Full Tilt Poker, AGCC, DoJ – Vorwürfe und Reaktionen

ftp hearing

Was bedeuten die Statements der Alderney Gambling Control Commission, von Full Tilt Poker und dem Justizministerium im Einzelnen?

Nachdem sich gestern die Nachrichten wieder überschlugen, können wir die Geschehnisse nun etwas genauer betrachten.

Warum wurde Full Tilt die Lizenz endgültig entzogen?

1. Die finanzielle Situation

Gemäß der Angaben der AGCC ist Full Tilt Poker (FTP) praktisch insolvent und traf in der Vergangenheit zweifelhafte Entscheidungen.

agcc

2. Mangelnde Kommunikation mit der AGCC

FTP hat es mehrmals versäumt, die AGCC innerhalb der geforderten 48h zu unterrichten, nachdem es zu ernsthaften Vorfällen gekommen war, die die Handlungsfähigkeit des Online-Anbieters beeinträchtigten.

Laut eines Berichts der AGCC hat das amerikanische Justizministerium Department of Justice (DoJ) zwischen Juni 2007 und Juni 2011 ca. $331 Mio. beschlagnahmt bzw. eingefroren hat. FTP hat die AGCC darüber nicht korrekt informiert und dieses Geld als verfügbares Kapital betrachtet.

3. FTP zahlte nicht an Spieler aus

Nach dem Schwarzen Freitag am 15. April tätigte FTP keine Auszahlungen mehr an amerikanische Spieler, später auch nicht mehr an europäische.

4. FTP konnte die Kundenkonten nicht decken

Trotz internen Kontrollsystems hatte FTP keine ausreichenden Mittel, um die Accounts der Spieler zu decken. Komplette Auszahlungen wären nicht möglich gewesen.

5. FTP ermöglichte das Spiel mit „Phantom-Geld“

Um keine Spieler zu verlieren, ließ FTP diesen Geld zukommen, dass es gar nicht gab bzw. dass FTP nicht von den Bankkonten der Spieler abziehen konnte.

Die AGCC verbietet eine Kreditvergabe dieser Art eindeutig.

6. FTP legte inkorrekte Geschäftsberichte vor

Laut AGCC legte FTP Rechenberichte vor, die die finanzielle Situation des Unternehmens nicht korrekt darstellen.

fulltiltlogo

FTP reagierte noch am gestrigen Tag mit einer eigenen Meldung, aus der Folgendes hervorgeht:

1. FTP wollte eine weitere Vertagung der Verhandlung erreichen.

FTP behauptet, in weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem Investor zu stehen, legte „eindeutige Beweise für das Interesse des Investors vor“  und bat um eine weitere Firstverlängerung um 30 Tage. Die Bitte wurde abgelehnt.

2. FTP wollte nur das Beste

„In den vergangenen Monaten hat FTP sich voll und ganz der Aufgabe gewidmet, die Rückzahlungen an seine Spieler zu gewährleisten – diese Hingabe hat FTP mehrfach gegenüber der AGCC zum Ausdruck gebracht…“

3. Die AGCC ist schuld an der Misere der FTP-Spieler

„Trotz des potenziellen Schadens durch die Commission und deren Ignorieren der Bedürfnisse unserer Spieler bleibt FTP bestrebt, alle Spieler komplett auszuzahlen und führt die Verhandlungen fort.“

Das Justizminsterium meldet sich zu Wort

Inzwischen hat auch das amerikanische Justizministerium (DoJ) mit einer Stellungnahme reagiert, nachdem zahlreiche Anfragen hinsichtlich möglicher Auszahlungen eingingen. Darin wird das Verhalten des FTP-Managements noch einmal klar dargestellt.

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1. FTP durfte nach der Schließung auszahlen

Das DoJ erklärt, im April zwar die Domains von FTP, PokerStars und AB blockiert zu haben, nicht aber die Konten. Vielmehr sei FTP „ausdrücklich autorisiert“ gewesen, Spielergelder auszuzahlen.

2. FTP konnte nach der Schließung nicht auszahlen

Wie aus der erweiterten Klage vom 22. September hervorgeht, besaß FTP keine ausreichenden Mittel mehr, um die Anfragen der Spieler zu befrieden. Vielmehr habe man in der Zwischenzeit große Summen an Angestellte des Unternehmens überwiesen und Spieler mit „Phantomkrediten“ versorgt.

3. Auszahlungen sind möglich, aber ungewiss

Es ist nicht unmöglich, dass die Ansprüche der Spieler von FTP noch erfüllt werden. Das DoJ hat noch keinen umfassenden Einblick in die Bücher von Full Tilt erhalten, das sich die Zentrale in Irland befindet.

Ob ausgezahlt werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab, je nachdem, wie viel Geld noch auf den Konten gefunden wird und wie sich die Abwicklung von FTP entwickelt.

4. Der Prozess wird mehrere Monate dauern

Wie lange genau es dauern wird, bis der Prozess abgeschlossen ist, kann man heute nicht mit Sicherheit sagen. Laut DoJ werden es auf jeden Fall „viele Monate“ sein.

Fazit: FTP wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben. Nach den letzten Wochenist das eine gute Nachricht, denn die AGCC hat dem Unternehmen eine Hintertür offen gelassen: Wird das Unternehmen verkauft und ein neues Management eingesetzt, kann der Betrieb mittelfristig wieder aufgenommen werden.

Darin liegt die größte Chance für Zigtausende von Spielern, die heute noch Geld auf ihren FTP-Accounts liegen haben. Sollte FTP dagegen einfach verschwinden, sind die Chancen auf Auszahlungen gering, denn ob und wie Gelder von FTP-Eignern zurückgefordert werden können, ist völlig ungewiss.

 

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