Full Tilt MEC in Hamburg: zu Gast bei John Juanda

John Juanda
Auf mehreren Ebenen überlegen.

Der Full Tilt Profi aus Indonesien ist 11. der ewigen Geldrangliste, Titelverteidiger der WSOPE, Buddhist und muss nicht im Rampenlicht stehen. John „JJ" Juanda ärgert sich über ausfällige Kollegen, freut sich auf den Caesar's Cup und kennt keine „Reeperbahn".

PZ: Im Gegensatz zu einigen ihrer Pokerkollegen stehen Sie trotz Ihrer Erfolge selten im Vordergrund. Das gilt auch für die Million Euro Challenge hier in Hamburg. Ist das Ihre eigene Entscheidung?

JJ: Ja. Mir wird oft gesagt, „du musst mehr verrückte Sachen am Tisch machen, dann kriegst du auch mehr Aufmerksamkeit"...

PZ: Was ja auch stimmt.

JJ: Schon, aber letztlich muss man sich doch fragen, ob es die Aufmerksamkeit der Medien wert ist, sich wie ein Idiot zu benehmen und z. B. über Spieler herzuziehen.

PZ: Glauben Sie, dass andere Spieler sich mit Absicht daneben benehmen, um im Fokus zu stehen?

JJ: Davon bin ich absolut überzeugt. Für mich ist aber wichtiger, dass ich mich im Spiegel ansehen und sagen kann, dass ich ein guter Mensch bin. Ein Beispiel: Ich saß am Tisch mit Tony G. Sie wissen, das ist jemand, der sich gerne über andere lustig macht. Jedenfalls gelang es ihm, eine Spielerin so drangsalieren, dass sie schließlich in Tränen ausbrach. So bekommt man natürlich auch viel Aufmerksamkeit. Die Leute werden vor dem Fernseher sitzen und sagen, sieh mal, wie gemein der ist. Und dann behaupten Spieler wie Tony G., dass sie im wirklichen Leben ganz anders seien und sich nur vor der Kamera so benehmen. Wenn jemand aber am Tisch sitzt und heult, sind das echte Tränen. Das hat nichts mit Kameras zu tun.

PZ: Ist das eine Frage des Charakters oder vielleicht ein religiöse Überzeugung? Immerhin sind Sie Buddhist.

JJ: Ich bin Buddhist, aber nicht religiös. Buddhismus ist meiner Ansicht nach weniger eine Religion als vielmehr eine Weltanschauung und ein Leitfaden für die richtige Lebensweise. Wie man mit Familie, Freunden oder auch mit Fremden umgeht, beispielsweise.

Natürlich mache ich auch manchmal Unsinn, etwa auf Partys, aber nicht wenn ich dabei gefilmt werde.

Außerdem kann man ja auch anders auffallen, z. B. durch Humor. Denken Sie an meinen guten Freund Daniel Negreanu. Der hat eine sehr angenehme Art, aufzufallen, ist berühmt und trotzdem beliebt. Das ist doch etwas ganz anderes als bei Tony G. oder Phil Hellmuth, die ununterbrochen andere Spieler belästigen und beleidigen. Das ist natürlich deren eigene Entscheidung, aber ich möchte ein solcher Mensch nicht sein.

PZ: Wie passen eigentlich folgende Elemente Ihres Lebens zusammen: Buddhismus, Bibelverkauf, Berufspokerspieler.

JJ: Als ich auf dem College war, habe ich für einen Buchhändler gearbeitet, der unter anderem auch Bibeln verkaufte. Also habe ich in der Bibel gelesen, damit ich wusste, womit ich denn arbeitete. Mir blieb ja gar nichts anderes übrig. Übrigens bin ich in einem christlich geprägten Umfeld aufgewachsen. Meine Cousins haben mich als Kind oft in die Sonntagsschule mitgenommen. Ich verstehe also das Christentum ziemlich gut, obwohl ich Buddhist bin.

Das Schöne daran ist, dass es keine Fanatiker gibt. Oder haben Sie schon mal von buddhistischen Fundamentalisten gehört? Ich möchte mich nicht negativ über Religionen äußern, aber im Islam gibt es z. B. einige wirklich extreme Strömungen. Ein Buddhist käme aber nie auf die Idee, z. B. zu sagen, Glücksspiel ist verboten, du darfst dieses nicht oder jenes nicht. Deshalb ist es für mich kein Problem, Buddhist und Pokerprofi zu sein.

PZ: Der Pokerprofi Juanda wird in ein paar Wochen für das Team USA im Caesar's Cup in London antreten. Was ist von dieser Veranstaltung zu halten?

JJ: Mein Freund Daniel hat mich eingeladen, und ich habe gerne zugesagt. Ich finde, das ist ein sehr interessantes Konzept. Vier Spieler aus den USA treten jeweils gegen vier Spieler aus Europa an. Aber die Spieler müssen als Kollektiv funktionieren, d. h. dass der erste die Setzrunde vor dem Flop spielt, der zweite auf dem Flop, der dritte den Turn und der vierte den River.

Daniel ist der Kapitän des Teams und wird die Spieler je nach ihren Stärken platzieren. Ich glaube, dass er mich für besonders stark vor dem Flop hält und er mich deshalb auf dieser Position spielen lässt.

PZ: Bedeutet dieses Konzept denn nicht, dass sich alle Spieler nach Ihnen im Grunde Ihre Spielweise übernehmen müssen? Ist das nicht ein Widerspruch zu dem Individualsport Poker?

JJ: Ja und nein. Das ist ja das Interessante. Man muss auf mehreren Ebenen überlegen, bevor man agiert. Glaube ich z. B., dass der Spieler nach mir auch eine schlechte Hand wie Second Pair oder Ace high mit einem guten Gefühl weiterspielen kann? Oder: Ein Spieler blufft auf dem Flop. Der auf dem Turn agierende Spieler möchte einen weiteren Schuss abfeuern, muss sich aber nun fragen, ob der Riverspieler in der Lage ist, den Bluff durchzuziehen und all-in zu gehen. Das wird ein höchst interessantes Experiment.

PZ: Als Titelverteidiger werden Sie wohl auch beim Main Event der WSOPE antreten?

JJ: Das habe ich fest eingeplant. Wenn nicht etwas wirklich Wichtiges dazwischenkommt, werde ich auf jeden Fall dort sein.

PZ: Wenn Sie schon hier in Hamburg sind, besuchen Sie doch bestimmt auch die Reeperbahn?

JJ: Kenne ich nicht. Was ist das?

PZ: Das berühmteste Vergnügungsviertel in ganz Deutschland.

JJ: Sagen Sie bitte meiner Hostess, dass sie mich dort heute Abend hinbringen soll.

 

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