Gut oder schlecht? Full Tilt blockiert Tracking Sites

gesicherter monitor
Wie schützt man sich vor Data-Mining?

Vor zwei Wochen kappte Full Tilt die Verbindungen zu bekannten Tracking Sites wie SharkScope und PokerTableRatings. Die Mehrheit der Spieler sieht das positiv.

Am 5. April rief SharkScope kaum verhohlen zum Boykott von Full Tilt Poker auf: „Wir fordern alle Online-Spieler höflich auf, in Erwägung zu ziehen, bei einem anderen Anbieter als Full Tilt zu spielen und Full Tilt die Hintergründe und Motivation für diesen Wechsel mitzuteilen.“

Ein Schlag mit einer stumpfen Waffe, wie sich zeigen sollte, denn die Mehrheit der Spieler empfindet den Abbruch der Datenübertragung durchaus positiv, wie die laufende Diskussion bei im 2+2-Forum zeigt.

Der Zug von Full Tilt sei gerechtfertigt, weil dies die Chancengleichheit verbessere, erklärten mehrere Forumsteilnehmer. „Wenn man ein oder zwei Stunden an einem Tisch sitzt, sollte man selbst in der Lage sein, die Qualität und den Stil der Gegner einschätzen zu können“, lautet ein Kommentar.

Sogar Spieler, die zugaben, selbst häufiger bei PTR und SharkScope vorbeizuschauen, äußerten sich positiv über die Abschaltung. Viele forderten PokerStars auf, jetzt nachzuziehen. Bisher sind die Daten des Marktführers noch offiziell einsehbar, obwohl man beispielsweise bei der Turnier Tracking Site OfficialPokerRankings (OPR) schon letztes Jahr persönlich die Freigabe der eigenen Daten bestätigen musste.

Poker Tracking Software gilt dagegen nicht als Problem. Hier muss sich jeder Spieler seine Datenbank schließlich selbst anlegen, und damit die Datenmenge groß genug wird, um aussagekräftig zu sein, müssen Zehntausende von Händen gespielt werden.

Abe auch hier gibt es eine Möglichkeit, das endlose grinden zu umgehen, und hier liegt das wirkliche Problem: Data Mining und Handel mit Hand Historys. Durch den Erwerb dieser Daten lassen sich auch Gegner, mit denen man noch nie am Tisch saß, quasi „aushorchen“. Das erfordert zwar ebenfalls Zeit und Arbeit, kann sich aber durchaus lohnen.

Die Geschichte um Viktor Blom und Brian Hastings sei hier nur am Rande erwähnt, weil sie die Grauzone aufzeigt, die Data Mining um gibt. Natürlich sollten Hand History nicht verkauft werden, aber man darf ja mit Freunden über einen Spieler und dessen Stil sprechen. Auch über einzelne Hände. Und wenn einer der Freund jetzt auch Beispielhände gegen diesen Spieler dabei hat? Darf man dann darüber nicht reden?

Ist also das Durchtrennen aller Datenkabel zu Tracking Sites der einzig sichere Weg?

Heute sieht es so aus, als sei man bei PokerStars schon mit diesem Schritt beschäftigt. „[Wir] wissen, dass es Leute gibt, die versuchen, unsere Regelung zum Data Mining zu umgehen, und ich gebe hier gerne bekannt, dass wir unsere Software bereits dahingehend weiterentwickeln, diese Aktivitäten zu beenden.“

Die neuen Seiten PokerStars.fr und PokerStars.it werden von PTR gar nicht erst aufgezeichnet.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die auf die Kontrollfunktion von Tracking Sites verweisen. „PTR hat dabei geholfen, Multi-Accounting, Betrug, Bots und Chip Dumping aufzudecken … Es war immer ein sehr nützliches Werkzeug für die Spielauswahl“, erklärt einer der Teilnehmer.

Auch der UB-Skandal wäre ohne Hand History nicht ans Licht gekommen. Damals war einem der Spieler, der nach einem manipulierten Turnier seine eigene Hand History angefordert hatte, versehentlich eine Liste zugeschickt worden, in der alle Hole Cards offengelegt wurden.

 


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