Brechtsches Theater mit Full Tilt

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26 Juli 2011, Von: Dirk Oetzmann
Geposted in: The Hand
Brechtsches Theater mit Full Tilt

Bei der öffentlichen Anhörung in London hat Full Tilt die großartige Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit in einem besseren Licht zu präsentieren – verspielt.

Der große Bertolt Brecht benutzte Verfremdung und Desillusionierung als Stilmittel, um sein Theater vom wirklichen Leben erkennbar abzugrenzen. Die Anwälte von Full Tilt haben Brecht offenbar gewissenhaft studiert.

Anstatt zu versuchen, ihre Spieler ein wenig zu beruhigen und ihnen die Sicherheit zu vermitteln, dass sie zumindest mittelfristig damit rechnen können, ihre Guthaben zurückzubekommen, oder dass der Spielbetrieb schlicht wieder aufgenommen wird, vermittelten sie den Eindruck, dass die Spieler – letztendlich ja die GeldGEBER von Full Tilt – dem Unternehmen herzlich gleichgültig sind.

Die Anhörung von heute wirkt auf den ersten Blick sehr verfahren. Eine öffentliche Anhörung wird unterbrochen, dann wird ohne Einbindung der Öffentlichkeit darüber verhandelt, ob die Anhörung öffentlich bleibt und überhaupt weitergeführt wird. Wie bitte?

Michael Heslop und seine Kollegen versuchten von Anfang an, die Öffentlichkeit von den Vorgängen fernzuhalten. Das ist nicht gerade das, was sich die Spieler unter „mehr Transparenz“ vorstellen. FT weigerte sich, seine Karten offenzulegen.

Die Alderney Commission machte klar, dass es ihr ebenfalls zunächst nicht um die Spieler geht. Vielmehr sei man hier, um Schulden einzutreiben. Es geht um $400.000 Gebühren, die FT in der Vergangenheit nicht bezahlt hat. Für die AGCC hätte die Anhörung nach wenigen Minuten beendet sein können, wenn FT eingelenkt hätte. Würden die Schulden nicht beglichen, erhielte FT die Lizenz nicht zurück, so der einfach Gedankengang.

Stattdessen versuchten die Anwälte, den Spieß herumzudrehen und erklärten, FT würden nichts bezahlen, wenn nicht die Aussicht besteht, die Lizenz zurückzubekommen. Und nur dann, so die Implikation, würden die Spieler auch ihr Geld zurückbekommen.

Michael Heslop versuchte, damit den Druck von FT auf die AGCC zu verlagern, nach dem Motto: Was kann ich dafür, wenn Ihr nicht nachgebt.

Wenn die Sache nicht so ernst wäre, könnte man von einem gelungen Bluff Reraise sprechen. So aber bleibt zunächst nur die Enttäuschung darüber, dass FT keinen Schritt von der Linie abweicht, so wenige Informationen wie möglich preiszugeben.

Das Ziel scheint vielmehr zu sein, das Verfahren zu verschleppen und zu vernebeln.

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