Rentschler geht, Investor kneift – Full Tilt im freien Fall

Full Tilt Poker burns

Abstreiten, ignorieren, schweigen – und nun eine Pressemitteilung. In puncto Management und Öffentlichkeitsarbeit zeigt Full Tilt Poker bemerkenswert genau, wie man es nicht macht.

Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, aber als Full Tilt dann tatsächlich von jetzt auf gleich abgeschaltet wurde, war das trotzdem ein Schock.

Was folgte, war ein ziemliches Trauerspiel. Gegenüber den Spielern, die nun zu Gläubigern mutiert waren, verlautete gar nichts, der Chef wurde vom FBI gesucht, Gerüchte schossen unkommentiert ins Kraut. Von potenziellen Investoren war die Rede, Profis versuchten angeblich, ihre Bankrolls loszuwerden und trennten sich von ihrem Sponsor, Phil Ivey war abwechselnd Schuldner und Kläger, FT sollte wieder hochgefahren werden usw.

Aufklärung sollte dann die Anhörung in London bringen. Aber Fehlanzeige. Die Anwälte von FT spielten auf Zeit und verlangten, die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Strategie ging auf. Bis heute wissen wir weder, wer die angeblichen Investoren sein sollen – um die ein solches Geheimnis gemacht wird, als handele es sich um Gazprom oder mexikanische Schleuser – noch wie es um die (Erst-)Lizenz des Online-Pokeranbieters steht.

Würde es jemanden überraschen, wenn die für den 15. September angesetzte Fortsetzung der Anhörung nicht nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, sondern auch mit einer weiteren Fristverlängerung für die geschäftlichen Verhandlungen endet? Wohl kaum.

Stattdessen verlässt nun auch der Chef der Marketing-Abteilung das Schiff, was angesichts der bisherigen Kommunikationspolitik von Full Tilt auf den ersten Blick auch angebracht scheint. Aber Lothar Rentschler geht nicht, weil er seinen Job so schlecht gemacht hat. Er geht, weil er seinen Job gar nicht machen darf.

„Die gesamte Kommunikation wurde abgebrochen“, schrieb Rentschler, der schon für Bacardi und MEC gearbeitet hat, in einer Email. „[die Kündigung] war ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung“. Mit anderen Worten: Rentschler will sich von „oben“ keinen Maulkorb verpassen lassen und nimmt lieber seinen Hut. Die Außenwirkung ist furchtbar.

Nun beehrt FT die Öffentlichkeit mit einer Pressemitteilung, in der neben halbseidenen Entschuldigungsversuchen auch davon die Rede ist, dass die Gespräche mit dem mysteriösen Investor nun nicht mehr exklusiv geführt würden, sondern auch Kontakt zu anderen Interessenten aufgenommen wird.

Nach den Ereignissen der letzten Wochen lässt sich diese Aussage in zwei Richtungen interpretieren: 1. Es gibt reihenweise Menschen und Unternehmen, die Full Tilt gerne große Menge Geld geben möchten, oder 2. Es hat den geheimnisvollen Investor nie gegeben oder gibt ihn jedenfalls jetzt nicht mehr, und jetzt sucht man händeringend nach irgendjemandem, der das Portemonnaie öffnet.

Angesichts des Trümmerhaufens, den die FT-Führung zu verantworten hat, hilft hier wohl nur noch ein echter Befreiungsschlag, um potente Geldgeber zu interessieren, und der heißt: Austausch des kompletten Managements!

Man kann nicht Mitarbeiter, Kunden und die Justiz brüskieren und dann erwarten, dafür auch noch belohnt zu werden. Im Fußballstadion wären die „Raus“-Sprechchöre schon lange unüberhörbar. Ohne drastische Konsequenzen wird Full Tilt nicht zu retten sein.

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