldigung erhob, Full Tilt sei nichts weiter als ein globales Pyramidenspiel. Full Tilt habe nur deshalb so lange operieren können, weil es gelang, immer neue Spieler anzulocken.

Dabei sei der Online-Pokerraum schon Monate vor dem Schwarzen Freitag praktisch insolvent gewesen. Bahara fährt fort: „Die Insider bei Full Tilt füllten sich die Taschen mit dem Geld ihrer treusten Spieler, während sie sowohl den Spielern als auch der Öffentlichkeit hinsichtlich der Sicherheit der hinterlegten Gelder glatt ins Gesicht logen.“

preet bahara
Staatsanwalt Preet Bahara.

Wie FTP das Pyramidenspiel organisierte, steht in der Klageschrift:

1. Belüg die Bank: „Die Leiter der Pokerunternehmen … brachten amerikanische Banken und Finanzinstitute unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu, Zahlungen und Transfers der Pokerunternehmen in Milliardenhöhe durchzuführen, indem sie unter Anderem vorgaben, dass die erhaltenen Gelder US-amerikanischer Spieler Zahlungen nicht-existierender Online-Händler oder anderer Unternehmen seien.“

Zu den betrogenen Instituten gehören auch Visa und Mastercard – die offiziell keine Transfers an Gambling Sites durchführen. Der Trick bestand darin, „inkorrekte Transaktionscodes zu verwenden und so den Eindruck zu erwecken, dass die Transfers nichts mit Internet-Gambling zu tun hatten“.

2. Verschieb die Kohle: „Um den Sommer 2010 waren so viele Zahlungskanäle von Full Tilt unterbrochen, dass es dem Unternehmen zunehmend schwer fiel, Einzahlungen von US-amerikanischen tatsächlich Spielern zu kassieren. Anstatt dies zuzugeben, begann Full Tilt, Spielern Gelder auf ihren Accounts gutzuschreiben, die gar nicht von deren Bankkonten abgezogen worden waren. Damit erlaubte Full Tilt seinen Spielern, Phnatom-Geld einzusetzen – und zu verlieren – dass Full Tilt gar nicht besaß bzw. dass es gar nicht gab.

3. Die Rente ist sicher: FTP versuchte, seine Spieler zu beruhigen und deren Sorge um die Sicherheit ihrer Bankrolls zu zerstreuen. Schon 2008 schrieb „FTPDoug“ – angeblich ein Repräsentant des Managements, dessen Identität allerdings bis heute unbekannt ist, und dessen Existenz mittlerweile angezweifelt wird – im 2+2-Forum: „Spielergelder werden in verschiedenen Konten auf der ganzen Welt aufbewahrt, die von dem operativen Geschäft komplett getrennt sind.“

Das war offensichtlich nicht der Fall. Vielmehr konnten Auszahlungen an Spieler nur so lange durchgeführt werden, wie es gelang, neue Spieler dazu zu bringen, Einzahlungen zu tätigen.

4. Die Pyramide stürzt ein: „Full Tilt Poker schützte die Accounts amerikanischer und anderer Spieler in keiner Weise. Vielmehr wurden die angeblich sicher verwahrten Gelder dazu benutzt, Ausgaben des Unternehmens auszugleichen. Mehrere hundert Millionen Dollar wurden an Mitglieder des Team Full Tilt Pro überwiesen sowie an weitere Miteigentümer von Tiltware LLC.“

„Aus einem Kontoauszug von Full Tilt Poker vom 31. März 2011 geht hervor, dass Full Tilt Spielern weltweit $390.695.788 schuldete, aber nur noch über ein Kapital von $59.579.413. Full Tilt benötigte neue Einlagen von Spielern, um flüssig zu bleiben und Auszahlungen an andere Spieler tätigen zu können.“

Etwa in diese Zeit fielen die Neuerungen Rush Poker und Multi-Entry-Turniere, die noch schneller noch mehr Rake generierten.

Anmerkung: Full Tilt ist bisher nicht offiziell angeklagt, ein Pyramidenspiel (auch „Schneeballsystem“ genannt, im Englischen "Ponzi-Scheme") durchgeführt zu haben. Der Begriff wurde lediglich von Preet Bahara in seiner Pressemitteilung verwendet.

In den USA hat die Geschichte inzwischen die großen Nachrichtenanstalten erreicht. Die folgende Diskussion fand auf CNBC statt.

 

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